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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Alternative Therapie : Mit Tee und Gemüsesaft gegen den Krebs

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jochen Wangermann aus Itzehoe hungerte seinen Prostatakrebs mit einer alternativen Kur gesund. Seine Ärzte sind jedoch skeptisch.

Sechs Wochen lang nahm er kein festes Essen zu sich, ernährte sich nur von Tee und Gemüsesaft. Und auch wenn er am Ende keine endgültige Gewissheit darüber hat: Jochen Wangermann ist überzeugt, dass sein Prostatakrebs geheilt ist.

Dass seine Ärzte Alarm schlugen, ist schon über zwei Jahre her: Im Frühjahr 2014 hatte Wangermanns Urologe erhöhte PSA-Werte festgestellt – ein typisches Indiz für Prostatakrebs. Eine Gewebeprobe wurde entnommen und bestätigte: Ein mehr als 20 Millimeter großes Karzinom saß in Wangermanns Vorsteherdrüse. Eine Behandlung mit Testosteron, die der 76-jährige Ingenieur schon länger wegen einer Funktionsstörung seiner Hoden erhielt, wurde sofort ausgesetzt. „Alle Ärzte, die ich gefragt habe, waren sich einig, dass ich eine Bestrahlung machen sollte.“ Doch Wangermann war skeptisch: „Ich hatte Angst vor Nebenwirkungen wie Inkontinenz.“ Zwar hätten ihm die Ärzte versichert, dass in 80 Prozent der Fälle nichts passiere. „Aber ein Risiko von 20 Prozent fand ich immer noch sehr hoch.“

Also begann der Itzehoer zu recherchieren und stieß im Internet auf die Methode des österreichischen Heilpraktikers Rudolf Breuss. Nach einer sechswöchigen Hungerkur solle der Krebs verschwunden sein, lautete das Versprechen. Wangermann recherchierte weiter und fand Berichte mehrerer Tausend Patienten, die das Verfahren schon erfolgreich angewandt haben sollen. „Die Methode erschien mir seriös und hat vor allem keine Nebenwirkungen.“ Trotz Bedenken seiner Ärzte – Wangermann war das einen Versuch wert.

Im Juni 2014 begann er mit der Kur, die ihm Einiges an Disziplin abverlangte: Feste Nahrung war fortan tabu. Seine Mahlzeiten bestanden aus Nierentee, Salbeitee mit Johanniskraut, Pfefferminze und Zitronen-Melisse, ergänzt durch einige kleine Schlücke Gemüsesaft. „Klar war das am Anfang hart“, sagt Wangermann, „aber nach ein paar Tagen gewöhnt man sich daran.“ Sechs Wochen lang hielt er dieses Programm durch.

Am Ende hatte der Itzehoer nicht nur acht Kilogramm Körpergewicht verloren, auch sein PSA-Wert war erheblich gesunken, wie die ärztlichen Untersuchungen zeigten. In den folgenden Monaten sank der Wert weiter und pendelte sich bis heute auf einem Niveau ein, das aus ärztlicher Sicht unbedenklich ist. Für Wangermann ein Erfolgserlebnis: „Die Behandlung hat kaum Kosten verursacht und ist ohne Nebenwirkungen zu Ende gegangen. Der Gewinn an Lebensqualität ist beträchtlich.“

Wangermanns Urologe Dr. Theo Helbig ist skeptisch, was den Erfolg der Breuss-Kur angeht. Die rückläufige Karzinomaktivität könne genauso gut auf das Aussetzen der Testosteron-Behandlung zurückgeführt werden, schreibt er in einem Gutachten. Weiter möchte sich der Arzt nicht zu der alternativen Therapie äußern. Auch Wangermanns Ehefrau, Beate, die lange als Urologin im Klinikum Itzehoe arbeitete, hat ihre Zweifel. „Meinem Mann geht es zwar so weit gut, aber vielleicht schläft der Krebs nur“, vermutet sie. Einen eindeutigen Beweis, dass das Karzinom verschwunden sei, gebe es schließlich nicht. Den könnte nur die weitere Entnahme einer Gewebeprobe erbringen. Davon raten die Ärzte allerdings wegen zu hoher Infektionsgefahr ab – eine Einschätzung, die Wangermann teilt.

Dass er sich auch knapp zwei Jahre nach seiner Therapie weiterhin topfit fühle, genüge ihm als Indiz. Die Breuss-Kur hat er schon mehreren Krebspatienten weiterempfohlen, ärgert sich aber darüber, dass er die Schulmedizin nicht für diese Methode begeistern kann. „Liegt es daran, dass die Behandlung außer sechs Wochen Selbstdisziplin kaum Kosten verursacht und dann ohne jede Nebenwirkung zu Ende geht? Auch wenn man heute sicherlich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, dass diese Kur erfolgreich ist, einen Versuch sollte sie auf jeden Fall wert sein.“

Der Heilpraktiker Rudolf Breuss (1899-1990) lebte im west-österreichischen Bludenz. Seiner Saft- und Krebskur liegt die Idee zugrunde, die Krebszellen durch Aushungern abzutöten. Während dieser Diät dürfen laut Breuss Chemotherapie, Medikamente oder Bestrahlungen nicht gegeben werden. Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Grundlage für diese Methode. Einige Mediziner beurteilen sie sogar als gesundheitsschädlich. Ausführlich beschrieben wird das Verfahren in dem Buch von Jürgen H.R. Thomar: „Die Krebskur nach Rudolf Breuss richtig gemacht“, das 2014 in dritter Auflage erschienen ist.

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erstellt am 16.Jun.2016 | 17:15 Uhr

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