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Norddeutsche Rundschau

19. Februar 2017 | 17:48 Uhr

Literatur : Neues Werk: Crescendo bis Fortissimo

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Brokdorfer Autor Manfred Eisner hat die Fortsetzung seines Debüt-Romans geschrieben, der in der Zeit des Nationalsozialismus spielt.

Über 20 Jahre hatte er auf die Veröffentlichung seines ersten Liebesromans gewartet, Anfang 2014 war es so weit: Mit „Leise Musik aus der Ferne“ präsentierte Manfred Eisner aus Brokdorf seinen Debüt-Roman. Ein Werk, das beeindruckte. „Mein erstes Buch wurde sehr wohlwollend aufgenommen, verrissen hat es niemand, es gab nur lobende Worte“, erzählt der Autor lächelnd und fügt hinzu: „Das ist sehr erfreulich, besonders für jemanden, der 22 Jahre auf die Veröffentlichung des Romans gewartet hat.“ Durch Zufall kam der Kontakt zum Engelsdorfer Verlag in Leipzig zustande – und stolz hielt Manfred Eisner sein Erstlingswerk in Händen. Schon da hatte er den Lesestoff für die Fortsetzung zu Papier gebracht – unter dem Titel „Crescendo bis Fortissimo“ kommt der zweite Roman, ebenfalls erschienen im Engelsdorfer Verlag, ab 31. August in den Handel.

„Crescendo bis Fortissimo“ erzählt, wie es den Protagonisten Heiko und Clarissa, inzwischen Eltern zweier Kinder, weiter ergeht. Auch in der fiktiven Marschen-Kleinstadt Oldenmoor macht sich die wachsende Willkürherrschaft der unmenschlichen Nationalsozialisten nachdrücklich bemerkbar. So bedeutet für Heiko der schon in dessen Kindheit spurlos fortgegangene Vater ein schier unüberwindbares Hindernis, denn die Nazis nötigen alle deutschen Volksgenossen per Gesetz, ihre rein arische Herkunft unter Beweis zu stellen. Der Zufall spielt Heiko lose Fäden in die Hände, die ihn allmählich zur Aufklärung seiner Herkunft leiten, was ihn jedoch in ein noch schlimmeres Dilemma stürzt. Plage und Quälerei derer, die zu den rassisch und politisch Ausgegrenzten zählen, spitzen sich zu. Auch Oldenmoor bleibt von der „Reichskristallnacht“ nicht verschont. Dies, verbunden mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, gipfelt schließlich in einer Folge von weitreichenden Ereignissen. Die endet für die sympathische Keller-Familie aufgrund ihrer Emigration in der mit verblüffenden Hindernissen gepflasterten geglückten Rettung.

Der Fortsetzungsroman ist stärker politisch geprägt als das erste Werk. Doch während der erste Roman Manfred Eisners völlig fiktiv war, vermischen sich in „Crescendo bis Fortissimo“ Dichtung und Wahrheit. Spannend: Der Autor ließ seine eigene Biografie einfließen. „Ich habe die Hauptakteure meine Erlebnisse erleben lassen.“ Eisner, 1935 in München geboren, erlebte Kindheit und Jugend als Emigrant in Südamerika. Die problematische Ausreise seiner Protagonisten spiegelt jene wieder, die seine Mutter mit ihm 1940 hatte. „Die ist so passiert wie im Buch dargestellt. Ich war fünf Jahre, das ging an mir in der Naivität des Kindes vorbei, aber für meine Mutter muss es eine furchtbare Erfahrung gewesen sein. Es hat sie ihr Leben lang geprägt.“ Das erschwerte ihr nach ihrer Rückkehr aus Südamerika das Leben in Deutschland. Schließlich zog sie in die Schweiz, wo sie bis zum Lebensende wohnte. Ihm selbst sei wohl die „Gnade der späten Geburt“ zugute gekommen, dadurch habe er mit etwas leichterem Gemüt in Deutschland wieder Fuß fassen können, meint Manfred Eisner. Und er betont: „Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie, auch wenn es Unbelehrbare gibt, die nichts aus der Geschichte gelernt haben.“

Mit seinem zweiten Roman widmet Manfred Eisner all jenen „Mutigen, Aufrichtigen und Anständigen Anerkennung, die sich während des nationalsozialistischen Terrors selbst unter eigener Gefährdung nicht scheuten, den Verfemten, Verfolgten und in Lebensnot Geratenen tatkräftige Unterstützung, Hilfe und Schutz zu gewähren“. Und das gelingt ihm mit einem erneut sprachlich eindrucksvollen Werk, das sich – wie der Titel verspricht – von der leichten, leisen Lebensweise der Romanfiguren hin zur Flucht im furiosen Ausbruch des Krieges. „Ich schreibe sehr gerne, es macht mir sehr viel Spaß.“ Manfred Eisner steht bereits jetzt vor der Vollendung des dritten Buches, das den Titel „Cantata Bolivia“ tragen wird. Mehr soll dazu noch nicht verraten werden. „Ich habe ein bisschen Sorge, was ich danach schreibe“, fügt der Autor schmunzelnd hinzu – eine Idee hat er aber schon.

Seine beiden Romane wird er übrigens bei Lesungen vorstellen, Ende Oktober in der Buchhandlung Bunge in Wilster und Anfang Dezember in der katholischen Gemeinde St. Marien in Glückstadt.

 

>Crescendo bis Fortissimo, erschienen im Engelsdorfer Verlag, 14,95 Euro. ISBN 978-3-95744-193-5

 

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erstellt am 29.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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