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Norddeutsche Rundschau

23. Januar 2017 | 01:41 Uhr

Mutiger Bürger : Nachbarn vor Feuer gerettet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit Vorschlaghammer und Leiter: 31-Jähriger in Dingen holt gehbehinderten Rentner und dessen Pflegerin aus Einfamilienhaus.

Was in ihm steckt – man sieht es Hendrik Lüders nicht an. Doch der 31-jährige selbstständige Baudienstleister hat es, das Zeug zum Helden. Zwei Menschen rettete Hendrik Lüders gestern Morgen in der Hauptstraße in Dingen vorm Feuer aus dem bereits verqualmten Nachbarhaus. Und auch den Hund vergaß Lüders nicht.

,,Meine Frau hörte es knallen, sie guckte aus dem Fenster, sah ein Flackern und dachte, es brennt bei uns. Ich bin hoch und sah die Flammen aus dem Nachbarhaus schießen“, berichtet der 31-Jährige. Barfuß in Jogginghose rannte Lüders zum Nachbarhaus. Es ist etwa 4.45 Uhr morgens, es friert, der Bürgersteig ist glatt. Ihm kommt die Hausbesitzerin entgegen, die durch einen Rauchmelder aus dem Schlaf gerissen worden war – das Gerät hatte die Rentnerin gerade erst installieren lassen. Lüders weiß, dass noch zwei Personen in dem vom Feuer bedrohten Gebäude sind.

Er schnappt sich eine Leiter, stellt sie an und rettet eine 57-jährige Pflegerin, die im ersten Stock am Fenster steht. Und auch den Hund nimmt er dabei mit, reicht ihn einer inzwischen unten stehenden Nachbarin. Dann schnappt sich Lüders einen Vorschlaghammer und schlägt die Haustür ein – die war ins Schloss gefallen, als die Rentnerin ins Freie gelaufen war. Er wickelt sich einen nassen Lappen vors Gesicht, eilt ins Obergeschoss, weckt den pflegebedürftigen 81-jährigen Nachbarn und hilft ihm ins Freie, unterstützt von dessen Pflegerin.

Hendrik Lüders kehrt zurück nach Hause, wo Ehefrau Sina (31) bereits begonnen hat, Kaffee für die Einsatzkräfte zu kochen. Ein Nachbar streut derweil den Gehsteig ab, andere kümmern sich um belegte Brötchen und nehmen sich der drei Geretteten an. Bürgermeister Karl-Heinz Reiche trifft mit einer Kiste Limonade ein und sieht, wie perfekt Feuerwehr und Nachbarschaftshilfe in seinem Dorf noch funktionieren.

Die Feuerwehren aus Eddelak, Averlak und Kuden sind im Einsatz, die Brunsbütteler Löschtruppe kommt mit ihrer Drehleiter. Zu diesem Zeitpunkt brennen eine Garage und das Flachdach eines Anbaus, die Flammen drohen auf das kleine Einfamilienhaus überzugreifen. Doch die Einsatzkräfte können das Gebäude retten.

„Kaum waren die offenen Flammen erloschen, wurde zur Sicherheit das Dach von oben durch den Einsatz der Drehleiter mit der Wärmebildkamera auf Glutnester überprüft“, berichtet Oberlöschmeister Peter Haß, Pressewart der Eddelaker Feuerwehr. Und weiter sagt er: „Anschließend wurde das gesamte Haus von innen ebenfalls auf Glutnester abgesucht, wobei an einer Stelle die Zwischendecke geöffnet werden musste. Dort hatte sich die Wärme enorm gestaut, so dass Handlungsbedarf bestand. Gegen 7.45 Uhr konnten wir dann schließlich mit Sicherheit sagen, dass der Brand gelöscht war und keine Glutnester mehr vorhanden waren.“ Während die Unterstützung durch die anderen Wehren hier endete, rückten die 22 Mann aus Eddelak erst gegen 8.30 Uhr ab ins Gerätehaus. Einen besonderen Dank richtet die Eddelaker Löschtruppe an die Nachbarn ihres Einsatzortes in Dingen, die für Verpflegung der insgesamt 46 Feuerwehrleute gesorgt hatten.

Noch am Morgen übernahmen Beamte der Heider Kripo die Ermittlungen. Gegen Mittag kristallisierte sich heraus, dass als Brandursache ein technischer Defekt an der Heizungsanlage in Betracht kommen könnte. Die Schadenshöhe wird auf zirka 150  000 Euro geschätzt.

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