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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Bürgerentscheid : Klares Votum gegen neue Windräder

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Abstimmung in Beidenfleth mit überraschend hoher Beteiligung / 253 Stimmberechtigte gegen Windkraftausbau, nur 114 sind dafür

Das Ergebnis ist eindeutig: Die große Mehrheit der Beidenflether ist gegen den Bau von weiteren Windkraftanlagen. 367 Einwohner – und damit die Hälfte der stimmberechtigten Bevölkerung – nutzten den gestrigen Bürgerentscheid, um ihre Meinung zum Thema Windenergienutzung auf dem Gebiet ihrer Heimatgemeinde kundzutun. 253 Beidenflether sprachen sich dabei gegen mehr Windkraftanlagen aus. Nur 114 waren dafür. „Das ist ein demokratisch zustande gekommenes Ergebnis. Das haben wir zu akzeptieren“, kommentierte Bürgermeister Peter Krey in einer ersten Reaktion.

Noch überraschender als das sehr klare Votum war die Beteiligung an der Abstimmung. Mit rund 50 Prozent war sie für einen Bürgerentscheid außerordentlich hoch. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung freute sich stellvertretender Bürgermeister Friedhelm Peetz vor allem darüber, dass der Bürgerentscheid eine so große Beteiligung fand und letztlich auch ein klares Ergebnis brachte.

Tatsächlich nutzten die Beidenflether ihre Möglichkeit zur Abstimmung fast bis Toresschluss um 18 Uhr. „Das ist bei uns immer so“, weiß Preetz, dass viele Einwohner auch bei Wahlen immer erst auf den letzten Drücker kommen. Punkt 18 Uhr war dann Schluss und die Wahlurne mit den Abstimmungszetteln wurde geöffnet und auf vier zusammengeschobenen Tischen ausgeschüttet. Zum Vorschein kamen dabei auch 65 blaue Umschläge. Mit ihrer Hilfe hatten viele Beidenflether die Möglichkeit einer Abstimmung per Brief genutzt. Auch diese Abstimmzettel flossen dann gleich in die Zählung mit ein. Die ging gleich im ersten Anlauf über die Bühne.

Amtlich festgehalten wurden Ablauf und Zahlen von Thorsten Franck, Leiter des Ordnungsamtes beim Amt Wilstermarsch. Er war direkt von der Bühne des Jahrmarkts in Wilster, wo er am Nachmittag noch für musikalische Unterhaltung gesorgt hatte, in den Gasthof Frauen geeilt. Viel eingreifen musste er nicht. Im Gegenteil: „Ich habe noch nie eine Wahl oder Abstimmung erlebt, bei der es keine einzige ungültige Stimme gab.“ Offenbar hatten sich die Beidenflether als besonders disziplinierte Wahlbürger gezeigt.

Aufmerksam verfolgt wurde die Zählung von den Initiatoren des Bürgerentscheids. „So etwas hätte ich mir schon vor vier Jahren gewünscht“, sagte Juliane Klingelhöfer und nannte ihre Beweggründe: „Den Bau von Windrädern sollte man nur im Einvernehmen und unter Mitnahme der Bevölkerung machen.“ „Super, so eine hohe Beteiligung“, freute sich Lüder Busch. Ihn stört an der Nutzung der Windenergie vor allem der ungezügelte Ausbau. Schon vor Jahren habe er angeregt, dass dieses Thema in der Gemeinde mit einer Bauleitplanung geregelt wird, was aber unterblieben sei. „Wir hoffen, dass die Gemeinde das Ergebnis des Bürgerentscheids jetzt bei allen weiteren Überlegungen berücksichtigt.“ Die Gruppe will jetzt auch die Landesplanung über den Bürgerwillen informieren.

Wie Kiel mit dem Beidenflether Bürgerentscheid umgeht, ist offen. Rein formell muss die Gemeindevertretung das Ergebnis jetzt noch einmal beschließen und ist dann für zwei Jahre daran gebunden. „Keiner weiß aber, was das Land in seiner Regionalplanung beschließen wird“, schloss Peter Krey. Der nächste Bürgerentscheid in einer Wilstermarschgemeinde zum Thema Windräder folgt gleich nach den Sommerferien. Dann können die Stördorfer ihre Meinung per Stimmzettel kundtun.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 19:30 Uhr

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