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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Gesundheit : Klinikum Itzehoe an der Belastungsgrenze

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Itzehoerin klagt wegen Platznot über „unzumutbare Zustände“ im Krankenhaus. Die Leitung des Klinikums bestätigt Überlastung wegen steigender Patientenzahlen.

Wegen eines Schlaganfalls lag der 86-jährige Bruder von Ingeburg Schmidt-Rotter mehrere Wochen lang im Klinikum. Dass der Schwerkranke vier Wochen in einem Vier-Bett-Zimmer und eine Woche lang in einem Drei-Bett-Zimmer mit zugestelltem vierten Bett verbrachte, sei nahezu unerträglich gewesen, klagt die Itzehoerin. Die Mitarbeiter des Beschwerdemanagements des Klinikums hätten die Familie zwar angehört, den Wunsch nach einem kleineren Zimmer aber nicht erfüllen können. Sie sei schockiert über die Zustände in dem Krankenhaus.

Insbesondere in dem Zimmer mit dem zugestellten Bett sei es viel zu eng gewesen. „Der Patient, der das Pech hat, dass ihm dieses Bett zugewiesen wird, hat weder eine persönliche Notrufanlage, einen Kleiderschrank, noch einen persönlichen Haken für seine Hygieneartikel.“ Im Zimmer sei viel zu wenig Platz, Patienten mit Rollstuhl würden nicht mehr durch den Gang passen. „Für einen Kranken ist das nicht zumutbar“, findet Schmidt-Rotter.

Krankenhausdirektor Bernhard Ziegler kann die Kritik nachvollziehen, weist allerdings darauf hin, dass das Klinikum, in dem laut Belegungsplan rund 700 Betten zur Verfügung stehen, ständig an der Belastungsgrenze und „manchmal auch darüber“ arbeite. Die Zahl der Patienten wachse jedes Jahr um zwei bis vier Prozent (siehe Grafik). Niemand dürfe abgewiesen werden, schließlich sei das Klinikum das einzige Krankenhaus der Region und habe einen Versorgungsauftrag. „Zustellbetten sind daher leider nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall“, so Ziegler. „Uns fehlt in Zeiten hoher Auslastung eine komplette Station.“ Man tue das Möglichste, ergänzt Mark Stab, Leiter des Qualitätsmanagements im Klinikum: „Das Belegungsmanagement unseres Hauses investiert jeden Tag viel Kraft darin, die vorhandenen Bettenresourcen optimal zu nutzen.“

Für Schmidt-Rotter nur ein schwacher Trost. Angesichts von ständig neuen Investitionen und Neubauten auf dem Klinikumsgelände könne sie nicht nachvollziehen, dass kein Platz vorhanden sei. Eben auf diese Neubauten setzt Bernhard Ziegler seine Hoffnung. Gerade entsteht ein neues Zentrum für psychosoziale Medizin. Nach Inbetriebnahme könnten in der Abteilung Innere Medizin neue Kapazitäten geschaffen werden. „Ich habe die Hoffnung, dass wir das Problem dann entschärfen können.“

Neben ihrem Ärger über die vollen Krankenzimmer bringt Schmidt-Rotter eine ganze Liste mit Kritik am Klinkum vor. Das beginne schon am Eingang: „Bevor man das Klinikum betritt, kommt einem ein Schwall Zigarettenrauch entgegen“, so die Itzehoerin. Große Nichtraucherzeichen würden missachtet. Gestört habe sie und ihren Bruder auch, dass nur ein Fernseher im Zimmer gewesen sei, der sich nicht mit Kopfhörern nutzen lasse. „Wenn jemand fernsehen will, müssen die Mitpatienten und Besucher zwangsläufig mitschauen und - hören.“

Dass sich Besucher und Patienten von den zahlreichen Rauchern im Eingangsbereich belästigt fühlen, kann Mark Stab nachvollziehen. „Leider gibt es immer wieder schwarze Schafe, die die Rauchen-verboten-Schilder ignorieren.“ Das Problem sei nicht neu, gerade habe man einen weiteren Raucher-Pavillon in der Nähe des Eingangs errichtet. „Mehr können wir nicht tun. „Personelle Kapazitäten, die sich ausschließlich mit dem Ermahnen von Rauchern beschäftigen, stehen leider nicht zur Verfügung – auch wenn dieses wünschenswert wäre.“

Besserung verspricht Stab dagegen bei dem Problem mit dem Fernseher: „Im Rahmen von Stationssanierungen werden auch die TV-Geräte sukzessive auf moderne Geräte mit Kopfhöreranschlüssen umgestellt.“

 

 

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erstellt am 28.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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