zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

27. März 2017 | 16:33 Uhr

Integration : „Mir wurde hier sehr viel geholfen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Arbeit, Möbel und ein Flugticket für die Ehefrau: Der Itzehoer SV hat einiges für Azzam Mohanad getan – und unterstützt weitere Flüchtlinge.

Das Wasser sei ins Boot geschwappt, erzählt Azzam Mohanad im Vereinsheim des Itzehoer SV neben dem Lehmwohldstadion. „Es war sehr gefährlich. Wir sind froh, dass wir überhaupt noch leben“. Mit 50 anderen Flüchtlingen geriet der Syrer, der gemeinsam mit dem Bruder seiner Frau unterwegs war, vor etwa eineinhalb Jahren in einen Sturm bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Letztendlich ging alles gut. Einen Monat dauerte insgesamt die Flucht der zwei Männer, die sie über Serbien, Ungarn, Österreich, und schließlich München und Hamburg nach Itzehoe führte. Dort kam der fußballbegeisterte Mohanad in Kontakt mit dem Itzehoer Sportverein (ISV) und fing an, in dessen Altliga zu spielen – ein großes Glück den 35-Jährigen.

„Am liebsten spiele ich in der Verteidigung“, sagt Mohanad. „Aber irgendwie ist er immer vorne, eigentlich ist er überall“, fügt ISV-Geschäftsführer Uwe Reese hinzu. In dem kleinen syrischen Dorf, aus dem er komme, sei Fußball ganz anders als in Deutschland, erzählt Mohanad. „Man spielt dort nur zum Spaß, nicht in richtigen Mannschaften.“ Seit 17 Monaten ist er jetzt im Land, spricht gutes Deutsch und braucht keinen Übersetzer. Die Sachbearbeiterin im Arbeitsamt hatte ihm nahe gelegt, sich einen Job zu suchen – keine einfache Sache für einen Flüchtling. „Wir wollten ihm helfen und haben ihn als Platzhelfer eingestellt“, erzählt Reese. Wenn Mohanad nicht gerade selbst für die Altliga-Mannschaft des Vereins über das Spielfeld läuft, mäht er den Rasen, befreit die Stehplätze im Stadion vom Unkraut oder erledigt alle möglichen anderen Arbeiten im Stadion am Lehmwohld. „Er ist das Mädchen für alles“, sagt ISV-Vorstand Manfred Koplin.

Seine Arbeit als Platzhelfer will Mohanad auch in Zukunft weitermachen. In Aussicht hat er zudem zwei weitere Jobs: Beim ISV-Sponsor „Klarsicht“ könne er möglicherweise als Gebäudereiniger anfangen, bei einem Hotel in der Nähe sogar eine dreijährige Ausbildung als Hotelfachmann beginnen. Dafür muss Mohanad noch das so genannte B2-Sprachzertifikat machen. In Syrien hat er als Kellner und Koch gearbeitet.

Seine Frau Diaa konnte Mohanad, der Christ ist, über die Familienzusammenführung nach Itzehoe holen. Das Flugticket bezahlten Vereinsmitglieder. Für die Einzimmer-Wohnung des Paares spendeten Mohanads Mannschaftskollegen Möbel. Reese und seine Vereinskollegen versuchen derzeit, eine etwas größere, günstige Wohnung für die beiden zu finden. „Es wäre toll, wenn uns da jemand helfen kann“, sagt er.

„Ich sage es wirklich ganz ehrlich: Die Menschen hier sind sehr, sehr nett. Sie haben mir sehr viel geholfen“, sagt Mohanad dankbar zu seinen Helfern. Er würde gerne in Itzehoe bleiben. Auch wenn sein Heimatdorf derzeit vom Krieg verschont werde: In Syrien würde man ihn für die Armee von Diktator Assad zwangsrekrutieren.

„Wir haben etwa 40 Migranten im Verein“, erzählt Uwe Reese „Es gibt hier überhaupt keine Probleme, alle passen sich sehr gut an.“ Der ISV arbeitet ebenfalls mit dem Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) zusammen. Dort gibt es eine Gruppe von Flüchtlingen, die morgens Deutsch lernt und danach einen Platz vom Verein gestellt bekommt, um zu trainieren. Auch gegen die von Fans des FC St. Pauli unterstütze Flüchtlingsmannschaft „FC Lampedusa“ sei man dort schon angetreten.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Mär.2017 | 04:56 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen