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Norddeutsche Rundschau

25. März 2017 | 12:32 Uhr

Landwirtschaft : Milchbauern leiden unter Durststrecke

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei der Versammlung der Bauernverbände Wilster gab es nur ein Thema: die anhaltende Krise in der Milchwirtschaft.

Während die anhaltend gute Konjunktur Mitarbeitern in vielen Branchen steigende Einkünfte beschert, mussten die Bauern im vergangenen Jahr mächtig bluten. Unterm Strich, so rechnete Nicolai Wree auf einer Versammlung der Bezirksbauernverbände Wilster in Neuendorf-Sachsenbande vor, müssen Landwirte für das vergangene Jahr bei ihren Unternehmensergebnissen ein Minus von 5,2 Prozent verkraften – im Schnitt. Der Referent für Milch, Vieh und Fleisch beim Landes-Bauernverband betonte, dass die Verluste noch deutlich höher gewesen wären, wenn nicht in vielen Bereichen interveniert worden wäre.

Traditionell bei einer Bauernversammlung in der Wilstermarsch standen die Milcherzeuger im Mittelpunkt. Aktuell hat sich die dramatische Lage zwar etwas entspannt. Jan Beimgraben: „Vor einem halben Jahr gab es noch 20 Cent pro Liter, jetzt liegen wir bei 35. Die Tendenz ist aber schwächer.“ Beimgraben eröffnete als amtierender Vorsitzender der Bezirksbauern die Versammlung, nachdem Nico Hellerich im vergangenen Herbst sein Amt niedergelegt hatte. Der Sprecher machte deutlich, wie sehr die Landwirte noch unter der langen Durststrecke leiden. Beimgraben sprach denn auch nicht von Milchpreisen, sondern von „lediglich geringen Aufwandsentschädigungen“, die die Bauern für ihre Arbeit noch bekämen.

Der Krise auf dem Milchmarkt musste denn auch so mancher Betrieb schon Tribut zollen. Nicolai Wree stellte mit Blick auf statistische Angaben fest, dass die Zahl der Milchviehhalter weiter zurückgegangen sei. Gleichzeitig gebe es pro Betrieb aber auch mehr Kühe. „Vor allem bei den kleineren Betrieben gibt es starke Rückgänge“, zeigte Wree einen tiefgreifenden Wandel in der Landwirtschaft auf. Der Sprecher wies in diesem Zusammenhang auf eine Reihe von Maßnahmen hin, mit denen notleidende Landwirte unterstützt werden sollten. Deutlich wurde dabei, dass sich die positiven Auswirkungen dabei wohl eher in Grenzen hielten. So sei von dem Angebot eines freiwilligen Lieferverzichts in Deutschland kaum Gebrauch gemacht worden. Ein 150-Millionen-Programm auf EU-Ebene hingegen war schnell abgerufen worden. In Schleswig-Holstein waren davon rund 5,1 Millionen Euro als Beihilfe angekommen. Für dieses Geld gab es allerdings 1111 Anträge. Was bei diesen Zahlen noch auf den einzelnen Höfen ankam, dürfte dort vielfach nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen sein. Nach Einschätzung von Wree war es häufig zudem zu reinen Mitnahmeeffekten gekommen – zum Beispiel durch Aussteiger. „Einen großen Markteffekt gab es jedenfalls nicht.“

Die Perspektiven der Milchbauern für dieses Jahr sind offenbar auch nicht übermäßig rosig. Nicolai Wree geht davon aus, dass man sich auf Auszahlungspreise unter 36 Cent einstellen muss. Letztlich werde die Entwicklung stark davon abhängen, wie der Handel mit den Milchprodukten funktioniert.

Aus den diesmal auffallend spärlich besetzten Reihen der Landwirte wurde ein weiteres Mal die Forderung nach einer geregelten Mengenreduzierung laut. Nicolai Wree hielt dem allerdings entgegen, dass „wir ja nicht allein auf der Welt sind“. Beklagt wurde von Landwirten auch, dass man praktisch keinerlei Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftspolitik der großen Meiereien habe – obwohl diese häufig genossenschaftlich organisiert und die Bauern damit eigentlich selbst die Eigentümer sind. Hier sieht auch Nicolai Wree wenig Möglichkeiten: „Ich weiß, dass das ein ganz dickes Brett ist.“

Ähnliches gilt wohl auch für den Verbraucher. Bei Erhebungen in der Fleischbranche, so Nicolai Wree, gebe es einen Megatrend hin zu regionalen Produkten. „Tatsächlich ist das Kaufverhalten dann aber ein ganz anderes.“ Bemerkenswert fand er auch, dass das Thema Tierwohl bei den Konsumenten keine allzu große Rolle spiele.

Bleibt die Frage eines Landwirts, ob er seiner Tochter noch guten Gewissens die von ihr gewünschte Hofnachfolge empfehlen kann. Nicolai Wree räumte ein, dass es in der Landwirtschaft derzeit praktisch keine Planungssicherheit mehr gebe. Seine Empfehlung: „Wenn die Tochter das wirklich will, sollte man sie dabei auch unterstützen. Alles andere kann man ohnehin nicht beeinflussen.“ Kreisbauernvorsitzender Peter Lüschow warf dazu ein, dass es auch in Zukunft noch Landwirtschaft geben werde. „Ob wir alle dann noch dabei sind, weiß ich aber auch nicht.“

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erstellt am 08.Mär.2017 | 04:45 Uhr

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