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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Flüchtlinge : Nach einem Jahr wieder vereint

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Als Feras Abo Hassoun seine Heimat Syrien verließ, musste er Frau und Kinder zurücklassen. Jetzt ist es ihm gelungen, seine Familie nach Itzehoe nachzuholen.

Lange hatte er sich auf diesen Moment gefreut, doch als er seine Familie am Flughafen empfing, musste Feras Abo Hassoun (39) zunächst eine große Enttäuschung hinnehmen: Seine beiden Söhne Kais (1 Jahr) und Amir (9 Monate) erkannten ihren Vater nicht. „Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl“, sagt der Syrer, der im Juli 2015 nach Deutschland kam und seit vielen Monaten in Itzehoe lebt.

Als er seine Heimatstadt Swaida im Süden des Landes wegen der Kriegswirren verließ, war sein zweiter Sohn noch nicht geboren. Er kam erst im Oktober, einige Monate nach seiner Flucht, zur Welt. Dennoch waren Abo Hassouns Gedanken vom ersten Tag seines Weggangs an bei seiner Frau Eman Azzam (38) und seinen beiden Kindern. „Es ist ein schlimmer Gedanke, wenn man weiß, dass die eigene Familie an einem schlimmen Ort ist.“ Jetzt, ein Jahr nach seiner Ankunft in Deutschland, ist es dem Syrer gelungen, seine engsten Angehörigen nachzuholen.

Genau wie die drei wurden in diesem Jahr bereits 86 Angehörige von Flüchtlingen in den Kreis Steinburg nachgeholt. Sobald ein Flüchtling seine offizielle Anerkennung erhalte, habe er drei Monate Zeit, um einen Antrag auf Familiennachzug zu stellen, sagt die Leiterin der Ausländerbehörde des Kreises, Bianca Zunker. Das Verfahren laufe in enger Abstimmung zwischen der deutschen Botschaft im Heimatland der Familie und der Ausländerbehörde. Bei Syrern erlaubt die Behörde generell den Nachzug. Bei Angehörigen anderer Nationalitäten wird der Einzelfall geprüft.

Auch für Abo Hassouns Familie begann das Verfahren in der deutschen Botschaft. Weil es in Syrien keine gibt, fragten sie – wie die meisten ihrer Landsleute – im Libanon an. Die drei hatten Glück: Schon im Dezember 2015 bekamen sie einen Termin. „In den meisten Fällen dauert das sehr viel länger. Ich kenne Syrer, die anderthalb Jahre auf den Termin bei der Botschaft warten müssen“, so Abo Hassoun. Auch Bianca Zunker weiß um die langen Wartezeiten, die die Familien häufig bei den Botschaften in Kauf nehmen müssen. Deshalb rechnet sie damit, dass die Zahl der nachgeholten Familien in nächster Zeit weiter auf hohem Niveau bleiben wird. Nicht zuletzt warteten ja viele Flüchtlinge auch in Deutschland noch auf ihre Anerkennung, die Grundvoraussetzung für den Familiennachzug ist.

Feras Abo Hassoun ist froh, dass er Frau und Kinder schnell wiedersehen konnte. Inzwischen hätten ihn die beiden Söhne als Vater ins Herz geschlossen, berichtet er. Das Interview mit unserer Zeitung führte er auf Englisch. Hauptziel für ihn und seine Frau sei nun, Deutsch zu lernen. „Selbstverständlich werde ich meinen Kindern auch deutsche Regeln und deutsche Kultur beibringen – so weit ich das kann“, sagt Abo Hassoun. Denn: „In unser eigenes Land werden wir wohl nur noch als Besucher reisen. Wenn es die deutsche Regierung erlaubt, dann bleiben wir.“

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erstellt am 24.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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