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Ehemalige Kaserne in Glückstadt : Marinegeschichte auf 200 Seiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ralf Zielinski veröffentlicht umfangreiche Chronik der Glückstädter Kaserne mit vielen Bildern und Zeitzeugenberichten.

In diesem Buch steckt viel Arbeit und viel Herzblut: „Die Geschichte der Marinekaserne Glückstadt.“ Ralf Zielinski (52) hat eine Chronik verfasst, die es so noch nicht gibt. „Ich habe einen persönlichen Bezug“, sagt der Glückstädter zu seinen Beweggründen. „Mein Vater war 25 Jahre als Soldat in der Kaserne.“ Auch Ralf Zielinski war dort als Marinesoldat stationiert, heute ist er Fregattenkapitän in Plön.

202 Seiten Geschichte: Das, was das Buch auch auszeichnet, sind hochwertige Fotos vom Beginn des Baus bis hin zu dem Tag, als Kapitänleutnant Hans-Jürgen von Hemm am 19. April 2004 die Kaserne zuschloss. Dieses Buch in dieser Form war nur möglich, weil der Autor in Lars Bünning, seinem ehemaligen Chef und heutigem Unternehmer, einen großzügigen Sponsor fand. Denn der Preis für das Werk mit 24.90 Euro liegt weit unter den Herstellungskosten. „Wir hatten immer Kontakt. Er war sofort Feuer und Flamme, als er von dem Projekt hörte“, dankt ihm Zielinski. Lars Bünning ist Herausgeber des Buches.

Ralf Zielinski hat ein Haus mit Elbblick in Glückstadt unweit der Kaserne. Als er Ende 2010 mitbekam, dass die Gebäude der Marine abgerissen werden sollen, um einem Einkaufszentrum Platz zu machen, sagte er: „Das kann nicht sein.“ Zu viele Kindheitserinnerung gab es. „Als Kinder durften wir das Schwimmbad nutzen.“ Mit dem Nachwuchs anderer Soldaten traf er sich dort ab 17 Uhr im Sommer. Auch nahm ihn sein Vater ab und zu mit.

„Ich interessiere mich für Geschichte, deshalb wollte ich alles aufschreiben. Die ersten 20 Seiten gingen wie von alleine.“ Als später der Aufruf der Stadt kam, einen Beitrag zum Jubiläum zu leisten, meldete sich der Fregattenkapitän bei der Stadt. Er knüpfte auch Kontakte zum Museumsleiter Christian Boldt. Neben dem Projekt Buch entstand ein weiteres, der Fregattenkapitän ist auch bei der Jubiläumsausstellung ab 3. September im Detlefsen-Museum dabei, wenn es um die militärische Geschichte der Stadt geht.

In den vergangenen Jahren begab er auf Spurensuche. Unter anderem las er Berichte der Glückstädter Fortuna und in Archiven. „Es war sehr aufwendig herauszufinden, wer wann hier war.“ Das Resultat sind viele attraktive Fotos und zahllose Informationen. „Ich habe viele Zeitzeugen aufgesucht.“ Sie gaben ihm nicht nur Informationen für den Chronikteil, sondern erzählten auch Anekdoten. So erzählt er die Geschichte, wie Glückstädter Unteroffiziere eine Ziege aus der Kaserne Großenbrode entführten – weil sie dort bei einem Besuch in der Unteroffiziersmesse nichts mehr zu trinken bekamen. Das Ganze hatte ein Nachspiel auf höherer Ebene. Die Großenbroder holten ihren Ziegenbock wieder ab, hatten aber so viel Humor, dass sie den Glückstädtern einen eigenen Ziegenbock schenkten, der als Maskottchen „Fiete“ dann in der Kaserne zu Hause war.

Ralf Zielinski berichtet chronologisch über die Geschichte der Kaserne. Deshalb widmet er das erste Kapitel dem Bau, der 1935 begann. „Es gab Probleme mit dem hohen Grundwasser.“ 1300 Eichenpfähle, je 25 Meter lang, wurden gerammt. „Alle per Hand.“ Was er spannend fand: Die Dachpfannen waren aus dem gleichen Material, wie sie 1936 im olympischen Dorf in Berlin verarbeitet wurden. Es folgt die Zeit des Krieges, dazu gehörte der Bau der Unteroffizierswohnungen in der Gorch-Fock-Straße. Kurz vor Kriegsende war Glückstadt „Auffangstelle“ der Soldaten der Marine. Es folgt die Zeit der Besatzung durch die Engländer von 1945 bis 1951. Ein Kapitel widmet er auch dem Bundesgrenzschutz, der von 1951 bis 1956 in der Kasernenanlage beheimatet war.

Ab 1956 zog die Marine wieder ein. Kommandeur war damals Werner Hartmann. Dies ist das weitaus größte Kapitel in dem Buch. Der Autor erinnert an alle, die als Kommandeure die Kaserne leiteten, er erinnert auch an die Zeit, als die Marinesoldaten noch auf dem Rhin rudern lernten. „Der Vollständigkeit halber habe ich auch über das Marienlazarett geschrieben“, so Ralf Zielinski. Thema ist auch die Kunst von Hermann Wehrmann im ehemaligen Offiziersheim.

> Erhältlich: über die ISBN 978-3-00-053699-1 und in der Bücherstube am Fleth.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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