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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 17:45 Uhr

Ehrenamt : „Man weiß ja nicht, was noch kommt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach gut einem Jahr als ehrenamtlicher Flüchtlingsbeauftragter für die Wilstermarsch zieht Knud Jüstel eine unterm Strich positive Bilanz

Gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt kann Knud Jüstel unterm Strich eine positive Bilanz ziehen – vor allem auch deshalb, weil nach dem anstrengenden Start inzwischen Ruhe und Routine eingekehrt sind. „Für mich war das damals ein Sprung ins kalte Wasser“, blickt er auf seine Bewerbung als ehrenamtlicher Flüchtlingsbeauftragter für das Amt Wilstermarsch zurück.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsströme war es für den 68-Jährigen zeitweise ein Fulltime-Job. „Zum Glück gab es schon sehr aktive Helferkreise“, fand Jüstel damals wie heute breite Unterstützung. Mitunter hätten Menschen aber auch bei ihm angerufen, nur weil Flüchtlinge mit dem Fahrrad verkehrt durch eine Einbahnstraße gefahren sind.

Von Beginn an hat der Wilsteraner sich als zentraler Ansprechpartner für Bürger, Flüchtlinge und Behörden gesehen. Immer Donnerstags gab es zudem das Treffen in den Räumen des Jugendzentrums. „Zuletzt ist da keiner mehr gekommen“, wertet er diesen Umstand als gewisses Zeichen von Normalität. Ansonsten war Knud Jüstel in seinem Ehrenamt eine Art Mädchen für alles. Bootsfahrten, Schwimmkurse und Verkehrserziehung wurden organisiert, regelmäßig Berichte für die Kommunalpolitiker verfasst, Netzwerke aufgebaut und gepflegt, regelmäßige Treffen mit den Helferkreisen in Schwerpunktkommunen wie Beidenfleth, Wewelsfleth, St. Margarethen und Brokdorf wahrgenommen. Vor allem leistete er auch tätige Unterstützung bei der Betreuung der in der Wilstermarsch knapp 200 lebenden Flüchtlinge, begleitete sie zu Krankenkasse oder Jobcenter. „Es ging mir vor allem auch um Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Jüstel. Sprachbarrieren wurden dabei häufig mit Händen und Füßen überwunden. Als hilfreiche Dolmetscher erwiesen sich Flüchtlinge, die schon länger hier leben oder die schnell deutsch gelernt haben.

Mittlerweile sind die Flüchtlinge wohl auch weitgehend mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgt. „Wo es oft noch fehlt, sind Schuhe“, fällt Jüstel dazu spontan ein. Schwierig sei auch die Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen. Häufig scheitere das schlicht an fehlenden Sprachkenntnissen. Ansonsten ermuntert er die Menschen in der Wilstermarsch in ihrer Spendenfreudigkeit nicht nachzulassen. „Jeder kann anrufen und anbieten, was er hat. Nein sagen kann man dann ja immer noch.“ Ansonsten gebe es ja auch ein Spendenkonto.

Bei den in der Wilstermarsch untergebrachten Menschen aus Krisengebieten hat der Flüchtlingsbeauftragte inzwischen auch Unterschiede ausgemacht. „Es sind welche darunter, die wollen wirklich was machen.“ Diese Gruppe lasse sich auch sehr gut zum Beispiel in die Vereinsarbeit integrieren. Eine zweite Gruppe neige eher zum Abwarten „auf die Dinge, die da kommen“. Hier gehe es in erster Linie um Motivation, wobei von den Helferkreisen wertvolle Arbeit geleistet werden. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe. „Die sind sehr traditionell und leben noch in ihrer eigenen Welt“, formuliert Jüstel es bewusst vorsichtig. Alle Gruppen eint aber eines: Es gebe hier eigentlich kaum Probleme. „Ich habe auch den Eindruck, dass viele sich darauf eingerichtet haben, in Deutschland bleiben zu wollen.“

Gerade im ländlichen Raum hat sich die Arbeit mit den und für die Menschen inzwischen eingespielt. Knud Jüstel hofft, dass das auch so bleibt. Wenn sich Zu- und Abgänge in etwa die Waage halten, sieht er auch keinerlei Probleme. Ein bisschen Angst, so räumt er ein, habe er allerdings schon davor, wenn es eines Tages zu einer zweiten Flüchtlingswelle aus dem afrikanischen Raum kommen sollte.

Ob ihm die Arbeit auch persönlich etwas gebrachte habe? „Größtenteils ja“, befindet Jüstel und fügt hinzu: „Ich würde es wiedermachen.“ Natürlich habe es gelegentlich auch mal Frust gegeben. Er hofft vor allem, dass auch die vielen Helfer bei der Stange bleiben und weiter machen. „Ich werde dasselbe wieder tun“, kündigt er an. Vorsorglich ermuntert er aber schon jetzt zur Mitarbeit. „Wer mitmachen will, kann sich gerne bei mir melden. Man weiß ja nicht, was noch kommt.“

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erstellt am 23.Aug.2016 | 16:58 Uhr

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