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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 11:05 Uhr

Filmprojekt : Kunst und Kultur in Szene gesetzt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alfred Schildhauer und Klaus Karlau besuchen die Künstlerin Gudrun Probst in Kollmar – die Hobbyfilmer drehen „Potpourri in bewegten Bildern“.

Für ihr Filmprojekt „Potpourri in bewegten Bildern“, das noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, beschäftigen sich die Hobbyfilmer Alfred Schildhauer und Klaus Karlau mit Geschichte, Kultur, Brauchtum und Kunst der Region. Für Aufnahmen dazu besuchten sie nun die Bildhauerin Gudrun Probst in ihrer Werkstatt in Kollmar. In der Dokumentation erzählt sie über ihre Arbeit und ihr Leben.

Seit 1995 wohnt Gudrun Probst im Ortsteil Bielenberg gleich hinter dem Elbdeich, und seitdem geht sie regelmäßig bei Ebbe an den Strand, um nach Fundstücken aus Holz, Eisen oder Glas zu suchen. Gudrun Probst macht daraus zusammen mit Ton keramische Plastiken. „Für besondere Fundstücke wie Schiffsplanken, Scherben oder rostige Hufnägel gehe ich auch schon mal ins Wasser. Und wenn ich etwas gefunden habe, entwickelt sich daraus oft gleich eine Idee, was ich damit machen kann. Wenn nicht, kommt es erstmal in meine Sammlung.“

Aktuell arbeitet sie an einem Objekt mit einem gusseisernen Stallfenster. „Das Fenster stammt von einer abgebrannten Scheune im Schleuer. Die geteilte Eisenform öffnet sich wie zu einer Krone. Diese Form habe ich in der Toneinbettung wieder aufgegriffen.“

Das Modellieren macht sie mit ihren Händen. Als Hilfsmittel benutzt sie Utensilien wie Messer, Stopfnadeln und andere Hilfsmittel. Kronen und Kreuze sind häufig wiederkehrende Motive in ihren Arbeiten der sakralen Kunst – ihrem Lieblingsthema. In ihren Arbeiten befasst sie sich mit den Fragen des christlichen Glaubens und versucht, sie mit ihrer Kunst zu beantworten. Dabei geht es ihr immer um eine positive Ausstrahlung, denn sie „möchte keinen leidenden Korpus darstellen. Meine Kreuze sind Zeichen der Hoffnung, des Sieges und des Lebens“.

Nach dem Modellieren und dem Trocknen von rund vier Wochen kommen die Arbeiten in einen Brennofen. „In unserem Haus steht inzwischen schon der dritte, denn die Vorgänger sind beide durchgebrannt.“

Nach dem so genannten Schrühbrand bei 800 Grad wird die Plastik eingefärbt und manchmal auch glasiert. „Farben benutze ich nur sparsam, denn ich möchte den Eindruck von Ton und Erde erhalten.“ Der zweite Band dauert bei 1060 Grad 15 bis 20 Stunden. „Dann kann ich das Öffnen des Ofens kaum erwarten, so neugierig bin ich. Die Glut spielt immer mit und ist für Überraschungen gut. Mal so – mal so.“ Eisenteile, Scherben, Schlacken oder Ziegel können mitgebrannt werden. Bei einer Kombination aus Ton mit Holz werden nach dem Brand die beiden Teile in vorbereiteten Löchern mit Dübeln, Schrauben oder Stahlstiften verbunden.

Das ganze Haus steht voller interessanter Objekte und gleicht einer Ausstellung. Der Verkauf steht nicht im Vordergrund ihres Schaffens. „Meine Lieblingsarbeit ist meistens meine letzte und ich gebe sie ungern her.“ Zu sehen sind ihre Arbeiten in Glückstadt im Schaufenster an der Ecke vom Markt zur Deichstraße und bei Ausstellungen wie demnächst in Hamburg und Bremen. Die Leidenschaft für die Kunst hatte Gudrun Probst bereits als Kind. Im Zweiten Weltkrieg geboren und aus ihrer Heimat Oberlausitz vertrieben, war das Zeichnen und Malen ein Ventil für sie, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Als in ihrem Elternhaus in Kamenz in Sachsen eine Fensterscheibe im Schuppen mit Fensterkitt neu eingesetzt wurde, gefiel ihr die Arbeit mit dem modellierfähigen Material so gut, dass sie ab dann Bildhauerin werden wollte. Über eine Ausbildung als Musterzeichnerin und dem Studium an der Werkkunstschule in Münster wurde sie zunächst Werklehrerin an Sonderschulen. Nach Stationen in Nordrhein-Westphalen und Bremen hat sie nun zusammen mit ihrem zweiten Mann Peter, der sie stets motiviert und unterstützt, als freiberufliche Künstlerin ihre Erfüllung in Kollmar gefunden.


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erstellt am 01.Nov.2016 | 18:05 Uhr

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