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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 15:41 Uhr

Bildungspolitik : Männer sind klar in der Minderheit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Warum in Lehrerzimmern Frauenüberschuss herrscht - am Beispiel der Gemeinschaftsschule Wilster

Vor seinem Wechsel als Konrektor nach Wilster war Oluf Martinen an der damaligen Grund- und Hauptschule Heiligenstedten der letzte verbliebene Mann. An der Gemeinschaftsschule Wilster ist die Geschlechter-Aufteilung zwar besser. Aber auch hier kommen aktuell auf elf männliche 27 weibliche Lehrkräfte. Damit steht Wilster im kreisweiten Vergleich sogar noch recht gut da. An allen Steinburger Grund-, Gemeinschafts- und Förderschulen gibt es zum Schulbeginn nach den Sommerferien genau 775 Lehrer. Nur 150 von ihnen sind Männer. Vor allem an Grundschulen ist der Frauenüberschuss in den Lehrerzimmern gravierend. In der Wilstermarsch gibt es nur noch einen verbliebenen Mann: Rektor Uwe Maaß.

Glücklich ist man mit dieser Entwicklung vor allem aus pädagogischer Sicht nicht. „Oft fehlt in der Entwicklung der Kinder die männliche Bezugsperson. Viele kommen auch aus nicht intakten Ehen“, weiß Marlis Krumm-Voeltz. Bei der Suche nach Gründen für den Vormarsch von Frauen im Lehramt sind sich Schulleiterin und ihr Stellvertreter einig. Noch immer werde die Berufswahl und - Ausübung durch die traditionelle Rollenverteilung geprägt. „Männer sollen noch immer die Hauptverdiener sein. Und als Lehrer verdient man einfach zu wenig.“ Das sieht auch Oluf Martinen so. Vielfach ziehe es männliche Hochschulabsolventen zu Jobs in der freien Wirtschaft – mit höherem Verdienst und besseren Aufstiegsmöglichkeiten. Martinen: „Mathematik- und Informatikstudenten werden schon an den Unis von den Firmen gezogen. Die fehlen dann später in den Schulen.“

Eine große Rolle spiele bei der Berufswahl auch die Familienplanung. Viele Lehrerinnen, auch an der Gemeinschaftsschule Wilster, seien nur in Teilzeit aktiv. Im öffentlichen Dienst sei das sehr viel einfacher zu regeln. Gleichzeitig gebe es aber kaum männliche Lehrer in Elternzeit.

Krumm-Voeltz und Martinen sind überzeugt, dass die Kinder eine gesunde Mischung an Lehrkräften brauchen. Vor allem bis zur 7. oder 8. Klassenstufe seien passende Bezugspersonen von Bedeutung. An der Gemeinschaftsschule werde bei der Gestaltung der Stundenpläne daher auch darauf geachtet, dass hier die Mischung stimmt. Interessanterweise ist die geschlechterspezifische Rollenverteilung aber auch bei vielen Kindern noch eher altmodisch. Noch immer strebten Mädchen in vermeintlich klassische Frauenberufe, Jungs wollten am liebsten Autos reparieren. „Die alte Denkweise steckt noch immer in den Köpfen drin“, beobachtet Oluf Martinen. Ändern kann man es an den Schulen kaum. „Der Lehrermarkt ist wie leergefegt“, sagt Krumm-Voeltz. Und der verbleibende pädagogische Nachwuchs wird immer weiblicher. Daran kann auch Oluf Martinen nichts ändern. Auch seine Tochter will Lehrerin werden.

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erstellt am 03.Sep.2016 | 16:22 Uhr

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