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Norddeutsche Rundschau

06. Dezember 2016 | 21:49 Uhr

Sängerknaben : Nasejucken ist tabu

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwischen Disziplin und Kindsein. Ein Gespräch mit Lukas.

Lukas, 13, ist ein „alter Hase“, ein PR-Profi, der sich unter den Augen seines Dirigenten Jimmy Chang nach dem St. Laurentii-Konzert dem Interview stellt: „Schöne Kirche hier, und schöne Landschaft“, wienert es aus ihm heraus. „Und ein tolles Publikum, ein bisschen norddeutsch eben“ Die Frage nach der Schulnote für das Konzert will er erst an Jimmy Chiang weitergeben, der ist aber selber interessiert, wie der erfahrene Sängerknabe die Chorleistung beurteilt: „8 von 10?“ Ja, das könnte stimmen. Und bei dem hohen Anspruch ist das ein eher schlechter Wert.

„Am Anfang hat's ein bisserl an der Konzentration gehapert“, sagt Lukas. Eigentlich kein Wunder bei dem üblichen Konzerttournee-Stress. Wann ist er zuletzt in Wien gewesen? „Vor 14 Tagen, aber morgen geht es wieder zurück“. Eigentlich würde nicht verwundern, wenn Lukas jetzt sagte: Lassen Sie mich mit ihren Fragen in Ruhe. Aber Disziplin ist alles. Während des Konzerts ist Nasejucken oder Ohrenkratzen tabu. „Dafür ist der Applaus da.“ Dann fällt es nicht so auf, wenn man sich mal am Kopf kratzt.

„Bei der schwierigen Bach-Sequenz habt ihr ausnahmsweise nicht auswendig gesungen.“ „Einige sind neu. Dann schlagen alle die Noten auf.“ Alle oder keiner. Harte Schule. Dass Jimmy Chiang manchmal beim Dirigieren mitten im Chor steht, also von den Vorderleuten gar nicht gesehen werden kann, findet Lukas „auch komisch“. Aber es funktioniere über das Hören.

Mein Respekt vor der Konzentrationsarbeit der Knaben wächst nun noch mehr. Ob er denn die lateinischen Texte alle verstehe? „Ja, Jimmy Chiang erklärt alles. Aber manchmal vergessen wir es dann auch wieder.“ Da ist der kleine Singprofi mit der großen Stimme dann wieder Kind, Internatsschüler. Stimmspannung und keine Knötchen auf den Stimmbändern sind viel wichtiger als theologische Paradoxien. Wer verstünde das nicht?

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