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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 03:12 Uhr

Wirtschaft : Klarsicht stellt 1000. Mitarbeiter ein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Interview spricht Geschäftsführer Stephan Ulrich über den Wachstumskurs der Reinigungs-Firma und das Billig-Image der Branche.

Der Sitz der Firma liegt unscheinbar in Edendorf am Ende des Käthe-Kruse-Wegs. Es ist die Zentrale eines der größten Unternehmen im Kreis Steinburg. Gerade hat die Klarsicht GmbH ihren 1000. Mitarbeiter eingestellt – und Geschäftsführer Stephan Ulrich (50) rechnet damit, dass das Wachstum weitergeht.

Herr Ulrich, diese Mitarbeiterzahl dürfte manche überraschen...
Stephan Ulrich: In der Tat gucken wir oft in erstaunte Gesichter, wenn wir die Frage beantworten, wie viele Menschen bei uns beschäftigt sind. Unsere Mitarbeiter sind weit verstreut und fahren nicht alle, wie sonst meist üblich, zu einer Betriebsstätte. Das bringt also deutlich weniger Aufmerksamkeit in der Stadt. Schlussendlich erzeugen wir monatlich mehr als 1000 Lohnabrechnungen.

Was bedeutet „weit verstreut“?
Wir rekrutieren unsere Belegschaft immer aus der Region, in der unsere Kunden ansässig sind. Wir bieten zurzeit unsere Leistungen von der dänischen Grenze über Hamburg bis ins nördliche Niedersachsen an. Es wäre auch nicht darstellbar, täglich aus Itzehoe auszuschwärmen, um unsere Kunden zu bedienen. Mit den anfallenden Fahrzeiten und Fahrkosten wären wir nicht mehr wettbewerbsfähig. Zudem kann ich mir kaum vorstellen, dass wir in Itzehoe ausreichend Personal für uns gewinnen könnten.

Welche Bedeutung hat für Sie der Fachkräftemangel?
Wir bilden sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus. Das haben wir, seitdem ich 1996 im Unternehmen angefangen bin, noch intensiviert. Besonders im handwerklichen Bereich sind wir auf uns selbst angewiesen, Fachkräfte auszubilden. Wir übernehmen sehr gerne die eigenen Azubis, leider bringen nicht alle die notwendigen Eigenschaften mit.

Wie besetzen Sie die Stellen, wenn ein neuer Auftrag zu bedienen ist?
Das kommt immer darauf an, in welcher Region wir suchen. In Ahrensburg bei Hamburg ist es sehr schwierig, in Mitteldithmarschen wird es schon einfacher. Fachkräfte brauchen wir vor allem in der Zentrale. Bei einem neuen Auftrag sprechen wir in der Regel über Mitarbeiter in der Unterhaltsreinigung, die suchen wir uns immer vor Ort – und das sind meist ungelernte Kräfte.

Was ist der Grund für das Wachstum bei Klarsicht – und wird es weitergehen?
Die größte Stärke sind die treuen Mitarbeiter und deren Fähigkeit, Aufgaben mit Intelligenz und Erfindungskraft zu meistern. Die gesamte Entwicklung ist das Ergebnis der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter, dafür kann man nur danken. Ich habe keinen Grund zur Annahme, dass das Wachstum nicht weitergehen könnte, weil wir unsere Vertriebsstrukturen genau darauf ausrichten. Aber ohne neue Niederlassungen – diesen Kraftakt kann ich mir zum heutigen Zeitpunkt nicht vorstellen. In Schleswig-Holstein, Hamburg und im nördlichen Niedersachsen gibt es auch eine ausreichende Anzahl an Kunden, die man akquirieren könnte.

Stört es Sie, dass Klarsicht und seine Größe nicht so wahrgenommen werden?
Nein, es ärgert mich nicht. Ergänzend muss man sagen, dass unter unseren Mitarbeitern viele geringfügig und in Teilzeit beschäftigt sind. Das ist mit der Kraft eines produzierenden Betriebs wie einst Prinovis natürlich nicht zu vergleichen.

Die Gewerkschaft IG Bau hat gerade kritisiert, dass die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls in Ihrer Branche zu wenig aktiv sei.
Ich würde mir mehr Kontrollen wünschen, weil das zur Klarheit des Marktes beitragen würde. Wir hatten hier im Haus eine umfassende Kontrolle, die wir schadenfrei überstanden haben, und es gibt immer wieder Stichproben in den einzelnen Objekten. Ich glaube auch, dass wir aus dem Fokus gerückt sind, weil bekannt ist, dass wir das Geschäft ordnungsgemäß führen. Im Übrigen werden wir auch von der Rentenversicherung kontrolliert und sind mehrfach nach DIN zertifiziert. Auch da wird geprüft, ob wir uns an gesetzliche Bestimmungen halten. Es gibt also ein enges Netz für die Kontrolle.

Die Branche der Gebäudereinigung hat ein Billig-Image. Was halten Sie davon?
In der Tat, das ist so. Ich ärgere mich immer, wenn es in der Tagesschau um den Mindestlohn geht und gern dabei eine Reinigungskraft mit Kopftuch gezeigt und über 8,50 Euro gesprochen wird. In unserer untersten Lohngruppe sind es zurzeit 9,80 Euro, wie es unser eigenes Tarifvertragswerk vorgibt. Das Gehaltsniveau kann sich also sehen lassen. Es gibt Berufe, die eine Ausbildung erfordern und schlechter bezahlt sind.




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erstellt am 11.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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