zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 01:12 Uhr

Versammlung : Milchpreis weiter im freien Fall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mitgliederversammlung der Genossenschaft Breitenburger Milchzentrale geprägt von der prekären Situation der Landwirte im Kreis.

„Wir blicken auf ein schlechtes Jahr zurück!“ Das, was die Milchbauern am eigenen Portemonnaie Tag für Tag erleben, musste auch Raimer Holst, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Breitenburger Milchzentrale, auf der ordentlichen Mitgliederversammlung der Genossenschaft im Colosseum Wilster bestätigen. In der Milchauszahlung, bei der die BMZ jahrelang zu den Spitzenzahlern gehörte, rutschte die Milchzentrale sogar deutlich unter den Bundesdurchschnitt. Gingen die Erzeugerpreise für Milch im deutschlandweiten Mittel um fast neun Cent pro Kilogramm auf 29 Cent zurück, zahlte die Breitenburger ihren Lieferanten sogar nur noch 26,5 Cent pro Kilogramm Milch.

„Auf den Höfen geht es nicht mehr um Rentabilität, sondern um Liquidität“, räumte der Aufsichtsratschef ein. Auch die BMZ musste in ihrer Bilanz sowie in der Gewinn- und Verlustrechnung gegenüber den Vorjahren „kleine Brötchen backen“. Die Umsatzerlöse reduzierten sich im vergangenen Jahr von 102 auf 86 Millionen Euro. Der Reingewinn konnte nur noch im vierstelligen Bereich mit 2851 Euro ausgewiesen werden.

„Ich hänge an jeden Liter Milch noch acht bis neun Cent ran“, richtete Nico Hellerich aus Wewelsfleth den eindringlichen Appell an das Präsidium des Bauernverbandes, endlich in eine konstruktive Phase zu kommen. „Wir haben nicht mehr viel Zeit!“ Peter Lüschow, Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, zeigte auf, dass eine europaweite Einigung auf dem Milchmarkt das Mindeste sei. Er verwahrte sich gegen ministerielle Drohungen eines gesetzlichen Durchgreifens, um die Milchmenge zwangsweise zu reduzieren. Er fürchtet, „dass etwas beschlossen wird, was kurzfristig helfen soll, aber womöglich langfristig weh tun könnte“. Kritik kam auch von Landwirt Heiko Strüven aus Oberstenwehr: „Der Bauernverband hat uns Bauern längst vergessen!“ Es tue ihm in der Seele weh, „dass so mit uns umgegangen wird“.

Peter Wischmann aus Süderauerdorf warnte vor einer Kündigungswelle von Milchbauern, wenn die BMZ in ihrem Milchgeld noch weiter unter den Durchschnitt zurückfallen werde. Außerdem sei der Exportweg für die Breitenburger Milchzentrale „nicht in Stein gemeißelt“. Vielmehr sollte man überlegen, wie man den Inlandsmarkt verstärken könnte. Wischmann vertrat die Auffassung, es sei unabdinglich, dass sich die BMZ als kleine Meierei einem größeren Betrieb anschließen sollte. „Wir allein können mit Krisen nicht umgehen.“

Dagegen sah Vorstandschef Klaus Rusch nicht die Notwendigkeit für eine Fusion mit einem Großbetrieb. Die Breitenburger sei auf dem Weg zu einer Vollkäserei und jetzt mit dem ersten Bauabschnitt mit einer Verarbeitung von 150 Millionen Liter Milch sehr gut aufgestellt. Mit den Investitionen in die Käserei liege das Unternehmen „voll im Plan“. Aktuell gehe es um Investitionen von 5,3 Millionen Euro, die vom Land mit 1,25 Millionen Euro gefördert würden. Das Mengenproblem in der Milchproduktion sei unbestritten, aber man dürfe dafür nicht allein Russland und China verantwortlich machen. Solange sich der Markt nicht drehe, werde die BMZ weiter Verluste einfahren. Und es gebe keine Anzeichen, dass die Milchpreise wieder steigen werden. Den Milchpreis sah er weiter im Minus bei einem Wert „um die 20 Cent“.

Kritik kam auch von Landwirtin Anneli Wehling aus Kiebitzreihe: „Es tut mir weh, sehenden Auges miterleben zu müssen, wie der Markt abschmiert!“ Sie vermisse eine ausreichende Wertschätzung der Arbeit, der Tiere und der Menschen auf den Höfen.

Bei den turnusmäßigen Wahlen wurde Vorstandschefs Klaus Rusch wiedergewählt, ebenso die Aufsichtsratsmitglieder Raimer Holst aus Westermoor, Hauke Wulff (Kuden), Gerd Vock (Itzehoe) und Marco Fels (Kaaks).

 


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen