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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 23:15 Uhr

Miniaturwelten in der Zigarrenkiste

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gehrt Schröders neue Kunstwerke im Maßstab 1:72 laden den Betrachter auf eine detailverliebte Entdeckungsreise ein

Seine Wohnung ist eine einzige Kunstausstellung. Gleich links neben dem Eingang hängt ein hölzernes Puppenhaus an der Wand. Marke Eigenbau, versteht sich. Bis ins Detail hat der 80-jährige Gehrt Schröder das Alltagsleben abgebildet. Etwas kleiner, aber ebenso detailverliebt, geht es in den diversen Zigarrenschachteln zu, die Schröders Heim schmücken. Überall in Flur und Wohnzimmer können Freunde und Gäste auf Entdeckungsreise gehen. In einer Schachtel spielt der Gefangenenchor aus Nabucco auf, in der nächsten fressen sich Bücherwürmer durch eine Bibliothek. Und ein Schaukasten zeigt, mit welcher Aufstellung Borussia Dortmund zum nächsten Bundesligaspiel auflaufen könnte.

Schröder hat sich als Hobby-Künstler längst einen Namen gemacht. Vor allem seine Zigarrenkisten sind über die Region hinaus bekannt. Doch Stillstand ist nicht die Sache des rüstigen Rentners. „Ich experimentiere gern und viel“, sagt er. Ganz nach dem Motto: „Geht nicht gibt’s nicht.“ Schröders neuestes Kunstprojekt sind kleine Glas-Aquarien mit kunterbunten Tropenfischen. „Ganz ohne Wasser“, wie der 80-Jährige betont. Auch ein kleines Büchlein ist gerade fertig geworden. Es enthält 14 Kurzgeschichten unter dem Titel „Geliebtes Landleben“. Gebohrt, geklebt und gemalt wird in der wohnungseigenen Werkstatt auf rund vier Quadratmetern. Bei so wenig Platz ist es fast schon ein Muss, dass Kunst im Miniaturformat entsteht. 1:72 ist der Maßstab der Zigarren-Dioramen. „Die kleine Welt in der Zigarrenkiste“ heißen Schröders Kunstwerke, deren Namen er 2012 sogar zum Patent angemeldet hat.

Im Wohnzimmer hängt sein Meisterwerk: Ein Landhandel-Szenario, bei dem kein Detail ausgespart bleibt. Neun Monate hat der Glückstädter an dem Kunstwerk gewerkelt, 810 Stunden Arbeitszeit flossen in das Projekt. „Zu bezahlen ist das eigentlich nicht“, sagt er. Doch einen Käufer sucht er dennoch. Für rund 2500 Euro würde er sich von dem Miniatur-Landhandel trennen. „Den Preis, den ich eigentlich nehmen müsste, könnte gar keiner bezahlen.“ Doch Schröder ist wählerisch: „Ich verkaufe nicht an jeden. Ich muss schon spüren, dass jemand so ein Werk auch zu würdigen weiß.“ Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: Der Glückstädter Künstler nimmt am 3. und 4. Dezember am Weihnachtsmarkt der Kunsthandwerker im Itzehoer Kulturhof teil.

„Ich mache alle per Hand“, betont Schröder, um gleich noch zu ergänzen: „Ich arbeite nur mit Holz und Kunstseide.“ Kunststoff komme nicht in seine Zigarrenkisten. Die bezog der 80-Jährige bislang im Elbeeinkaufszentrum. „Doch die Frau, die mich damit versorgt hat, gibt es da nicht mehr“, verrät er. Nun müsse er sich eine neue Quelle suchen. „Momentan habe ich noch genug Schachteln auf Vorrat“, beruhigt der Künstler. Schröder selbst ist übrigens bekennender Nichtraucher. „Ich will mich doch nicht umbringen“, lacht er.

Für die aufwendigeren Schaukästen braucht er rund ein halbes Jahr. Etwas einfachere Werke wie das Team von Borussia Dortmund verkauft er schon ab 65 Euro. Seine Klientel umschriebt er mit einem Satz: „Das sind Geschenke für Freunde, die schon alles haben.“



>Wer sich für Gehrt Schröders Kunstwerke interessiert, kann sich unter der Telefonnummer 04124 / 60 35 61 mit ihm in Verbindung setzen.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 15:59 Uhr

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