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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 03:19 Uhr

Itzehoer Ingenieurbüro : Millimetergenaue Bilder aus der Luft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Itzehoer Ingenieurbüro Siebert und Partner vermisst in ganz Schleswig-Holstein Ländereien mit einer Drohne. Wir haben bei einem Flug in Wedel zugeschaut.

Der Wind weht nur leicht, der Akku ist voll, alle Markierungen sind gesetzt. Optimale Bedingungen für Siegfried Beese vom Itzehoer Ingenieurbüro Siebert und Partner (ISP): Nur wenn alle Details stimmen, kann er seine Drohne zum Vermessungsflug aufsteigen lassen. Der heutige Flug in Wedel musste wegen Regenwetters um eine Woche verschoben werden. Heute passt alles, Beese sperrt einen kleinen Start- und Landebereich auf einem Parkplatz ab und packt seine Ausrüstung aus. Gleich will er eine knapp 20 000 Quadratmeter große Fläche überfliegen, auf der die Stadt Wedel einen Radweg plant.

Die Daten, die Beese am Ende liefern wird, erleichtern die Bauplanung erheblich: Seine Drohne macht nicht nur millimetergenaue genaue Luftbilder, sondern erfasst auch das Höhenprofil des Geländes. Zusammengesetzt ergeben die Informationen ein digitales Geländemodell, dass Details sichtbar macht, die bei einem bloßen Abgehen der Fläche nicht erkennbar wären. Nach eigenen Angaben spart das Unternehmen durch den Einsatz der Drohne 40 Prozent der Kosten gegenüber herkömmlichen Vermessungsmethoden.

Häufig sind es Behörden, die solche Modelle in Auftrag geben. In Itzehoe vermaß das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern bereits die Kreisverkehre bei der Autobahnauffahrt Itzehoe-Süd, in Wilster überflog Beese den Colosseums-Platz für den Jahrmarkts-Veranstalter. Gelegentlich wollen auch größere Firmen anhand von Luftbildern überprüfen, wie viel Masse beispielsweise aus einer Kiesgrube abtransportiert oder in welchem Zustand die Gebäude auf dem Firmengelände sind. Für Auftraggeber in ganz Schleswig-Holstein und auch darüber hinaus arbeitet das Ingenieurbüro.

Bevor Siegfried Beese seine Drohne überhaupt abheben lässt, ist der Bautechniker das Gelände abgelaufen und hat mit roter Farbe Markierungen auf dem Boden aufgesprüht. Einige Stunden hat diese Vorarbeit gedauert, bevor es nun endlich losgeht. Beese setzt die Rotoren auf den Multikopter, im Sattel in der Mitte bringt er eine hochauflösende Kamera an. Schließlich übermittelt er der Drohne von seinem Laptop die GPS-Daten der Flugroute. „Der Multikopter fliegt vollautomatisch, nur Start und Landung steuere ich aus Sicherheitsgründen manuell.“

Die Rotoren beginnen zu surren und schon einen kurzen Augenblick später schwebt die Drohne hoch über Beeses Kopf. 35 Meter ist die heutige Flughöhe, theoretisch könnte er das Gerät auf bis zu 100 Meter aufsteigen lassen. Knapp fünf Kilo wiegt die Maschine samt Ausrüstung, fliegt vier Meter in der Sekunde schnell und könnte – mit den entsprechenden Akkus ausgerüstet – bis zu 20 Minuten in der Luft bleiben.

Der heutige Flug dauert nur zehn Minuten. Etwa 200 Bilder macht die Kamera in dieser Zeit. Inzwischen hat der Autopilot übernommen. Während die Drohne die eingegebene Route Punkt für Punkt abfliegt, muss Beese nur eines tun: Sichtkontakt halten. Gelegentlich wechselt er die Position, um zwischen Bäumen hindurchblicken zu können.

Auf der anderen Straßenseite haben sich inzwischen einige Beobachter eingefunden, die dem Drohnenpiloten bei der Arbeit zuschauen. „Ich werde immer wieder angesprochen, wenn ich mit der Drohne unterwegs bin“, sagt Beese. Dass ein gewisses Misstrauen gegenüber den fotografierenden Flugobjekten herrsche, könne er nachvollziehen. Selbstverständlich würden Ordnungsamt und Polizei vor jedem Flug informiert, gegebenenfalls auch die Eigentümer angesprochen, deren Grundstücke überflogen würden. Aufnahmen von Privatgrundstücken, die sich manchmal nicht vermeiden ließen, würden gelöscht. „Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Akzeptanz für Vermessungsdrohnen in letzter Zeit gestiegen ist“, so Beese.

Auch heute gibt es von den sichtlich beeindruckten Zuschauern Applaus, nachdem der Bautechniker wieder die Steuerung übernommen und den Multikopter vor seinen Füßen hat landen lassen. Gleich wird Beese die Prozedur noch einmal auf einer benachbarten Fläche wiederholen. Danach heißt es für ihn: Schreibtischarbeit. Etwa einen Arbeitstag dauert es, bis der Bautechniker aus den vielen Einzelinformationen das Geländemodell erstellt hat.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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