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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 02:55 Uhr

Lotsen bekommen zwei neue Boote

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach zehn Jahren Vorlauf ist der Bauauftrag vergeben worden / Brüderschaft NOK I kann zwei betagte Schiffe ausmustern

Das Testen hat ein Ende, die Lotsenbrüderschaft NOK I soll im nächsten Jahr zwei neue Versetzboote in Dienst stellen können. Den Auftrag zum Bau hat die schwedische Werft Dockstavarvet erhalten, ein auf den Bau von Lotsen- und Militärschiffen spezialisiertes Unternehmen. Der Bau, so Michael Hartmann, Ältermann der Brunsbütteler Kanallotsen, werde den Bund als Auftraggeber eine Summe „im unteren zweistelligen Millionenbereich“ kosten. Im Mai 2017 und voraussichtlich November nächsten Jahres sollen die Neubauten in Brunsbüttel liegen.

Notwendig wird die Anschaffung der durch den Lotsenbetriebsverein betriebenen Versetzboote, um den Anschluss an die Entwicklung der Frachter zu halten. Die sind in den vergangenen Jahren zunehmend größer geworden. Zugleich, sagt Michael Hartmann, sei die Elbe vor Brunsbüttel kein ganz einfaches Revier: Seegang und Gezeiten erforderten starke Versetzboote, um die Lotsen sicher an Bord der zu begleitenden Schiffe zu bringen. „Die Schifffahrt hat sich extrem gewandelt“, sagt der Kapitän, der als Ältermann für derzeit 142 Lotsen der Brüderschaft NOK I spricht. Hinzu kommen noch 280 Elblotsen. Damit ist Brunsbüttel das europaweit größte Lots-Revier mit jährlich etwa 100  000 Versetzungen.

Anders als die Elblotsen benötigen die Kanallotsen aber keine schnellen und leichten Versetzboote, weil die Schiffe, die die Kanallotsen übernehmen, in der Regel nicht fahren, wenn der Lotse an Bord geht. Sie liegen vor der Schleusenstadt auf Reede.

Nach etlichenVersuchen mit unterschiedlichen Schiffstypen hat sich eine Konstruktion herauskristallisiert, die sich schon seit Jahrzehnten bewährt: schwere Schiffe, die bei Bedarf See- und Eisgang meistern, so genannte Verdrängungstypen. „Es bedurfte einiger Zeit, bis wir uns darüber im Klaren waren, was für ein Schiff wir wollen“, sagt Hartmann. „Das, was schon unsere alten Kollegen geplant hatten, hatte Hand und Fuß.“ Die beiden neuen Versetzboote werden bei 80 Prozent Maschinenleistung 14,5 Knoten schnell sein, sind 28,5 Meter lang, 7,5 Meter breit und haben 2,60 Meter Tiefgang. Klassifiziert werden sie als Binnenschiffe. Das Kernstück, der Übergang, ist wie bei den jetzigen Booten „Kapitän Kircheiss“ und „Kapitän Jürs“ mittschiffs angeordnet – die ruhigste Position an Bord. Ein seitlicher Niedergang ermöglicht das Umsteigen auch auf flache Binnenschiffe. Insgesamt, ist Hartmann überzeugt, eine zukunftsträchtige Investition.

Ganz wichtig, so der Ältermann: „Die Zuverlässigkeit spielt eine Rolle. Wir sind an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden täglich im Einsatz.“ Zumindest bei der betagten Osterriff, die 1959 auf Kiel gelegt wurde, seien Ersatzteile schon knapp. Außerdem gehe der jahrzehntelange Einsatz auch an der stählernen Schiffshülle nicht spurlos vorüber. Langsamer sind die alten Versetzboote ohnehin. Wenn die neuen nächstes Jahr den Dienst übernehmen, dürften die alten Schiffe wohl ausgemustert werden, vermutet Hartmann.

Derzeit machten sich die Lotsen bereits Gedanken über die Namensgebung für die Neubauten. Die Benennung nach Personen sei vom Bund nicht gewünscht, bevorzugt würden regionale Bezeichnungen. Michael Hartmann lädt ein: „Wer eine zündende Idee hat, darf sich gerne bei uns melden.“

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erstellt am 19.Apr.2016 | 12:33 Uhr

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