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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:27 Uhr

Unterricht : Klassenzimmer auf der Elbe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gemeinschaftsschule Glückstadt bietet erlebnisorientierte Pädagogik auf dem Segelkutter „Kruck“ an.

Monoton tuckert der kleine Motor, eine leichte Brise bläht die Segel. Mit eleganter Wende biegt die „Kruck“ an der Mole vorbei in Glückstadts Hafen ein. An Bord: Schüler und Schülerinnen sowie ein Lehrer und der Sozialpädagoge der Elbschule. Sie kommen gerade von einem Törn entlang der Rhinplate.

Was aussieht wie Freizeitvergnügen, ist jedoch schulischer Unterricht. „Erlebnispädagogik“, wie es Lehrer Martin Gottier beschreibt. Und er beschreibt damit ein Projekt, das nicht einmalig ist, im Land zwischen den Meeren dennoch ziemlich selten vorkommt. „Das ist ein Wahlpflichtfach, in welchem auch am Ende unsere Schüler benotet werden“, sagt Holger Pede, der zusammen mit Gottier und Matthias Bierluch das Projekt der Gemeinschaftsschule leitet,

2010 entstand die Verbindung zwischen Schule und dem von arbeitslosen Jugendlichen in Elmshorn nachgebauten Marine-Kutter. Besser gesagt mit der Marinekameradschaft Elmshorn. Deren Mitglieder betreiben das Schiff, haben es aber der Glückstädter Schule für Unterrichtszwecke überlassen.

„Diese Chance, vom üblichen Verschulen fortzukommen, konnten wir uns nicht entgehen lassen“, sagt Martin Gottier. Was nichts anderes heißt, als Schule an einen anderen Ort zu verlagern. Da die Schule nicht als Träger in Frage kommt, musste seinerzeit ein kleiner Verein gegründet werden. Mit wirtschaftlicher Unterstützung aus der Region können die finanzielle Belastungen getragen werden. „Anfangs gab es natürlich Bedenken. Eltern standen dem Projekt skeptisch gegenüber. Und es ist auch nicht so einfach, an staatliche Zuschüsse zu kommen“, erläutert Martin Gottier.

Und so rühren die Männer auch immer kräftig die Werbetrommel, damit dieser Kursus jedes Jahr aufs Neue stattfinden kann. Zehn Jugendliche ab dem 7./8. Jahrgang und zwei Erwachsene finden Platz auf dem neun Meter langen Segelkutter. Holger Pede: „Wir nennen das auch lehren, lernen und anwenden in der Praxis.“ Denn die Heranwachsenden lernen tatsächlich jede Menge über Bootstechnik, Segeln, Nautik, Wetterkunde, Steuerung, Manöver, die zu segelnde Region und viel mehr. So natürlich auch die spezielle Seemannssprache. „Das heißt hier nicht Rudern, das heißt Pullen. Backbord und Steuerbord kennt auch jeder“, sagt Holger Pede.

„Es macht uns und auch den Jugendlichen riesigen Spaß. Die, die mit uns fahren, sind bereit dafür und lern- sowie wissbegierig“, erklärt Martin Gottier. Vor allem biete dieser Kursus eine hervorragende Grundlage, um eventuell später den Segel- oder Sportbootführerschein zu machen.

In der Hoffnung, auch in den kommenden Jahren ihren Kursus personell auf hohem Stand zu halten und die notwendigen Zuschüsse zu erhalten, freuen sich beide Pädagogen schon auf die Abschlussfahrt. Wohin, wird nicht verraten. In den vergangenen Jahren besuchte der Kurs den Schwarztonnensand, war mit der „Kruck“ in Freiburg auf der gegenüber liegenden Elbseite oder auf dem Lühesand.

„Mit unserem Schiff durch die Fahrrinne der großen Pötte mit ihren Tiefen und damit anderen Strömungsverhältnissen – das ist schon eine gewisse Herausforderung. Da können die Jungs und Mädchen zeigen, was sie gelernt haben“, sagt Holger Pede. Aber er ist sich sicher, dass sie das Abenteuer auch diesmal bewältigen.

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