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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 10:48 Uhr

Erneuerbare Energien : Newrizon will 25 Windräder bauen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Informationsrunde für Wilstermarsch-Bürgermeister: Aus dem jährlichen Reingewinn von fünf Millionen Euro sollen 90 Prozent in der Region bleiben

Mit bis zu 25 neuen Windkraftanlagen könnte die Wilstermarsch zum bundesweit einmaligen Pilotprojekt für – so das Motto – „eine neue Ökonomie für ländliche Räume“ werden. Ein entsprechendes Angebot machten Gesellschafter des Unternehmens Newrizon jetzt den versammelten Bürgermeistern. Mehr noch: Wie Projektmanager Cartano Poburski ergänzend mitteilte, könnte die Umsetzung zu einem Forschungsprojekt für Universitäten im Norden werden. Entsprechende Gespräche gebe es bereits. Das Besondere bei dem Newrizon-Modell: Die Windparkbetreiber wollen nur zehn Prozent der Gewinne für sich selbst behalten. Die übrigen 90 Prozent sollen anteilig an die jeweilige Standortgemeinde und an die betroffene Region – in diesem Fall die Wilstermarsch – verteilt werden.

Eine Woche zuvor hatte Newrizon sein Konzept bereits im Rahmen einer Informationsveranstaltung für die Einwohner von Neuendorf-Sachsenbande vorgestellt. Dort war zunächst von fünf Windkraftanlagen zu jeweils 3,3 Megawatt die Rede. Für die Errichtung in der Gemarkung Hackeboe , so hieß es, gebe es auch bereits Vorverträge mit Landeigentümern.

In der Bürgermeisterrunde legte Newrizon jetzt noch einmal nach. „Wir bieten für das gesamte Amt den Bau von 25 Anlagen an“, sagte Geschäftsführender Gesellschafter Klaus-Michael Rothe. Und: „Wir reden dabei über fünf Millionen Euro.“ In dieser Größenordnung bewegen sich laut Newrizon die jährlichen Gewinne durch den Verkauf von Windstrom – nach Abzug sämtlicher Kosten und Steuern. Seine Rechnung: 500  000 Euro davon gingen an die Newrizon-Gesellschafter, 2,5 Millionen an die jeweiligen Standortgemeinden und weitere zwei Millionen Euro an die übrigen Wilstermarsch-Orte. Unterm Strich würden damit 90 Prozent aller Gewinne an die betroffene Region ausgeschüttet, was in diesem Umfang deutschlandweit einmalig sei.

Das Geld soll damit jeweils in eigens zu gründende Stiftungen fließen, damit es nicht in den normalen kommunalen Haushalten landet und dort vielleicht von Abgaben aufgefressen wird. Die mehrheitlich mit Vertretern aus der Region besetzten Stiftungsgremien könnten dann über die Verwendung selbst entscheiden. Einziger Wermutstropfen: Auch die Stiftungen müssten noch Steuern bezahlen. Wie Mit-Gesellschafter und Steuerberater Manfred Mätz vorrechnete, verblieben aber bis zu 87 Prozent der Gelder. Mindestens 73 Prozent der Stiftungsgelder seien vor dem Fiskus sogar ganz sicher. Hinzu komme, dass auch Stiftungen Gewerbesteuern zahlten, die wiederum den Gemeinden zugute kämen. Mätz versprach: „Wir garantieren eine Überprüfung der Zahlen durch Dritte, ob in allen Bereich sach- und kostengerecht abgerechnet wurde.“

Wie schon vor den Einwohnern versprachen die Newrizon-Gesellschafter größtmögliche Offenheit. Sämtliche Zahlen würden offengelegt, sodass auch nicht mit Tricks gearbeitet werden könne, mit deren Hilfe Gewinne geschmälert werden. Selbst aus den Pachtzahlungen für die Landeigentümer, auf deren Grund die Windräder gebaut werden, machte Cartano Poburski kein Geheimnis: „Die bekommen rund 13  000 Euro pro Megawatt.“ Unterm Strich macht das bei einer der geplanten Anlagen jährlich rund 40  000 Euro an Pachteinnahmen. Von den versprochenen Gewinnen seien diese als Betriebskosten aber schon abgezogen.

Angesichts der Millionenversprechungen rieb sich Oberdeichgraf Klaus-Peter Krey dann aber doch verwundert die Augen: „Ich als Landeigentümer würde das Geschäft doch selbst machen wollen.“ Erklärung aus den Reihen der Newrizon-Gesellschafter: Sie verstünden sich als soziales Unternehmertum. „Wir haben eben andere Geschäftsgrundlagen“, so Klaus-Michael Rothe. Sie alle eine ein klares Bekenntnis zum ländlichen Raum, für den Wind in Geld verwandelt werden solle. Schließlich sei Wind die einzige Ressource, die es dort gebe. Klaus-Peter Krey meinte dann: „Die hier genannten Zahlen stimmen wohl. Mit Wind wird wirklich viel Geld verdient.“ Das, so fügte er hinzu, wisse er von den eigenen im Marschenverband betriebenen Windrädern.

Glaubt man Cartano Poburski ist das Modell für die Region die reinste Gelddruckmaschine. „Nach der Abschreibung in 16 oder 17 Jahren steigt die Ausschüttung noch einmal um 150 Prozent.“ Beim heutigen Stand der Technik könnten die Windräder 25 bis 30 Jahre lang laufen. Alle anderen Modelle von Windparks hält Poburski für Augenwischerei: „Das Geld wird immer woanders verdient, nur nicht in der Region.“ Ansonsten sei es selbstverständlich auch bei Newrizon möglich, sich an den Anlagen direkt zu beteiligen, was am Ende natürlich die übrige Ausschüttung mindern würde.

„Wir drängen uns niemandem auf“, machte abschließend noch einmal Klaus-Michael Rothe deutlich. An die Adresse interessierter Landeigentümer gerichtet, fügte er noch hinzu: „Das ist wie ein Herzschrittmacher für die Region.“ Bleibt die grundsätzliche Frage, ob man überhaupt mehr Windräder will. „Das sind ja alles verlockende Zahlen. Aber was ist mit den Anwohnern?“ formulierte Axel Erdmann eine persönliche Anmerkung. „Ich frage mich schon, ob die Wilstermarsch noch 25 weitere Anlagen vertragen kann.“ Gleichwohl ist Erdmann natürlich auch hin und hergerissen. Als stellvertretender Amtswehrführer würde er sich natürlich über eine zusätzliche Einnahmequelle für die freiwilligen Helfer freuen.

Ein Diskussionspunkt war schließlich das von Windrädern ausgehende nächtliche Blinkfeuer. Viele Anwohner sind durch die roten Lichter genervt. Laut Newrizon würde eine technische Ausstattung mit radargesteuerten Blinkanlagen für einen Windpark rund 800  000 Euro kosten – was wiederum zu Lasten der angekündigten Ausschüttung gehe. Jens Tiedemann, Bürgermeister von Neuendorf-Sachsenbande, betonte aber: „Wenn es um die Akzeptanz geht, darf man das Problem mit dem Blinkfeuer gar nicht in Frage stellen.“

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erstellt am 30.Jul.2016 | 07:48 Uhr

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