zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 19:12 Uhr

Lässt Metal die Pflanzen erblühen?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Pflanzen sind Metalfans“ – das behauptet zumindest der britische Fernseh-Gärtner Chris Beardshaw. In einem Experiment im Jahr 2013 setzte er peruanische Lilien in verschiedenen Gewächshäusern unterschiedlicher Musik aus. Sein Ergebnis: „Die Pflanzen, die der Musik von Black Sabbath ausgesetzt waren, waren zwar die kürzesten, sie trugen aber die besten Blütenblätter und wiesen die beste Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten auf.“

Das Team der Festival Today wollte es genauer wissen: Reporter Tommy Alles startete in seinem heimischen Garten den Selbstversuch. Drei Monate lang ließ er seine vier junge Tomatenpflanzen täglich eine Stunde Musik hören: Zwei Sträucher lauschten Metallica und Hammer Fall und zwei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – „natürlich in getrennten Räumen“, wie Alles versichert. Tatsächlich sind am Ende des (nicht ganz wissenschaftlichen) Versuchs Unterschiede sichtbar: Die Metal-Pflanzen zeigen einen wesentlich stärkeren Wuchs, tragen etwas mehr Blüten und Früchte.

„In der Tat reagieren Pflanzen sehr sensibel auf Geräusche“, sagt Dr. František Baluška. Der Botaniker von der Universität Bonn erforscht, wie Gewächse Signale aus ihrer Umwelt wahrnehmen und spricht seinen Forschungsobjekten eine gewisse „pflanzliche Intelligenz“ zu. Es sei eindeutig, dass äußere Reize wie Licht oder die Schwerkraft einen großen Einfluss auf Pflanzen hätten. „Schallwellen sind sehr viel stärker. Warum sollte sich die Pflanze also nicht von ihnen beeinflussen lassen?“

Baluška vermutet, dass die Epidermis, die Haut der Pflanzen, und die Wurzeln für das „Hören“ verantwortlich sind. In einer bisher unveröffentlichten Studie fand er heraus, dass die Wurzeln von Pflanzen angeregt reagieren, wenn sie dem Geräusch von plätscherndem Wasser ausgesetzt sind. „Aus evolutionärer Sicht macht das Sinn“, so Baluška. Wasser sei schließlich notwendig zum Überleben.

Allerdings rät der Forscher, vermeintliche Studien, die die Auswirkung von Metal auf Pflanzen untersuchen, mit Vorsicht zu genießen. „Es gibt viele solcher Experimente. Ein Italiener will beispielsweise herausgefunden haben, dass klassische Musik das beste für die Pflanzen ist.“ Es gelte zu untersuchen, ob die Schallwellen von Heavy Metal möglicherweise denen des plätschernden Wassers ähneln.

Bis das passieren wird, könnten noch einige Wacken Open Airs ins Land gehen: Leider, so bedauert Baluška, sei das Forschungsfeld der Pflanzenneurobiologie – das unter Wissenschaftlern nicht ganz unumstritten ist – völlig unterfinanziert.





zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 09:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen