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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 15:36 Uhr

Itzehoe : Kleiner Piepton – großer Ärger

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sie retten Leben, belasten aber auch die Feuerwehren: Rauchmelder sorgen mehrmals im Jahr für Einsätze, obwohl es nicht brennt.

Die Feuerwehren in Deutschland rücken immer öfter wegen Fehlalarmen aus, auch im Kreis Steinburg. Ein Grund dafür sind Rauchmelder. In Schleswig-Holstein sind sie seit 2010 in allen Wohnungen Pflicht und retteten seitdem viele Leben – jedoch sorgen die meist batteriebetriebenen Geräte auch immer wieder für Probleme und machen den Feuerwehren unnötige Arbeit.

„Ich schätze, dass sich bei uns etwa 85 Prozent der durch Rauchmelder ausgelösten Alarme im Endeffekt als Fehlalarme herausstellen“, sagt Kevin Suck von der Freiwilligen Feuerwehr Itzehoe. Ursache dafür können beispielsweise Renovierungsarbeiten durch unvorsichtige Handwerker oder die mangelnde technische Wartung der Geräte sein. Löst ein Rauchmelder an automatisierten Anlagen wie in Altenheimen aus, sorgt er umgehend für einen Alarm bei der Feuerwehr, die dann sofort ausrückt. Erst am Einsatzort merken die Lebensretter dann, dass es sich um einen Fehlalarm handelt.

Ein weiteres Problem sind defekte Rauchmelder und jene, die bei leerer Batterie ein Piepen abgeben, das dem Alarmsignal ähnlich ist. Ist die Batterie gerade leer, wenn niemand zu Hause ist, sind Nachbarn wegen des anhaltenden Geräusches oft verunsichert und rufen die Feuerwehr. „Das ist von der Sache her auch richtig“, sagt Suck. Das Problem liegt in einem solchen Fall bei den Herstellern, die die Signale deutlicher unterscheiden müssen. Aber auch Geräte mit unterschiedlichen Signaltönen schützen nicht immer vor Fehlalarmen: Weil viele Menschen die Töne nicht kennen und das Warnsignal bei leerer Batterie für einen Alarm halten.

Vier oder fünf Mal im Jahr müssen die Wilsteraner Feuerwehrleute ausrücken, weil ein Rauchmelder piept. „Meistens handelt es sich um Defekte“, sagt Wehrführer Ralf Theede. Dabei kann es durchaus sein, dass lediglich eine Spinne in den Rauchmelder gekrochen ist oder sich zu viel Staub in dem Gerät abgesetzt hat. Der Rauchmelder funktioniert über einen Infrarotstrahl, der auf einen Spiegel geworfen und zurückgelenkt wird. Wird der Strahl unterbrochen, löst das das Rauchmelder-Signal aus. Hilfreich für die Feuerwehren wäre eine gezieltere Abfrage durch die Leitstelle, wie es in anderen Bundesländern – beispielsweise in Hamburg – erfolgt, regt der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wilster an. Nachfrage bei der Alarmierung, wie lange der Piepton schon dauert und ob Brandgeruch wahrnehmbar sei, würden die Situation nachvollziehbar machen. Und nicht unbedingt gleich einen Vollalarm für die gesamte Wehr zur Folge haben, um in Mannschaftsstärke schließlich festzustellen, dass lediglich die Tür geöffnet und der piepende Rauchmelder ausgeschaltet werden muss.

Denn gerade für freiwillige Feuerwehren sind solche Fehlalarme ein großes Problem. „Wenn man für einen Fehlalarm nachts um 2.30 Uhr aufsteht und losfährt, dann schlägt das schon auf die Motivation der Kameraden und lässt sich auch dem Arbeitgeber irgendwann nicht mehr erklären“, gibt auch Kevin Suck zu bedenken. Er weist aber ebenso darauf hin, dass Betriebe im Umland ihre Anlagen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hätten und Rauchmelder dort sowie in Privatwohnungen unersetzbar seien.

Der Wehrführer aus Glückstadt, Ties Thiessen, zählte dieses Jahr mindestens drei Fehlalarme durch Rauchmelder und kennt das Problem auch von Einsätzen in Hamburg, wo dies noch wesentlich häufiger vorkomme. Vor allem die Zehn-Jahres-Batterien würden häufig Fehlalarme auslösen, kurzlebigere Batterien hingegen seltener. Die Feuerwehr in Kellinghusen hatte im gleichen Zeitraum bereits „deutlich mehr als eine Hand voll“ Einsätze durch falsche Alarme von Rauchmeldern, berichtet Sprecher Klaus Rahlf. Er kritisiert die mangelnde Qualität mancher Geräte und appelliert an die Mitbürger, sie regelmäßig zu warten. Trotz all der Probleme hält auch Rahlf Rauchmelder für unersetzlich. Zahlreiche Menschenleben haben sie schon gerettet und andere Schäden verhindert. Sein Fazit lautet deshalb trotz des ganzen Mehraufwands für die Feuerwehren: „Der positive Anteil von Rauchmeldern überwiegt.“

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erstellt am 07.Okt.2016 | 17:00 Uhr

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