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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 15:41 Uhr

„Noch viele Jahre Gutes tun“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dirk Passarge und Michael Behrendt über Herausforderungen und neue Ideen für das Benefizspektakel Wattolümpiade

Zum zwölften Mal haben sich bunt kostümierte Menschen am vergangenen Sonnabend in den Elbschlick vor Brunsbüttel gestürzt, um mit verrückten Wettkämpfen wie Wattwolliball und Aalstaffellauf Geld für die Unterstützung krebskranker Menschen einzuspielen. Die Wattolümpiade ist kein Selbstgänger. Dass der jährlichen Realisierung tagelang harte Arbeit vorausgeht, und auch das Wetter mal einen bösen Streich spielen kann, wissen die beiden Vorsitzenden des Wattolümpia-Vereins, Dirk Passarge (39) und Michael Behrendt (39), nur zu gut.

Für Teilnehmer und Besucher ist die Benefiz-Schlammschlacht am Elbdeich eine Gaudi. Die Last der Veranstaltung ruht auf vergleichsweise wenigen Schultern. Wie schafft ihr das?
Passarge: Unser Kernteam ist in der Tat klein, was einerseits praktisch ist, da Entscheidungen nicht tot diskutiert werden, andererseits aber auch den Nachteil hat, dass viel Verantwortung und Arbeit auf den einzelnen Schultern lastet. Das ist manches Mal schon ein Kraftakt. Wir sind aber froh, einen festen Stamm von Helfern zu haben, die uns rund um die Veranstaltung selbst zur Seite stehen. Jedes Jahr kommen ein paar neue hinzu, andere gehen, weil es sie wegzieht oder sich die Interessen verlagern. Damit muss man umgehen. Wir freuen uns über jeden, der hier mit anpackt und Teil eines tollen Teams wird. Auch wenn es manchmal so wirken mag: Wir sind kein geschlossener Zirkel, sondern offen für jeden, der sich mit Tatkraft einbringen möchte.

Um die Wattolümpiade auf die Beine zu stellen, braucht ihr auch Sponsoren. Sind deren Taschen heute zugeknöpfter als früher?
Behrendt: Wir hatten nach dem Wegfall zweier Hauptsponsoren vor einigen Jahren tatsächlich um den Fortbestand der Wattolümpiade bangen müssen, denn unsere goldene Regel ist: Wir gehen immer mit null Euro Schulden in die Veranstaltung, um den kompletten Eintrittserlös spenden zu können. Glücklicherweise konnten wir neue Unterstützer gewinnen, die uns auch treu zur Seite stehen – dies, weil sie zum einem um die Bedeutung der Wattolümpiade für Krebsbetroffene in der Region wissen, sich zum anderen aber auch mit der Veranstaltung und dem Zweck dahinter identifizieren. Das geht über bloßes Sponsoring hinaus, weswegen wir sie auch viel lieber „Ermöglicher“ nennen.

Seit 2004 hat die Veranstaltung weit über 300  000 Euro für den guten Zweck eingespielt. Zwei Beratungsstellen für Krebskranke und deren Angehörige, Palliativzimmer, Typisierungsaktion, Kinderhospiz Dithmarschen und Krebsberatungszentrum Westküste in Brunsbüttel sind Stichworte. Was treibt euch an?
Passarge: Genau das: mit vermeintlichem „Quatsch im Matsch“ ernsthafte Dinge zu bewegen. Dieses Spannungsfeld ist groß, aber eben auch reizvoll. Und wenn man dann sieht, was man bewegen kann – das pusht.


Die Mühen wurden ja auch belohnt durch Preise und mediale Aufmerksamkeit weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Seid ihr zufrieden?
Behrendt: Dass die Bilder von der Wattolümpiade um die Welt gehen, ist schon irre. Andere müssten dafür riesige Werbebudgets ausgeben – uns fällt das in den Schoß. So etwas macht schon Spaß! Wertschätzung ist ein wichtiges Element, schließlich fördert das auch die Motivation: Es wird anerkannt, dass sich hier nicht nur ein paar Spinner im und am Watt tummeln, sondern dass das Ganze auch Hand und Fuß hat.

Als Wind und Regen 2011 für eine kurzfristige Absage von Wattstock-Festival und Wattolümpiade sorgten, gab es da Gedanken ans Hinschmeißen?
Passarge: Nein, im Gegenteil. Es war das erste Mal, dass die Solidarität der Brunsbütteler für uns so richtig spürbar wurde. Viele spendeten und stellten Aktionen auf die Beine, so dass wir trotzdem das Ziel – die Einrichtung eines Palliativzimmers – erreichen konnten. Auch die Sponsoren gaben uns volle Rückendeckung. Das hat richtig gut getan.

Im vorigen Jahr habt ihr die Veranstaltung erstmals vom Sonntag auf den Sonnabend vorgezogen. Warum?
Passarge: Die meisten Wattleten kommen ja von weiter her, und da wurde der Wunsch an uns herangetragen, auf den Sonnabend zu gehen, damit anschließend noch gefeiert werden kann. Die Resonanz darauf war gut – deshalb haben wir es auch in diesem Jahr so gemacht.

In Zukunft wollt ihr die Olümpioniken nur noch alle zwei Jahre an den Start schicken. Warum?
Behrendt: Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt, auf einen Zwei-Jahres-Turnus zu gehen, immer parallel zu den großen Sportturnieren wie Fußball-EM und -WM. Wir finden, jetzt, wo wir das dreckige Dutzend voll haben, ist der passende Zeitpunkt gekommen.

Passarge: Ein Zwei-Jahres-Rhythmus verschafft uns Ehrenamtlern ein bisschen mehr Luft. Das wird uns, die ja zum größten Teil voll im Berufsleben stehen, gut tun. Aber auch der Wattolümpiade selbst, die neue Impulse gebrauchen kann, damit wir noch viele Jahre viel Gutes für Krebsbetroffene in der Region tun können. Wir haben schon tolle Ideen für die nächste Auflage, auch der Termin steht mit dem 21. Juli 2018 schon fest.

Behrendt: Und – ohne zu viel zu verraten: Auch 2017 wird es verrückten Sport am Elbdeich von Soesmenhusen zu erleben geben. Wir hecken gerade etwas für die „Zwischenjahre“ aus – unsere Sportfreunde dürfen schon gespannt sein und sich weiterhin den 1. Januar als Meldetermin fett im Kalender anstreichen.

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erstellt am 02.Aug.2016 | 09:23 Uhr

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