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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Einwohnerversammlung : Kommt der Windpark doch noch?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erst wurde die Stördorfer Gemeindefläche als Tabubereich eingestuft, jetzt sieht die Landesregierung plötzlich Chancen für Mühlenbau.

Mehr als acht neue Windkraftanlagen könnten bis 2022 das Landschaftsbild in der Gemeinde Stördorf prägen. Zumindest wenn es nach dem vom Land beauftragten Gutachten zur Ausweisung von Abwägungsbereichen und Vorranggebieten geht. In der Einwohnerversammlung der Gemeinde Stördorf informierte Matthias Block, Leiter des Bauamtes im Amt Wilstermarsch, über den derzeitigen Planungsstand der Landesregierung. Mehr als 50 Stördorfer waren der Einladung von Bürgermeister Helmut Sievers gefolgt. Diese zeigten sich größtenteils verwundert, aber gleichermaßen auch verärgert über die veränderten Tabukriterien der Landesregierung für die Ausweisung von Eignungsflächen. Diese gingen zu Lasten der Menschen, die sich in den ländlichen Gebieten ihre Existenz aufgebaut haben, lautete die Kritik aus den Reihen der Teilnehmer.

Bevor das Oberverwaltungsgericht in Schleswig mit seinem im vergangenen Jahr gesprochen Urteil die Windkraft-Planungen der Landesregierung für das südliche und mittlere Schleswig-Holstein kippte, galt beispielsweise die rund 150 Hektar große Fläche zwischen der alten B5 und der Stör in Höhe der Gemeinde Stördorf als charakteristischer Landschaftsraum und somit als Tabufläche für die Errichtung von Windmühlen. In dem beauftragten Gutachten der Landesregierung ist davon jedoch keine Rede mehr. Ganz im Gegenteil: Jetzt ist diese Fläche plötzlich als Abwägungsbereich deklariert und somit als Standort für bis zu acht Windkraftanlagen geeignet. Weitere Flächen wurden im Bereich des bestehenden Dammflether Windparks sowie in Klein Kampen entsprechend der neuen Reglementierung als Eignungsflächen ausgewiesen.

Sowohl Matthias Block als auch Helmut Sievers machten deutlich, dass die Landesregierung den Gemeinden ein Mitbestimmungsrecht nahezu gänzlich genommen hat. „Es reicht nicht mehr, wenn die Bürger einer Gemeinde oder deren Gemeindevertreter sagen, dass sie keine weiteren Windmühlen mehr an ihrem Standort haben möchten. Eine Ablehnung gegen den Bau von Windkraftanlagen geht nur mit einer fachlichen Begründung, und diese zu erbringen ist unglaublich schwer“, so Block.

Für den Fall, dass das Land dem Vorschlag des Gutachtens folgt und die drei Gebiete tatsächlich als Windkraftflächen in der Gemeinde ausweist, wäre es eine Überlegung wert, einen Bürgerwindpark zu errichten. So hätten Anwohner die Möglichkeit, ebenfalls von dem Bau der Windkraftanlagen zu profitieren und müssten nicht nur die negativen Folgen wie beispielsweise den Schattenschlag oder die Lärmbelästigung ertragen, so der Gedanke des Bürgermeisters.

Um den Einwohner einen Eindruck zu verschaffen, wie die Gründung eines Bürgerwindparks abläuft, hatte Helmut Sievers mit Franz-Josef Lübbert einen Experten als Referenten eingeladen. „Die Akzeptanz der Landwirte, auf deren Grundstücke die Windmühlen gegebenenfalls gebaut werden, ist da“, äußerte der Geschäftsführer zweier Bürgerwindparks in Schuby und Jerrishoe (Kreis Schleswig-Flensburg). Damit sei schon einmal eine wichtige Voraussetzung für einen Windpark unter Bürgerbeteiligung gegeben. Auch wenn Stördorf nicht den besten Standort bietet, so könnten Investoren durchaus mit Renditen rechnen.

Der Bau einer Windkraftanlage mit einer Leistung zwischen 3 und 3,4 Megawatt kostet zwischen vier und viereinhalb Millionen Euro. In der Gemeinde Jerrishoe mit rund 950 Einwohnern sei es gelungen, 54 Kommanditisten zu gewinnen, die den Bau von drei Windenergieanlagen ermöglicht haben. Im Zuge einer formlosen Umfrage unter den Teilnehmern der Einwohnerversammlung signalisierten 15 Bürger ihr Interesse an einer Beteiligung an einem Bürgerwindpark. 24 Stördorfer sprachen sich grundsätzlich gegen die Errichtung weiterer Windmühlen in der Gemeinde aus.

„Wir werden uns weiter mit diesem Thema beschäftigen müssen“, kündigte der Bürgermeister im Anschluss der Informationsveranstaltung an.

 





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erstellt am 28.Apr.2016 | 17:00 Uhr

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