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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 04:56 Uhr

Nächste Regatta am Gardasee

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Crew der Seglervereinigung Wilster ist international unterwegs – und das sehr erfolgreich

Wer im Kreis Steinburg über Regattasegeln spricht, der wird nicht zuletzt die Segler-Vereinigung Wilster (SVW) erwähnen. Schon seit Jahren suchen Mitglieder des Clubs Herausforderungen im Wettkampf – national wie international. Das gilt seit dem vergangenen Jahr insbesondere für Gordon und Morten Nickel, Sebastian Röske, Nick Schlomka, Nils Fiege und Nils Merten Färber, die mit dem Schiffstyp J70 europaweit unterwegs sind. Das sieben Meter lange Boot, der Typ wird auch in der Segel-Bundesliga benutzt, steht im Eigentum von SVW-Mitglied Hans-Jürgen Färber. Der passionierte Regattasegler hatte es für den Sport beschafft und es den Crewmitgliedern für Training und Wettkampf zur Verfügung gestellt.

Zuvor waren die Wilsteraner von 2012 bis 2014 in der Platu 25 Klasse aktiv und hatten mit der Yacht „Kamlade“ – 2014 für die Segler-Vereinigung Cuxhaven – den Titel eines Deutschen Meisters gewonnen. Zudem siegten sie im selben Jahr bei der Nordseewoche vor Helgoland und bei der Kieler Woche.

Weil diese Klasse letztlich aber unattraktiv wurde, entscheiden sich die jungen Segler, den Bootstyp zu wechseln. Seit 2015 nehmen sie an J70-Regatten teil und segeln mit der „Just In Time“ für den SVW. Und das auch ganz erfolgreich, wie in diesem Jahr die Platzierungen in Berlin (1. Platz), Kiel (2.) und Cowes in England (2.) zeigen. Zudem verdeutlicht die vorläufige Bundes-Rangliste für die J70-Klasse, dass die Wilsteraner auf nationaler Ebene absolut konkurrenzfähig sind. Sie rangieren derzeit an dritter Stelle.

Gesegelt wird das Boot von Vierer-Crews. Während Steuermann Gordon Nickel immer gesetzt ist, wechseln sich die anderen Protagonisten stets ab. „Um nicht aus der Routine zu fallen und damit das Zusammenspiel unter den Seglern nicht leidet, haben wir nicht mehr als zwei bis drei personelle Konstellationen, die sich bei den Regatten abwechseln“, erklärte Nils Merten Färber im Gespräch mit unserer Zeitung. Personelle Alternativen müssten schon deshalb gegeben sein, weil fünf Studenten sowie ein Berufstätiger im Alter zwischen 21 und 27 Jahren nicht zu jeder Zeit am Regattaleben teilnehmen können. Dass Gordon Nickel dem Team aber stets zur Verfügung steht, ist nach Worten von Nils Merten Färber „ein Gewinn“ für das Team: „Gordon ist ein Talent-Steuermann und wahnsinnig gut.“

Sowohl der Steuermann als auch die anderen Crewmitglieder segeln von Kindheit an. Nils Merten Färber: „Wir sind früh in den Sport hineingewachsen, weil unsere Eltern selbst Segler sind. Die ersten sportlichen Erfahrungen machten wir im Optimisten.“

Bisheriger Höhepunkt für die Wilsteraner in diesem Jahr war ihre Beteiligung an den Europameisterschaften vor Kiel während der Kieler Woche. Insgesamt beteiligten sich 94 Teams an dem kontinentalen Kräftemessen, das die „Just In Time“ als 26. beendete. „Mit diesem Platz waren wir sehr zufrieden, zumal das Feld international dominiert war“, stellte Nils Merten Färber heraus. Sehr stark seien bei der EM Italiener und Deutsche gewesen. „Das Feld war jedes Mal enorm groß. Es war ein anderes Segeln, als wenn, wie bei kleineren Regatten, lediglich 20 Boote teilnehmen. Wenn man bei 94 teilnehmenden Booten einen Fehler macht, verliert man schon mal 20 Plätze.“ Insgesamt beendete die „Just In Time“ die Meisterschaften als zwölftbeste deutsches J70-Boot.

Nächste Höhepunkte für das Team sind der J70-Eurocup (8.-11.9., Gardasee/Italien), die Wannsee-Challenge (24./25.9., Berlin) und die German Open (29.9.-2.10., Berlin). Mit Blick auf die Herausforderungen am Gardasee sprach Nils Merten Färber von „sehr interessanten Segelbedingungen“ mit einer Konkurrenz, die mit einer Europameisterschaft vergleichbar ist: „Das Revier ist genial und gigantisch gut zu segeln. Wir fahren mit unseren Boten direkt auf die Steilwände der Berge zu. Fast könnte man sie anfassen“, schwärmte der Segler.

Um sich auf die Regatten vorzubereiten, werde intensiv trainiert – auf der Hamburger Außenalster ebenso wie vor Kiel-Schilksee. „Weil das J70-Boot auch in der Bundesliga eingesetzt wird, trainieren auf der Außenalster auch viele Bundesliga-Mannschaften, die simulierte Regatten gegeneinander fahren. Ein besseres Training können wir gar nicht bekommen.“

Als Grundstein für den Sport in der J70-Klasse nannte Nils Merten Färber das von seinem Vater zur Verfügung gestellte Boot. Hinzu käme, dass es zu einhundert Prozent „Sponsoren finanziert“ ist. Das sei nötig, weil weder der SVW noch die Segler selbst das Kapital haben, um Training und Regatten sowie die logistischen Notwendigkeiten selbst zu finanzieren. „Wir sind froh, dass uns mehrere Firmen dabei unterstützen.“

Trotz aller sportlichen Ambitionen, die die Wilsteraner haben: Nils Merten Färber sieht die anderen Crew-Mitglieder und sich als „reine Amateure“, die sehr viel Zeit in ihr „extrem ausgelegtes Hobby“ stecken: Die Winterarbeit am Boot, das Training vor den Regatten und die ebenfalls spezielle wochenendweise Vorbereitung im Frühjahr – all das führe dazu, dass die Mannschaftsteile pro Jahr rund 70 Tage im Einsatz für ihren Sport sind. Von Ermüdung deshalb aber noch lange keine Spur: „Wir alle wollen so lange segeln, wie wir Zeit dazu haben und es körperlich und zeitlich geht“, erläuterte Nils Merten Färber, der mit Blick auf sich selbst sagte: „Solange man flexibel ist, muss man das mitmachen.“ Die Freude am Sport wolle er sich jedenfalls noch lange erhalten. Und wenn es dann noch so läuft wie bei der diesjährigen Farr 30 Weltmeisterschaft in Schweden, die Nils Merten Färber mit einem anderen Team als Vizeweltmeister beendete, kämen weitere Erfahrungen hinzu, die gut in die J70-Klasse eingebracht werden können.



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erstellt am 31.Aug.2016 | 16:15 Uhr

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