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Eis Casal in Itzehoe : Neue Eiszeit in Breiter Straße

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mario und Fides Casal übergeben ihr vor 60 Jahren eröffnetes Café. Die neuen Betreiber strarten am Montag.

Die Rollläden sind unten. Dahinter wird heiß diskutiert – auf Italienisch. Denn manches ist noch zu tun, bevor Eis Casal am Montag wieder öffnet. Der Name bleibt, aber die Gesichter sind neu: Mario und Fides Casal haben das Geschäft in neue Hände übergeben.

„Schweren Herzens“, sagt er. „Für mich wird es richtig schwer“, sagt sie. „Ich hätte auch nicht aufgegeben, ich bin ja noch voller Tatendrang“, erklärt Mario Casal. „Bloß, das Alter ist da.“ Er ist im Januar 74 geworden, seine Frau ist ein Jahr jünger. So fiel die Entscheidung, das Haus und das Eiscafé zu verkaufen – nach 60 Jahren.

Die Casal-Geschichte in Itzehoe beginnt sogar schon 1938: Marios Vater Dario, Inhaber einer Eisdiele in Hamburg, machte in Itzehoe Station und stieß in der Feldschmiede auf einen leeren Laden. Am folgenden Morgen mietete er ihn. Im weiteren Geschäft in der Breiten Straße, eröffnet 1957, arbeitete Mario bereits als 14-Jähriger mit: „Ich war jung, aber schon oho!“ Noch als Jugendlicher wurde er Mitinhaber, um die Jahrtausendwende entschied er sich für einen Neubau: „Dieses Haus ist als Eisdiele geboren.“ Und er selbst als Eismacher.

Vollmilch, Eier, Zucker, nichts Künstliches – das ist für Casal richtiges Eis, „aber das findest du nirgends mehr“. Anderes schmecke nicht schlecht, „aber es nicht das Wahre“. Klassische Sorten seien immer am besten gelaufen, fünf bis sechs hätten früher gereicht, um Kinder für zehn Pfennig glücklich zu machen. Und Casal folgte längst nicht jedem Trend: „Die gestreiften Dinger habe ich nie gemacht.“

Die Geschäfte liefen auch so, „richtig schön“ sei es mit den Kunden in Itzehoe gewesen. Meistens zumindest – „das liegt auch an denen, die vor dem Tresen stehen“. Dahinter habe er manchen Fußtritt von seiner Frau kassiert, sagt Mario Casal. „Wenn ich einen Tag ruhig war, kamen die Kunden und fragten meine Frau: ‚Ist Ihr Mann krank?‘“ Sie kenne so viele Menschen in Itzehoe, auch junge, sagt Fides Casal. Deshalb will das Paar immer wiederkommen, um Itzehoe zu besuchen.

Die Wohnung im Haus behalten sie dafür, und Mario Casal rechnet damit, dass die Breite Straße nach dem Umzug von Behrens & Haltermann ins frühere Hertie-Haus deutlich belebt werde. „Er hat einen Sechser im Lotto gekriegt“, sagt der 74-Jährige. Gemeint ist Fabio Bitto, der mit seinem Geschäftspartner Giuseppe Sacco das Gebäude übernommen hat. Bitto betreibt ein Eiscafé in Bergen, Sacco eine Pizzeria. Saccos Sohn Fabio (24) wird für die Eisherstellung zuständig sein ebenso wie Bitto selbst. „Anfangs werde ich immer dabei sein“, sagt der 52-Jährige. Weil in der niedersächsischen Stadt in der Nähe des Truppenübungsplatzes die Engländer abgezogen sind, hätten sie einen weiteren Standort gesucht – und der in Itzehoe habe ihnen gefallen.

Der Name bleibe, ebenso die Tradition des täglich frisch hergestellten Eises. Aber: „Unser Angebot ist viel breiter“, sagt Bitto. Nicht nur „die ganzen komischen Sorten“ wird es geben, sondern auch Frühstück, Snacks und Crêpes. Schon deshalb müssten die Tische größer sein – aber ragen die schwarz gepolsterten Sitzbänke nicht zu weit in den Gang, ist der schwarze, reliefartige Wandschmuck zu schwach beleuchtet? Darüber wird diskutiert. Und Mario Casal liefert einen dieser Sätze, die in Itzehoe fehlen werden: „Wenn er das nicht ordentlich macht, ziehe ich ihm die Ohren lang.“

Von März bis Oktober lief bei dem Ehepaar die Eis-Saison, künftig werden die Casals deutlich mehr Zeit im heimatlichen Tal in den Dolomiten verbringen. Aber nicht ohne Eis: Aus einem Hotel, das er bis zum Verkauf mit seinem Bruder betrieb, hat Mario Casal eine Eismaschine und eine Vitrine gerettet. In der Garage setzt er sie gern in Gang – und sein Großeinkauf vorher spricht sich schnell herum. Tische und Stühle aus der Ur-Eisdiele von 1957 hat er noch, „dann mache ich Eis Casal in Italien“. Auch abseits davon habe er im Ruhestand genug um die Ohren – „und sonst krabbel’ ich die Berge hoch“.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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