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Norddeutsche Rundschau

24. September 2016 | 22:54 Uhr

Absage : Land stoppt Fahrradtouren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der ADFC Kellinghusen muss seine Ausfahrten absagen. Nicht korrekt angemeldete Ausfahrten sind eine Ordnungswidrigkeit.

Aus und vorbei ist es mit den geführten Radtouren der Stadt. Ratlos bis empört zeigte sich eine Gruppe von „Dienstradlern“ über die Absage von Tourenleiter und ADFC-Landeschef Heinz-Jürgen Heidemann. Gestrichen sind neben dem „Kellinghusener Dienstrad“ ab sofort auch die ebenfalls vom ADFC für die Stadt organisierten beliebten Halb- und Tagestouren. Als Grund nannte Heidemann eine Gesetzesauslegung, die es in dieser Form offenbar nur im Land Schleswig-Holstein gibt. Danach müsste für jeden einzelnen der Radelausflüge eine gebührenpflichtige (zirka 50 Euro) Genehmigung eingeholt werden.

Vor dem Bürgerhaus quittierten 17 „Dienstradler“ die Information mit ungläubigem Kopfschütteln. Viele der älteren und jüngeren Radler aus Stadt und Land sind regelmäßig dabei, wenn es für ein paar Stunden hinaus in grüne Umgebung der Störstadt geht. Das gesundheitsfördernde gemeinschaftliche Pedaltreten mit liebevoll aufbereiteten Informationen durch die ehrenamtlichen Tourenleiter lockt zunehmend mehr Radler an: Die Statistik verzeichnet bis zum 8. Juli 571 Teilnehmer bei 41 Touren. Ein schwerer Schlag außerdem für die Veranstalterin Stadt Kellinghusen, die sich mit dem kostenfreien Angebot als radelfreundliche Kommune und Mönchsweg-Station bei Urlaubern und Tagestouristen empfehlen möchte.

„Bürokratischer Schwachsinn, Debakel, Trauerspiel“, kommentieren die Tourenleiter Hans Hellwig, Fritz Bahr und Jürgen Schröder die Haltung des Verkehrsministeriums. „Wir sind langjährige Tourenleiter mit ganz viel Erfahrung, da dürfte es doch kein Problem sein, uns zuzutrauen, eine Gruppe zu leiten“, sagt Schröder. Das Land sieht dies offenbar anders: „Auf Anfrage teilte das Verkehrsministerium in Kiel dem ADFC mit, dass für ganz oder teilweise über Landes- und Bundesstraßen geführte Fahrradtouren vorab eine gebührenpflichtige Erlaubnis beantragt werden muss“, zitiert Heidemann aus einem ADFC-Schreiben. Angegeben werden müssten zudem ein detaillierter Tourenverlauf sowie die erwartete Teilnehmerzahl. Erteilt werde die Erlaubnis – in der Regel unter Auflagen – von der Verkehrsaufsicht. Und: Nicht korrekt angemeldete Touren stellen eine Ordnungswidrigkeit dar. „Der Landesvorstand des ADFC ist bereits sei mehreren Monaten bemüht, diese nur in Schleswig-Holstein bestehende Auslegung des Paragraf 29 der Straßenverkehrs-Ordnung mit dem Verkehrsministerium zu besprechen – bislang ohne das gewünschte Ergebnis“, so Heidemann.

„Extrem bedauerlich“ findet der stellvertretende Bürgermeister Reinhard Rübner (SPD), dass sich die mit der Radel-Sache befassten Verwaltungen hintereinander versteckten. „Es gab Aussagen von Kiel, Itzehoe und vom Amt Kellinghusen“, so Rübner. Seiner Ansicht nach hätte sich im Sinne einer bürgerfreundlichen Vereinbarung eine dieser Stellen „einmal gerade machen“ sollen.

Für Lars Kiepert, Leiter des Fachdienstes Allgemeine Ordnungsdienste des Amtes Kellinghusen, ist an der aktuellen Auslegung derzeit nicht zu rütteln. Dies hätten Gespräche mit allen zuständigen Stellen vom Land bis zum Kreis gezeigt. Die „Dienstradler“ zogen derweil zum symbolischen Protest vor das Rathaus. Noch hoffen sie auf eine Einsicht. Denn nach dem derzeitigen Stand der Dinge seien nicht nur das Kellinghusener „Dienstrad“ und weitere geführte Touren Makulatur – die gleichen Probleme und Proteste gäbe es bestimmt auch in anderen Kommunen.

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