zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 03:11 Uhr

Flüchtlinge : Minister eröffnet Ankunftszentrum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlinge sollen jetzt innerhalb kürzester Zeit Verfahren in Glückstadt durchlaufen / Bundesbehörde betreut Asylbewerber aus ganz Schleswig-Holstein

Sie zerschnitten gleichzeitig das Band und eröffneten damit offiziell das Ankunftszentrum in Glückstadt: Innenminister Stefan Studt und Bernd Becking, zuständiger Abteilungsleiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Vertreter des Landes und des Kreises waren gekommen, aber keiner von der Stadt Glückstadt. Rund 50 Asylbewerber wohnen zurzeit auf dem ehemaligen Kasernengelände am Neuendeich. Zusätzlich kommen täglich Busse mit Flüchtlingen aus ganz Schleswig-Holstein, deren Asylantrag noch bearbeitet werden muss. An diesem Tag saßen 90 Antragsteller auf den Fluren vor den Bamf-Büros. Wie berichtet, hat die Bundesbehörde hier ihre Arbeit bereits aufgenommen. „Bis Jahresende wollen wir alle Anträge im Land abgearbeitet haben“, so Brecking.

Auf dem Rundgang sprach der Minister von seinem ersten Besuch im vergangenen Jahr. „Die Kaserne war verrottet“, so sein Eindruck. „Jetzt ist sie in einem tollen Zustand.“ Alles sei mittlerweile vorhanden, die Datenleitungen funktionieren und es gebe auch hinreichend „gut geschultes Personal“. Und er lobte die gute Zusammenarbeit mit der Bundesbehörde, die vor kurzem eingezogen ist. „Wir sind gut aufgestellt.“

Voll war es auf dem Gelände bei dem Akt der Eröffnung, denn auch zahlreiche Fernsehsender waren gekommen. Allerdings mit eineinhalb Stunden Verspätung, weil es auf der Autobahn einen Unfall gab. Der Minister wusste davon, weil auch Vertreter des Landes im Stau steckten. Dies hatte zur Folge, dass viel Zeit überbrückt werden musste. Zeit, die der Minister und seine Gäste nutzten, sich zu informieren.

So sah sich Stefan Studt auch die Diensträume der Bundesbehörde Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) an. Dort kam er ins Gespräch mit dem iranischen Ehepaar Saman und Robab Rezazadek, die zur Anhörung bei der Bamf-Mitarbeiterin Alev Sonmez und Dolmetscher Barbur Mazum gekommen waren.


Anhörung für Asylbewerber aus ganz Schleswig-Holstein


Bernd Becking erklärte Einzelheiten solch einer Anhörung. Asylbewerber werden danach eingeteilt, welche Chancen sie auf ein Bleiberecht haben. Stehen die Chancen gut, werden ihre Verfahren beschleunigt. Wie so etwas funktioniert, durfte Minister Studt ausprobieren. Denn in einem anderen Büro wurden ihm elektronisch die Fingerabdrücke genommen und bundesweit abgeglichen. Mitarbeiterin Katrin Beust scherzte: „Mal sehen, was vorliegt.“ Die Antwort kam schnell, es lag nichts gegen den Minister vor. Die Papiere von Asylbewerbern werden zudem auf Echtheit geprüft.

Im ehemaligen Torhaus der alten Kaserne werden Neuankömmlinge zudem medizinisch untersucht. Was gemacht wird, stellte Michael Kappus, ärztlicher Direktor des Klinikums Itzehoe, vor. Er hat leitet die medizinischen Untersuchungen in der Erstaufnahme. Studt lobte die „tolle Zusammenarbeit“ mit dem Klinikum.

In der Regel sollen ab jetzt alle Verfahren – dies betrifft Menschen, die im Glückstädter Ankunftszentrum leben – fünf Tage dauern. Nach zehn Tagen bekommen die Asylbewerber Papiere ausgehändigt und werden dann landesweit in Wohnungen oder – wie in Glückstadt – in Containern untergebracht. „Wir haben mit den Kreisen zwei bis drei Wochen verabredet“, sagte Studt zu den Zuweisungen an die Kommunen. Gibt es leerstehende Wohnungen, geht es schneller. Menschen aus Ländern mit hoher Bleibeperspektive bekommen jetzt auch Berufsberatung. Neu im Torhaus sind die Räume der Bundesagentur für Arbeit, die Petra Eyland von der Regionaldirektion Nord vorstellte.

2016 kamen bislang rund 6000 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein. Die sechs zugangsstärksten Herkunftsländer sind Syrien, Irak, Afghanistan, Armenien, Iran und die Russische Föderation. 500 Asylbewerber waren es im Juli, erklärte der Minister.

Doch der Blick in die Welt zeige ihm, dass 65 Millionen Menschen auf der Flucht seien. Zudem herrsche zurzeit in einigen Ländern eine „angespannte Situation“. Auch könne er keine Aussage dazu treffen, wie es mit der EU und der Türkei weitergehe. Das Abkommen habe von Anfang an nicht funktioniert. „Wir brauchen europäische Lösungen“, forderte Stefan Studt.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 26.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen