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Norddeutsche Rundschau

25. September 2016 | 17:42 Uhr

Landwirtschaft : Kohlernte ist Knochenarbeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kreispräsident eröffnet die Dithmarscher Kohltage 2016. Polnische Landarbeiter für das Einbringen des Gemüses weiterhin unverzichtbar.

Mit geübter Hand führte Kreispräsident Hans-Harald Böttger gestern auf dem Hof von Oliver und Renke Langmaack in Westerdeichstrich das Messer und schnitt den ersten Kohlkopf ab – der Anschnitt markiert seit 30 Jahren die traditionelle Eröffnung der Dithmarscher Kohltage. Die haben sich zu einer kreisweiten Veranstaltungsreihe zwischen Wesselburen und Brunsbüttel gemausert. Schon zur der Eröffnung gestern kamen über 1000 Besucher auf dem Langmaack-Hof.

Ein solcher Zuspruch war gerade in der Anfangszeit nicht selbstverständlich. Die Idee des Kronprinzenkoogers Peter Quirin wurde, wenn nicht belächelt, dann zumindest skeptisch betrachtet. Damals, sagt der heutige Kreispräsident, seien es gerade mal fünf Leute gewesen, die auf dem Kohlacker dabei waren. Böttger: „Wir sind glücklich, dass heute kreisweit Programme angeboten werden.“ Und auch, dass Urlauber längst ihre Ferien um die Kohltage herumlegen, gilt als positive Entwicklung. Für Landrat Jörn Klimant setzen die Dithmarscher Kohltage damit sogar ein Ausrufungszeichen für die touristische Nachsaison. Das unterstreiche nicht nicht nur, dass sich der Besuch des Westküstenkreises auch nach den Sommerferien lohne, sondern auch noch auf ein attraktives Veranstaltungsangebot treffe. Ganz wichtig, so der Landrat: „Die Kohltage sind nichts Aufgesetztes. Das ist ein authentisches Fest.“

Hans-Harald Böttger lobte den Einsatz der Brüder Langmaack im Vorfeld der gestrigen Eröffnung. „Wir sind froh“, so der Kreispräsident, „dass wir immer noch Betriebe finden, die das auf die Beine stellen und ihren Hof stubenfein machen.“ Schwieriger wird es schon, denn die früheren Wechsel zwischen Anschnitt im Nordkreis und im Südkreis haben zuletzt nicht mehr stattgefunden. Nicht darüber nachdenken mochte Böttger, wenn es zuletzt Regen gegeben hätte. Dann wäre es schwierig gewesen, die Busse und Pkw-Massen auf der Wiese zu parken.

Kohlanschnitt ist aber nicht nur Party. Im Hintergrund steht das Geschäft. 190 Gemüseanbauer produzieren in Dithmarschen auf 2000 Hektar Weiß- und auf 400 Hektar Rotkohl, zusammen mit weiteren Sorten ergibt sich eine Fläche von 3000 Hektar. Die rund 80 Millionen Kohlköpfe wollen verkauft sein. Einen Großteil nimmt die Nahrungsindustrie ab, der Erzeuger bekommt zwischen 6 und 12 Cent pro Kilo Weißkohl. Für die gleiche Menge Rotkohl werden 21 bis 25 Cent bezahlt. Trotz des nassen Sommers, so Karl-Albert Brandt vom Gemüseanbauerverband Dithmarschen, habe der Spätsommer die Ernte herausgerissen und eine gute Qualität ermöglicht.

Den Kohl von den Feldern zu bringen, ist immer noch Sache polnischer Landarbeiter. Die bekommen Mindestlohn, haben Kost und Logis auf den Höfen frei – und leisten Knochenarbeit. Brandt nennt ein Beispiel: Der durchschnittliche Kohlkopf für die Industrie wiegt etwa sechs Kilo. Drei Mann schaffen einen halben Hektar am Tag – das macht am Abend pro Landarbeiter 20 Tonnen geerntetes Gemüse. Maschinen könnten die Handarbeit nicht ersetzten, sagt Brandt: „Der Kohl muss behandelt werden wie ein rohes Ei.“ Bekommt er Druckstellen, kommt er nicht über den Winter, sondern verfault vorher.

> Infos: www.dithmarscher-kohltage.de

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erstellt am 21.Sep.2016 | 05:17 Uhr

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