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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 03:27 Uhr

Vogelgrippe : „Nur die Hühner sind beleidigt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Züchter reagieren auf Vogelgrippe verständnisvoll und gelassen. Schauen mit Henne, Hahn und Co. für die nächsten Wochen abgesagt

Am Dienstag ist die gefährliche Variante der Vogelgrippe vom Typ H5N8 auch in Schleswig-Holstein festgestellt worden. Das Ministerium reagierte prompt und verhängte eine Stallpflicht. Unsere Zeitung hat bei Steinburger Züchtern nachgefragt, was die Vogelgrippe für sie bedeutet.

Die „35. Krempermarsch-Schau“ mit angeschlossener Werbeschau des Zuchtbuches Schleswig-Holstein hätte für die Kremper Rassegeflügelzüchter eigentlich der Höhepunkt des Jahres werden sollen. Doch nach Ausbruch der Vogelgrippe müssen kurzfristig landesweit alle Vogelschauen abgesagt werden. Damit fällt auch die fürs Wochenende geplante zweitägige Veranstaltung in der Willi-Steinmann-Halle aus.

Auch dem Vorsitzenden des Kleintierzuchtvereins Hohenaspe Helmut Gehrts machte die Meldung über den Tod der wilden Reiherenten am Plöner See einen Strich durch die Rechnung. „Die Koffer waren gepackt - jetzt habe ich alles wieder ausgeräumt“, sagt Helmut Gehrts, der heute seine Tauben auf einer Schau im Rheinland präsentieren wollte. Nach seinen Angaben sei mit der gestrigen Nachricht vom Ausbruch der Vogelgrippe überreagiert worden. „Dennoch habe ich meine rund 50 Hühner vorsichtshalber im Stall gelassen“, sagt Gehrts, dessen Tauben ohnehin in überdachten Volieren untergebracht sind. „Das Aufstallungsgebot gilt derzeit ja maximal in dem Sperrgebiet - also Ostholstein“, betont Gehrts und hofft, dass die geplante Landesschau in der kommenden Woche trotzdem in Neumünster stattfinden werde.

„Abwarten und die Sache ruhig angehen lassen“ ist die Devise von Horst Delfs, Eigentümer des Geflügelhofs Schmabek in Itzehoe. Wenn sich alle Geflügelhalter an die Regeln halten, sieht er keine Gefahr, dass die Krankheit auch auf Haustiere übergeht. Der 70-Jährige warnt deshalb vor Panikmache: „Es ist noch nicht raus, ob die Vögel tatsächlich an dem Virus gestorben sind. Sie hatten zwar das Virus, aber das hat jeder Vogel. Es darf nur nicht ausbrechen.“ Schon vor 50 Jahren seien Tiere tot vom Himmel gefallen. Auch vor zehn Jahren wurden zahlreiche Vögel von der Krankheit dahingerafft und „der Betrieb hat alles gut überstanden“. Nur wenn ein Transportverbot für Geflügel verhängt werde, drohe das Weihnachtsgeschäft einzubrechen, so Delfs.

Auf dem Hof von Sven und Stefanie Krey in Wewelsfleth war die Vogelgrippe gestern das vorherrschende Thema bei den Kunden. Erfahrungswerte damit hat das Ehepaar noch nicht. Seit gut einem Jahr gibt es den Betrieb mit 420 Tieren erst, die in mobilen Stallungen gehalten werden. „Unsere Kapital ist, dass die Tiere draußen sind.“ Trotzdem haben die Züchter umgehend auf die verhängte Stallpflicht reagiert und die Tiere reingeholt - für die Hühner ganz ungewohnt: „Unsere Hühner waren heute ein bisschen beleidigt, dass sie nicht wie gewohnt auf die Wiese konnten“, erklärte Stefanie Krey gestern. „Aber es ist für uns absolut selbstverständlich, dass man sich an die Maßnahmen hält.“ Großes Lob gab es von der 34-Jährigen für das Kreisveterinäramt, das die Geflügelzüchter bereits Dienstagabend telefonisch informierte: „So zackig, wie die gehandelt haben, bin ich optimistisch, dass man die Vogelgrippe schnell in den Griff bekommt.“

Auch Biolandwirt Harry Lieske aus Hadenfeld erkundigte sich sofort beim Veterinäramt, Sorgen mache er sich aber nicht. „Dennoch ist es wichtig, die Hühner, Enten und Gänse unter Quarantäne zu stellen“. Seine beiden Stallungen seien glücklicherweise so ausgelegt, dass die 2600 Hühner ohne Probleme drin bleiben können. „Beide Ställe haben jeweils eine Größe von 300 Quadratmeter, zu denen noch einmal 110 Quadratmeter Winterauslauf kommen“, sagt Lieske. Wichtig sei es nun, die „eingesperrten“ Hühner zu beschäftigen. „Dafür haben sie Strohballen erhalten, die sie in aller Ruhe auseinander nehmen können“, weiß sich Lieske zu helfen. Auch für die Unterbringung der eigentlich freilaufenden 30 Enten und 13 Gänse habe er inzwischen mit einem weiteren freistehenden Stall gesorgt.

Peter Goldnick, Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg erklärte, dass die Gesundheit der Tiere nun oberste Priorität habe. Der Verband appelliert an Halter, Schutzkleidung anzulegen, Schuhwerk zu desinfizieren, vor dem Betreten des Stalls die Hände zu waschen und ein wachsames Auge auf die Gesundheit des Geflügels zu haben.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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