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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 01:02 Uhr

Energiewirtschaft : Kraftwerk hisst die Preussen-Flagge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus Eon Kernkraft wird wieder Preussen Elektra – auch ein bisschen zum Leidwesen der Bayern. Nächste Woche geht der Meiler in Brokdorf wieder ans Netz.

Unter der Regie von Eon Kernkraft ging das Brokdorfer Kraftwerk vor drei Wochen vom Netz, unter dem Namen Preußen Elektra wird ab nächste Woche wieder Strom produziert. Während die alljährliche Revision nach Angaben von Werkleiter Uwe Jorden routinemäßig ablief, bekommen die mehr als 300 Mitarbeiter zum wiederholten Male in der Kraftwerksgeschichte einen neuen Arbeitgeber – zumindest vom Namen her.

Die Umstellung bekommen Besucher und Belegschaft schon am Eingangstor vor Augen geführt. Neue Schilder weisen auf Preußen Elektra hin, gestern wurden auch die wehenden Flaggen ersetzt. „Die dürfen nicht den Boden berühren“, mahnte Stefan Lenz. Der Kraftwerksmitarbeiter bringt einschlägige Erfahrungen aus seiner Dienstzeit bei der Luftwaffe mit. Entsprechend vorsichtig nahmen Werkleiter Uwe Jorden und Betriebsreferent Hauke Ratjen die ausgedienten rot-weißen Eon-Markenzeichen in Empfang. Die Flaggen wurde sorgfältig zusammengelegt und beiseite gepackt. Nur wenig später wehte die neue Schriftzug im Wind.

Zahlreiche Mitarbeiter verfolgten den Flaggenwechsel, viele hatten ihre Handys für Erinnerungsfotos gezückt. Zur Mittagszeit konnte man dann beim gemeinsamen Grillen noch ein bisschen von alten Eon-Zeiten schwärmen. Der Konzern hatte dafür eigens ein Budget bereitgestellt. Die Belegschaft ließ es sich schmecken.

Ohnehin war die Umstellung generalstabsmäßig vorbereitet worden. Pünktlich zum Termin wurden alle Drucksachen auf den neuen Schriftzug umgestellt, nächsten Montag gehen der interne wie auch der öffentliche Internetauftritt ans Netz. Wer sich vorab informieren wollte, wurde gestern im Eingangsbereich von Preußen Elektra-Führungskräften empfangen, die via Bildschirm die neuen (alten) Mitarbeiter begrüßten. Tenor: Auch der weitere Betrieb und der dann folgende Rückbau sollen nach höchsten Sicherheitsstandards erfolgen. Und, so weiter, genau deshalb gelte es, die „einzigartige Kompetenz und das Engagement der Mitarbeiter zu erhalten“. Damit werde man sich dem Rückbau der Anlagen, aber auch neuen Herausforderungen im Ausland stellen.

Hintergrund für die Umfirmierung ist das erklärte Ziel von Eon, sich von der konventionellen Energieerzeugung zu verabschieden. Gleichzeitig gab es politischen Vorgaben, damit die für die Zeit nach der Stilllegung erforderlichen finanziellen Rücklagen nicht in irgendeinem Unternehmens-Konglomerat verschwinden. Werkleiter Uwe Jorden hat damit inzwischen seinen bereits fünften Arbeitgeber.

Während man im Norden aber keine Probleme damit hat, die preußische Fahne hochzuhalten, sieht das bei den Kollegen in Bayern anders aus, wie Hauke Rathjen schmunzelnd anmerkt. „Die nehmen das aber auch mit Humor und hinterlegen das neue Firmenlogo schon mal mit der weiß-blauen Bayern-Raute.“ Eine feierliche Flaggenparade wie gestern in Brokdorf hält er dort aber für höchst unwahrscheinlich. Dabei hätte es theoretisch auch anders herum laufen können. Eon Energie war einst aus dem Zusammenschluss von Preußen Elektra und Bayernwerk hervorgegangen. Dumm nur für die Süddeutschen: Der Name Bayernwerk ist inzwischen durch einen regionalen Anbieter belegt.

Unter neuer Flagge wird Brokdorf nächste Woche nach der Revision wieder ans Netz gehen. In der Spitze waren in den vergangenen Wochen bis zu 1556 Menschen pro Tag auf dem Kraftwerksgelände unterwegs. Größte Aktion war laut Uwe Jorden der Austausch eines Generatorläufers. Bei baugleichen Geräten in den USA, so erläutert er, habe es bei Inspektionen Befunde gegeben, weshalb vorsorglich ein Wechsel vorgenommen worden sei. Eine Besonderheit gab es bei der Revision noch: Diesmal kamen keine neuen Brennelemente zum Einsatz. Für die optimale Bestückung hat man sich zunächst aus den eigenen Lagerbeständen bedient. Der Vorteil: Es wird auch keine teure Brennelementesteuer fällig. Der Nachteil: Die nächste Revision wird wegen jetzt geringerer Standzeiten der Brennelemente schon im Februar stattfinden. Vorher soll aber noch der 30-jährige Betrieb ein bisschen gefeiert werden. Die Anlage war am 8. Oktober 1986 ans Netz gegangen. Damalige Eigentümer: Preußen Elektra und die Hamburgischen Elektrizitätswerke.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 09:45 Uhr

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