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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 11:05 Uhr

Nachrücker : Meister Bolln zieht in den Landtag

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Barmstedter Sozialdemokrat macht sich ab November für den Wahlkreis Steinburg-West stark

So richtig weg war er eigentlich nie, ab 1. November ist er aber wieder voll da: Zu diesem Termin wird Stefan Bolln als Abgeordneter in den Landtag einziehen. Weil dann in den Reihen der SPD ein Platz frei wird, kommt der 45-Jährige nach zwei vergeblichen Anläufen endlich doch noch ans politische Ziel. Seinen Wohnort in Barmstedt wird der Sozialdemokrat zwar beibehalten. Der Wahlkreis Steinburg-West ist und bleibt für ihn aber die politische Heimat. Hier will er auch am 3. November auf einem SPD-Parteitag seinen Hut in den Ring werfen – damit aus seiner Abgeordnetenzeit nicht nur ein sechsmonatiges Intermezzo wird. Bislang sei er noch einziger Bewerber.

In Wilster scheint sich Stefan Bolln besonders heimisch zu führen. Entsprechend startete er auch hier seine Besuchstour. Aus der Marsch kommt mit Helmut Jacobs denn auch der bislang letzte SPD-Landtagsabgeordnete aus dieser Region. „Ich hatte ja gar nicht mehr damit gerechnet. Aber Helmut Jacobs hat immer gesagt: Warte nur ab!“ unterstreicht Bolln diese Verbundenheit. „Man muss eben nur ein bisschen Geduld haben“, fügt er hinzu. Die brauchte Bolln auch. Bei den beiden vergangenen Wahlen zur Kieler Landtag war er von seinen Genossen zwar ins Rennen geschickt worden. Zuletzt trennten ihn von Platzhirsch Hans-Jörn Arp allerdings fast 4000 Stimmen. Zum Einzug ins Parlament reichte die Platzierung auf der Liste erst einmal nicht.

Bolln gibt sich auch keinen großen Illusionen hin, dass das 2017 viel anders werden könnte. „Wenn ich den Abstand um 1000 Stimmen verkürze, wäre das schon ein Riesenerfolg.“ Der junge Familienvater (er hat eine sechs Jahre alte Tochter) sieht das aber ohnehin eher als sportliche Herausforderung. „Ich denke da an Orte wie Vaale, Nutteln oder auch einige Gemeinden in der Wilstermarsch, wo ich wohl nie eine Mehrheit kriegen werde.“

„Wir sind jedenfalls froh, dass wir jetzt wieder einen Landtagsabgeordneten bekommen“, freut sich Bernd Schwutzke vom SPD-Ortsverein Wilster, der daran erinnert, dass es Helmut Jacobs einst zweimal gelungen sei, den Wahlkreis direkt zu holen. An der Parteibasis ist Stefan Bolln jedenfalls bestens bekannt. Immer wieder tauchte er, oft einfach nur so, bei Veranstaltungen auf. Auch die Vernetzung in der Partei ist gegeben. Als Landesschatzmeister verwaltet er die SPD-Kasse. „Gar nicht so schlecht“, sagt er auf die Frage, wie es denn um die Parteifinanzen bestellt sei.

Seine Rolle in der Kieler Fraktion muss er aber erst finden. Als gelernter Schornsteinfeger sieht Bolln sich bei den Themen Energie und Umwelt gut aufgehoben. Hier will er auch gleich mit gutem Beispiel voran gehen. Stefan Bolln wird als Abgeordneter in einem eigens geleasten Elektromobil unterwegs sein. Wo genau er in der Fraktion aufschlagen wird, weiß er aber noch nicht. Seine Genossen vor Ort warnt er dennoch schon mal vor: „Ich bin nicht der große Heilsbringer.“ Auch bei aktuellen Diskussionen hält er sich derzeit lieber noch zurück. So mochte er sich in das Thema HVV nicht einmischen. Allerdings stellt er bewundernd fest, dass die Politik im Kreis Steinburg endlich einmal mit einer Stimme spreche. Konkretes ist ihm auch zum in der Marsch heiß diskutierten Thema Windenergie noch nicht zu entlocken. Nur so viel: „Man muss sehr viel mehr miteinander reden.“

Immer wieder betont Stefan Bolln seine Verbundenheit mit Land und Leuten und seine Einschätzung, dass der Kreis Steinburg in seiner Attraktivität viel zu sehr unterschätzt werde. Umso mehr wurmt es ihn denn auch, wenn man ihn seiner Barmstedter Herkunft wegen als Pinneberger Landtagsabgeordneten einstuft. „Ich bin in Hohenaspe aufgewachsen, in Itzehoe zur Schule gegangen und habe im Kreis Fußball gespielt.“ Und seine politischen Freunde seien vor allem hier zu Hause. „Bei meinem letzten Wahlkampf hatte ich 70 Helfer“, konnte er sich über mangelnde Unterstützung nicht beklagen.

Für die nächsten Wochen und Monate kündigt Stefan Bolln erst einmal einen Zug durch die Ortsvereine in seinem selbst auserkorenen Wahlkreis an, der nach einer Neuzuschneidung von Kiebitzreihe über Glückstadt und Wilster bis nach Hohenwestedt reicht. Dabei muss er auch seine beruflichen Ambitionen noch mit der neuen politischen Aufgabe in Einklang bringen. Stefan Bolln betreibt in Kiel ein Beratungsbüro speziell für Handwerksbetriebe. Und erst vor eineinhalb Jahren hat er sich in einem Hamburger Bezirk auch noch als Schornsteinfeger selbstständig gemacht. Spontan zückt er dazu seine Visitenkarte. Sie zeigt einen freundlich lächelnden Mann in schwarz unter dem Firmennamen Meister Bolln. „Ich strukturiere gerade etwas um und suche mir noch Hilfe dazu“, nimmt er auch diese Herausforderung auffallend gelassen. Ansonsten sei er vorbereitet gewesen: „Man ahnte ja, dass irgendwann einmal der Anruf aus der Fraktion kommt.“ Und Helmut Jacobs hatte es ja sowieso immer gewusst. Der hatte allerdings auch noch die guten SPD-Jahre miterlebt. „Steinburg-West ist ein sehr schwerer Wahlkreis“, stellt denn auch Bernd Schwutzke trocken fest. Mindestens ein halbes Jahr lang hat Stefan Bolln dann Zeit, die Wähler von sich und seiner Partei zu überzeugen – und natürlich erst einmal seine eigenen Genossen.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 12:49 Uhr

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