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Norddeutsche Rundschau

30. März 2017 | 20:34 Uhr

Nicht schweigen - nicht wegsehen

vom

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs spricht bei Dithmarscher Synode / Erklärung zur Prävention von Gewalt und Missbrauch verabschiedet

Heide | Die Sonne war am frühen Montagabend hinter den Wolken verschwunden. Im Gemeindehaus St. Jürgen in Heide war es schummrig. Passender hätte die Kulisse für die Kirchenkreissynode kaum sein können. Das Schwerpunktthema: grenzverletzendes Handeln. Ein schweres, düsteres Thema. So hieß es denn auch gleich zur Begrüßung: In all das Dunkel muss Licht. Denn im Dunkeln seien die Täter aktiv.

Closed Shops, geschlossene Läden, nannte Kirsten Fehrs den Raum, in dem Übergriffe statt fänden, in dem Missbrauch betrieben werde, in dem Schweigen herrsche. Hamburgs Bischöfin war nach Dithmarschen gekommen, um von ihren ganz persönlichen Eindrücken und Erfahrungen der Situation in Ahrensburg zu berichten. Dort hatte in einer Kirchengemeinde über Jahre sexueller Missbrauch durch zwei Pastoren statt gefunden. "Ich weiß nicht wie viele Stunden ich zugehört habe, ich vermute weit über hundert - und es war nicht immer leicht auszuhalten. Aber nicht eine einzige Minute war vergebens." Fehrs zollte den Opfern höchsten Respekt, denn es fiele ihnen nicht leicht, sich zu öffnen. "Diese Menschen haben uns aufgerüttelt - mich persönlich und uns als Institution -, und ich stehe mit großer Bewunderung vor ihnen." Die Bischöfin forderte vehement, nicht wegzusehen, nicht die Augen zu verschließen. Sonst würde wie in Ahrensburg das "große Schweigen beginnen (von dem ich das Gefühl habe, dass es noch nicht durchbrochen ist)." Sie gab auch der "Maske des Fortschritts" eine Teilschuld, unter der mit Alkohol als Stimulanz Gewalt ausgeübt worden sei.

Lob gab es von Hamburgs Bischöfin für die Dithmarscher Handlungsleitlinien, mit denen der Kirchenkreis Dithmarschen allen Betroffenen einen Ratgeber an die Hand gegeben hat. Dort sei auch die schwierige Situation angesprochen, wo die kirchliche Seelsorge als Schutzraum wichtig sei und wo dieser verlassen werden muss.

Dass grenzübergreifendes Handeln jedoch noch weit mehr sein kann als der sexuelle Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, schilderten weitere Referenten. Pastor Andreas Hamann berichtete beispielsweise aus dem Bereich der Krankenpflege. Dort werde nahe an der Schamgrenze gearbeitet. Aber die Würde des Patienten müsse stets gewahrt werden. Hamann, der selbst ausgebildeter Krankenpfleger ist, warb dafür, die Patienten stark zu machen und klare Grenzen für den Klinikalltag zu schaffen. Über Ethikleitlinien verfügt die Stiftung Mensch. Darin sei auch ganz klar festgeschrieben, dass sexuelle Beziehungen zwischen Betreuern und Menschen mit Behinderungen verboten seien, erklärte Dorothee Hunfeld, Stiftungsvorstand. Johanna Nolte forderte in ihrer Rede zum Bereich Kindertageseinrichtungen, mehr Mut und auch die Möglichkeit, dabei Fehler zu machen.

Abschließend verabschiedete die Synode einstimmig eine Erklärung zur Prävention von Gewalt und Missbrauch.

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erstellt am 12.Jun.2013 | 03:59 Uhr

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