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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 11:22 Uhr

Klinik soll sich gesund schrumpfen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umbau des Brunsbütteler Krankenhaus zu einem Integrierten Versorgungszentrum wird im März kommenden Jahres beginnen

Weniger Betten, weniger Leistungen, weniger Personal – das Westküstenklinikum (WKK) in Brunsbüttel muss abspecken, um eine gesunde Zukunft zu haben. In der Ratsversammlung stellte WKK-Chefin Anke Lasserre Mittwochabend die Pläne für den Umbau des Krankenhauses in ein Integriertes Versorgungszentrum vor. Das soll ab 2018 schwarze Zahlen schreiben. Zuvor müsse dafür aber kräftig investiert werden. Wie die Neuausrichtung wird auch dies von den Krankenkassen unterstützt. Klappt alles wie erhofft, dann soll dieses Vorhaben als Brunsbütteler Modell auch für andere Kliniken im ländlichen Raum eine Lösung bieten, von den Sicherstellungszuschlägen der Kassen hin zu einem wirtschaftlichen Betrieb zu kommen. Im März 2016 soll mit den Umbauten begonnen werden.

Die finanziell angespannte Situation am WKK in Brunsbüttel sei keineswegs ungewöhnlich, so Lasserre. „Wir haben hier einen Mikrokosmos, der die Situation in Deutschland nachvollziehen lässt.“ Das betrifft auch die ärztliche Versorgung in der Region. Gerade bei den niedergelassenen Ärzten schlägt in absehbarer Zeit der demografische Wandel durch – und Nachfolger für Landarztpraxen seien nicht in Sicht. Hier will das Integrierte Versorgungszentrum ansetzen: In die Klinik werden Praxen integriert. Dazu werden die dort tätigen Ärzte in den Stationsbetrieb des Krankenhauses mit eingebunden.

Das Vorhaben ist ein finanzieller Kraftakt. Denn gerade für ambulante Praxen mit einem kalkulierten Investitionsbedarf gebe es keine Fördermittel, so Lasserre. Zuschüsse darf das Klinikum aber erwarten für die Umbauten. Den Anbau im Bereich der heutigen Rampe für die Einlieferung von Notfallpatienten sowie weitere An- und Umbauten unterstützt das Land mit acht Millionen Euro. Rettungswagen liefern Patienten in Zukunft im Erdgeschoss ein. Für strukturelle Umbauten zahlen die Kassen 9,7  Millionen. Lasserre sagte dazu: „Wir werden die Bereiche neu sortieren.“ Die geriatrische Tagespflege im Erdgeschoss wird ausgebaut. Auch ein Zugeständnis an den demografischen Wandel.

Die Bettenzahl wird von heute 124 auf 110 reduziert, die Intensivstation in Teilen an das WKK in Heide abgegeben, ebenso ein Teil der chirurgischen Abteilung. Dennoch bleibe unterm Strich in Brunsbüttel ein vollwertiges Krankenhaus bestehen – mit einer Notaufnahme rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche, betonte Anke Lasserre.

Daran hatte FDP-Ratsfrau Bettina Jebens ihre Zweifel. Das WKK an der Delbrückstraße werde seit Jahren immer weiter abgespeckt, monierte sie. „Das ist der Weg zum Ärztehaus. Wir geben in kleinen Schritten Brunsbüttel auf.“

Die WKK-Chefin hielt dagegen: „Es ist weiter ein Krankenhaus, kein Ambulatorium“, betonte Anke Lasserre. Und weiter: „Das eindeutige Ziel ist eine Grund- und Regelversorgung.“ Heide und Itzehoe seien die Schwerpunktkrankenhäuser in der Region, das WKK in Brunsbüttel aber allein wegen des Industriegebiets und 25  000 im Umkreis lebender Menschen unverzichtbar. Ohne den Umbau, zu dem auch Personalreduzierungen gehörten, sei eine wirtschaftliche Perspektive nicht erreichbar. Der Abbau der Mitarbeiterzahl solle ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, betonte sie.


Umbaupläne werden der Bevölkerung vorgestellt


Ohne Veränderungen seien die Folgen absehbar, so Christian Barz (Grüne): „Dann würden wir in zwei, drei Jahren gar kein Krankenhaus mehr haben.“ Karin Süfke (SPD) merkte an: „Wir kämpfen seit elf Jahren für diese Klinik. Wir können froh sein, dass wir sie erhalten werden.“

Wie das baulich aussehen wird , sollen Patienten und andere Interessierte demnächst in der Cafeteria sehen können. Dort sollen die Pläne ausgehängt werden. Eine Information ist auch im Rahmen der Weihnachtsfeier am 4. Dezember geplant.

Das anspruchsvollste Unterfangen bleibt für Anke Lasserre jedoch der Umbau selbst: „Das alles bei laufendem Klinikbetrieb – das wird für Patienten und Mitarbeiter eine große Herausforderung sein“, erklärte sie.

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erstellt am 25.Sep.2015 | 05:31 Uhr

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