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Norddeutsche Rundschau

06. Dezember 2016 | 15:13 Uhr

Freiwilliges soziales jahr : Kopf einziehen in Boliviens Bussen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rieke Gripp aus Krempe arbeitet ein Jahr freiwillig in einem bolivianischen Kinderhilfswerk. An die Eigenheiten vor Ort – Verkehrschaos und vermüllte Straßen – hat sie sich schnell gewöhnt

Rieke Gripp (19) aus Krempe packte im September die Koffer, um ein freiwilliges soziales Jahr in einem bolivianischen Kinderhilfswerk zu absolvieren. In unregelmäßigen Abständen berichtet die Abiturientin des Glückstädter Detlefsengymnasiums nun über ihre Abenteuer aus Südamerika – dieses Mal über ihre Ankunft in Bolivien und das Verkehrschaos auf den Straßen.

„Die Zeit in Bolivien vergeht wie im Flug.“ Das haben wir bei der Vorbereitung auf unser freiwilliges soziales Jahr in einem Kinderhilfswerk in Santa Cruz de la Sierra von ehemaligen Freiwilligen oft gehört. Und es stimmt. Schon seit über vier Wochen bin ich in der Großstadt und alles wird immer mehr zu meinem Alltag.

Angekommen nach einem zwölfstündigen Flug und insgesamt circa 30 Stunden Reisezeit war die Müdigkeit wie weggeblasen, als wir aus dem Flughafen gingen und hinter den ersten Palmen der Sonnenaufgang zu sehen war. Bei 25 Grad morgens um 6 Uhr war schnell klar, dass wir uns in den nächsten Stunden daran gewöhnen müssen, viel Wasser zu trinken. Koffer und Rucksäcke wurden in zwei Minibusse, die hier Micros genannt werden, gepackt und wir verbrachten die ersten Tage bei einem Ankunftsseminar außerhalb der Stadt, wo wir noch einige Tipps bekamen.

Alle warteten nur darauf, endlich in ihre Städte, Familien und Projekte aufzubrechen und zum Glück blieben meiner Mitfreiwilligen und mir die bis zu 20-stündigen Busfahrten erspart, denn wir wurden einfach von unserem Projektleiter und gleichzeitigem Vermieter abgeholt. Auf dem Weg durch die Stadt fiel am meisten der chaotische Verkehr auf. Regeln? Fehlanzeige! Der, der schneller fährt, lauter hupt oder das größere Auto hat, fährt zuerst über die Kreuzung, alles andere ergibt sich irgendwie.

Anschnallgurte habe ich bis jetzt in keinem Taxi gesehen, wenn man mit dem Micro fahren möchte, stellt man sich einfach an die Straße und signalisiert den vorbeifahrenden Busfahrern, dass man einsteigen möchte und es wird gequetscht und gestapelt bis zum Dach. Für umgerechnet 20 Cent für eine Fahrt nehme ich das aber gerne in Kauf, auch wenn die Decken mancher Micros so niedrig sind, dass ich mit meiner Größe von 178 Zentimeter nicht aufrecht stehen kann. Nach den 35 Minuten bis ins Zentrum hatte ich zwar Nackenschmerzen, aber manchmal auch die ein oder andere nette Unterhaltung gehabt. Der Verkehr spiegelt die Lebensweise der Cruzeños gut wieder. „Alles wird sich schon fügen, keine Sorge.“ Das System funktioniert: Unfälle sind in Santa Cruz relativ selten.

Während der Mittagspausen habe ich das Viertel, in dem wir jetzt für zwölf Monate wohnen und arbeiten, näher erkundet. Erst vor circa 30 Jahren entstand das Barrio San Isidro aufgrund einer Überschwemmung in einem anderen Teil der Stadt. 3000 Familien verloren auf einen Schlag ihre Unterkunft und zogen an den damaligen Stadtrand, wo sie aus Resten von Metall und Plastikteilen provisorische Hütten bauten. Heute sind diese Häusern gewichen, doch in San Isidro wohnen noch immer größtenteils Menschen mit sehr geringem Einkommen. Die Straßen bestehen aus Sand und Müll, von dem sich verwahrloste Hunde und Katzen ernähren. Es gibt zwar eine Müllabfuhr, die zwei Mal pro Woche kommt, aber die meisten Leute werfen ihren Müll einfach auf den Boden, größere Dinge werden nachts auf der Straße verbrannt.

Viele dieser Sachen fallen mir schon fast nicht mehr als „anders“ auf und auch an das tropische Klima habe ich mich schon etwas gewöhnt, aber der Sommer kommt ja erst noch...


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erstellt am 24.Okt.2016 | 08:29 Uhr

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