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Norddeutsche Rundschau

02. Dezember 2016 | 19:12 Uhr

Kleines Instrument mit großem Klang

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mitglied des Fördervereins „Musik an der Stadtkirche“ ermöglicht Kauf einer Truhenorgel

Riesige metallene Röhren, schwarz-weiße Tastaturen und hölzerne Pedale. So sieht eine Orgel in einer Kirche aus. Doch nicht nur einige Meter hohe Pfeifenorgeln werden in Gotteshäusern gebraucht, sondern auch kleine, kompakte wie die „Truhenorgeln“. So eine hat jetzt die Stadtkirche bekommen. Gekauft hat sie der Förderverein „Musik in der Stadtkirche“.

Möglich wurde das, weil Alexander Valentin als neues Mitglied des Vereins 6  500 Euro spendete. Zudem wurde die bisherige Paul-Gerhard-Orgel für 4  200 Euro verkauft. „Ich bin vor Kurzem von Hamburg nach Glückstadt gezogen und habe gesehen, dass die Stadt hier eine Musikkultur hat, die ihres Gleichen sucht“, sagt Alexander Valentin, Chef einer Rechtsanwaltskanzlei. „Ich finde, wer die finanziellen Möglichkeiten hat, sollte sich auch als Sponsor für den öffentlichen Kulturbetrieb einsetzen. Dafür möchte ich mit guten Vorbild vorangehen.“

Jetzt wurde das Tasteninstrument zum ersten Mal an den Strom angeschlossen. Als Kantor Florian Hanssen sie bespielte, waren vom Verein auch Jürgen Böttcher, Alexander Valentin, Peter Ahrens, Pastor Stefan Egenberger und die Beisitzerin des Fördervereins Brigitte Gravert-Peters dabei. „Der Klang ist wirklich schön. Sie schafft es, den ganzen Saal auszufüllen“, sagt der Sponsor.

„Den Plan, eine Truhenorgel für die Kirche zu kaufen, haben wir schon seit zwei Jahren“, sagt Jürgen Böttcher, Vorsitzender des Fördervereins. Benötigt wird das Instrument unter anderem für das Aufführen von Oratorien. Dabei müssen Orchester und der Chor zusammenarbeiten, sie müssen harmonieren. Der Organist muss im Orchester beim Chor spielen, um den Dirigenten zu sehen. Bisher mussten für Oratorien bei anderen Gemeinden Truhenorgeln geleihen werden. Hanssen fuhr dafür mit Helfern bereits nach Bordesholm, Elmshorn und Niendorf. Die Leihgebühren lagen zwischen 200 und 300 Euro.

Kurz vor Ostern ging via E-Mail beim Förderverein ein passendes Angebot ein. Eine Kantorin aus Schleswig wollte ihre private, gebrauchte Truhenorgel verkaufen. „Eigentlich wollte ich in der Woche erst am Sonnabend hin fahren, doch dann meldete auch der Kollege in Tönning Interesse an“, sagt Hanssen. Der nordfriesische Kantor wollte am Freitag zu der Verkäuferin kommen. Deshalb entschied der Glückstädter seinen Termin auf Mittwoch vorzuverlegen. „Dort habe ich dann die Truhenorgel in einem Wohnungsflur gespielt. Sich vorzustellen, wie sie in der Kirche klingt, da gehörte eine Menge Fantasie zu.“ Die Akustik in den großen hallenden Räumen sei eine ganz andere.

Das Instrument von der Orgelbaufirma Karl Schuke aus Berlin ist im Jahr 1987 fertig gestellt worden. Sie ist einen guten Meter breit und hoch sowie zirka 50 Zentimeter tief. Es wiegt 100 Kilogramm und steht auf Rollen. Am oberen Teil der Orgel sind Trageschlaufen befestigt.

Das zweiteilige Gehäuse wurde aus hellem Eichenholz gezimmert. Die Vorderseite ziert eine verschnörkelte, geschnitzte Verzierung, hinter der die silbernen, metallenen Orgelpfeifen zu sehen sind. „Die Luft wird mit einem elektrisch betriebenen Blasebalg durch die Pfeifen geblasen, so entsteht der Ton“, erklärt Hanssen. „Außerdem hat die Truhenorgel drei Register.“ Das bedeutet, drei Reihen Pfeifen. Dadurch kann er frei wählen, ob beim Druck einer Taste, wie beim Klavier, nur ein Ton gespielt wird oder ob dazu noch eine Oktave höher und tiefer erklingen soll. „Das macht diesen besonderen, kräftigen Klang einer Kirchenorgel aus.“ Das Instrument wird erstmals vor Publikum beim Konzert mit Chor und Orchester „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ am Sonntag, 22. Mai, gespielt.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 17:43 Uhr

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