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Norddeutsche Rundschau

27. Februar 2017 | 14:48 Uhr

Pohl-Boskamp : Mit Halstabletten auf Wachstumskurs

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pohl-Boskamp nimmt neue, vollautomatische Tablettier- und Verpackungsanlage in Betrieb. Minister Meyer sieht klares Bekenntnis zur Westküste.

Das Produkt GeloRevoice hilft gegen Heiserkeit, Räusperzwang und Hustenreiz – und ist ein Renner beim Pharma-Unternehmen Pohl-Boskamp. Um mit der großen Nachfrage Schritt zu halten, hat die Firma eine neue, vollautomatische Tablettier- und Verpackungsanlage in Betrieb genommen, die gestern im Beisein von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) eingeweiht wurde. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort Westküste, ein gutes Zeichen für Wachstum und Beschäftigung. Das Unternehmen Pohl-Boskamp ist ein gutes Beispiel für den regional verankerten Mittelstand, der Schleswig-Holstein wirtschaftlich voran bringt“, so Meyer.

„Bis jetzt war jede Packung, die produziert wurde, meist schon verkauft. Mit dieser komplett neuen Anlage besteht die Chance auf eine weitere Ausweitung des Geschäfts“, sagte Geschäftsführerin Marianne Boskamp. Das familiengeführte Unternehmen hat die Vermarktung von GeloRevoice bereits in 20 Ländern begonnen. Das Ziel lautet, den Jahresumsatz von sieben Millionen Euro zu verdoppeln. „Nicht nur in Deutschland findet GeloRevoice immer neue Anhänger, auch international rechnen wir mit deutlichen Zuwächsen, wie zum Beispiel in der Schweiz, Österreich, der Türkei oder Polen.“ Weitere Chancen sieht die Unternehmerin in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Erkrankungen der Atemwege seien im Nahen Osten erstaunlich verbreitet.

Die Halstabletten mit Hyaluronsäure gibt es seit 2009, damals wurden gerade einmal 40 000 Packungen verkauft. Bis 2013 hat sich die Menge verfünfzigfacht – 2,3 Millionen Packungen gingen an Apotheker und pharmazeutische Großhändler raus. Die neue Produktionslinie schafft noch mehr, und zwar das zweieinhalbfache der bisherigen Produktion: 144 000 Tabletten, die in einer Stunde gepresst und in 7200 Packungen versandfertig verpackt werden. Mehr als eine Millionen Tabletten werden so pro Tag verarbeitet.

Die Halstabletten sind inzwischen auch Favoriten bei stimmlich strapazierten Sängern und Vielrednern wie Lehrern, so Marianne Boskamp. „Einige Opernsänger können nicht mehr ohne.“ Die Lutschtablette löst sich im Mund sehr langsam auf und setzt Gel bildende Substanzen frei. So entsteht ein Hydrogel-Komplex. Der legt sich als Schutzfilm über trockene und gereizte Schleimhäute.

Das Unternehmen Pohl-Boskamp, das seine Produkte weltweit vertreibt, beschäftigt heute knapp 600 Mitarbeiter. 1991, als Marianne Boskamps Vater Arthur noch das Firmenreich führte, waren es 199. „Mehr wollte mein Vater nicht, er konnte sich nicht mehr Namen merken“, scherzte Marianne Boskamp gestern. Auch für die Zukunft sei Wachstum notwendig, denn „um die immer stärker steigenden Fixkosten zu decken, müssen wir immer größer werden“.

Und an Ideen mangele es in der Firma nicht. „Wir könnten ohne Ende neue Produkte anbieten.“ Allerdings bremse die Gesundheitspolitik die Pharmaunternehmen aus. „Unser größtes Forschungshemmnis ist die Unsicherheit, ob das Produkt, an dem wir arbeiten, auch von der Kasse erstattet wird, wenn wir fertig sind. Produkte nur für Privatpatienten zu entwickeln, können wir uns nicht leisten. Jährlich wechselnde Gesundheitsgesetze passen leider nicht zu Entwicklungszeiten von mindestens sieben Jahren.“

Und Fachkräfte für die anspruchsvollen Tätigkeiten gibt es in der Region noch, auch wenn die Suche schwieriger werde. Dass die Mitarbeiter nach Hohenlockstedt und zum zweiten Standort nach Dägeling kommen, läge zum einen an den guten Sozialleistungen, unter anderem einer rein arbeitgeberfinanzierten Altersvorsorgung, und an „unserer Duz-Kultur“ und flachen Hierarchien.

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erstellt am 24.Apr.2014 | 12:00 Uhr

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