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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 20:53 Uhr

Dorfspaziergang : Kesseldeich mit herrlichem Panoramablick

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In Borsfleth lässt es sich angenehm leben – in idyllischer Umgebung mit dem Ortskern als Kulturdenkmal und vielen Vereinsaktivitäten.

Was verbindet Menschen mit dem Ort, in dem sie leben? Welches Fleckchen hat den Ort besonders geprägt? Und an welchen Plätzen halten sich die Einwohner besonders gerne auf? Mit alteingesessenen Bürgern machen wir einen Spaziergang durch ihre Heimatgemeinde. Heute geht es mit Michael Boldt durch Borsfleth.


Wer nach Borsfleth kommt, der will dort auch hin. Durchgangsverkehr gibt es kaum, der Ort liegt abseits der Hauptwege. Zumindest, was Autos betrifft. Radfahrer dagegen durchqueren die Gemeinde häufig auf ihren Touren. Gleich mehrere ausgewiesene Radwege führen durch den Ort – vom Mönchsweg bis zum Gemüsetörn. Und egal, aus welcher Richtung die Besucher kommen: Sie finden Idylle pur.

Die Umgebung ist grün, der Weg zum Wasser ist in Borsfleth nie weit. „Elbe, Stör, Kremperau – hier fließt alles“, sagt Michael Boldt, der 1965 in den Heimatort seiner Ehefrau gezogen ist. „Wir haben sogar eine gemeinsame Grenze mit Niedersachsen.“ Sie verläuft in der Mitte des Fahrwassers der Elbe. Durch die Nähe zum Wasser ist Borsfleth attraktiv für Wassersportler. Es gibt zwei Häfen. Den Yachthafen mit über 100 Liegeplätzen und den idyllischen kleinen Hafen mit ein paar Liegeplätzen an der Verlathschleuse. Für den 72-Jährigen liegt dort einer der schönsten Plätze in der Gemeinde. „Man hat einen herrlichen weiten Blick.“

Der andere Lieblingsplatz ist der Friedhof. Und das ist nicht nur Boldts Ehrenamt als Kirchengemeinderatsvorsitzender geschuldet. Die Anlage gleicht fast einem Park und fügt sich harmonisch in das schmucke Ensemble aus der Kirche St. Urban mit ihrem neugotischen Turm und dem Pastorat mit dem fast einen Hektar großen Pastoratsgarten mit dem großen alten Baumbestand ein. Nicht umsonst wurden die Kirche mit Kirchhof und Pastorat sowie die Grabmale bis 1870 als „Sachgesamtheit“ im Juni dieses Jahres als Kulturdenkmal eingetragen. Der Taufstein in der Kirche ist mit 1000 Jahren der älteste im Kreis Steinburg.

In den schmalen Gassen im Ortskern rings um die Kirche wähnt man sich in einem anderen Jahrhundert. Durch den Ort führt eine der letzten Klinkerstraßen im Kreis. Es gibt viele alte Reetdachhäuser, die teilweise unter Denkmalschutz stehen und mit viel Liebe in Schuss gehalten werden, unter anderem die alte Schule von 1683. Schnuckelig ist auch die kleine Kate gleich neben dem Kirchhof, in dem der Schriftsteller Helmut Heißenbüttel wohnte, der unter anderem mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet wurde.

Dass der Ortskern so schön ist, sei auch dem Dorferneuerungsprogramm Mitte der 1980er Jahre zu verdanken, erklärt Michael Boldt, der auch Gemeindevertreter ist und seit 1979 die „Borsflether Zeitung“ herausbringt. Es habe unter anderem die Restaurierung der Klinkerstraße, die Gestaltung des Dorfplatz ermöglicht. Eine Besonderheit im Ortskern ist auch der Kesseldeich: Nachdem bei der Sturmflut 1756 der Stördeich gebrochen war und sieben Häuser weggerissen wurden, wurde er innendeichs erneuert – in Form eines Halbkreises, in den hinein der Sportplatz gebaut wurde. So entstand eine kleine Arena, in der die Zuschauer auf dem Deich sitzen und das Geschehen verfolgen können. Die sportliche Hoch-Zeit der Gemeinde ist zwar vorüber, doch der Platz im Kesseldeich wird immer noch gerne für allerlei Veranstaltungen genutzt.

Neben dem Kirchdorf als Kern gibt es noch vier Ortsteile, die Duchten: Eltersdorf, Büttel, Ivenfleth und Borsflether Wisch. Früher waren sie landwirtschaftlich geprägt. Vor 40 Jahren gab es noch mehr als 40 Bauernhöfe. Heute sind sieben aktive Landwirte geblieben.

Nicht die einzige Veränderung. „Als ich hergezogen bin, waren am Horizont alles Felder“, erinnert sich Michael Boldt. Das Dorf ist gewachsen, in den 1990er Jahren und um die Jahrtausendwende sind insgesamt drei Neubaugebiete entstanden. Ein weiteres in Büttel ist vorbereitet, sobald es genügend Interessenten gibt, kann die Erschließung beginnen. Wenn die A20 realisiert werde, werde das Interesse an der Region steigen, sind sich die Verantwortlichen sicher. Schon jetzt gibt es keine Probleme mit Leerständen. Selten steht ein Haus länger als ein paar Wochen zum Verkauf, bevor ein neuer Eigentümer gefunden ist. Entsprechend weist die Altersstruktur der 760 Einwohner keine Überalterung auf, der gemeindeeigene Kindergarten ist voll belegt. Es gibt im Ort zudem einen Kindergarten der Lebenshilfe.

Für Arbeitsplätze in der Gemeinde sorgen hauptsächlich zwei größere Betriebe – ein Maschinenbauer mit Schwerpunkt auf Pumpen-Mischsysteme und eine alteingesessene Baufirma. Auch eine Autowerkstatt gibt es. Die meisten Berufstätigen pendeln jedoch zur Arbeit in die umliegenden Städte oder nach Hamburg, die Kinder gehen zur Schule nach Glückstadt, teilweise nach Krempe oder Horst. Die frühere Schule im Dorfkern wurde erst vor einigen Jahren zum Gemeindehaus umgebaut. Es ist das Zentrum des Dorflebens. „Dort findet alles statt, vom Yoga bis zum Seniorenturnen, von der Näh- bis zur Bastelgruppe, auch der Kindergarten nutzt die Räume“, erzählt Michael Boldt. Er selbst ist ebenfalls häufig dort: Zusammen mit seiner Frau Traute ist er für die Bücherei verantwortlich. Im zweiten ehemaligen Schulhaus gleich gegenüber ist eine Einrichtung der Glückstädter Werkstätten. Direkt daneben hat die Feuerwehr ihr Haus.

Das Vereinsleben in Borsfleth ist rege. Sportverein, Feuerwehr samt Spielmannszug, Angelverein, Sportschipper und Johanni-Gilde sind nur ein Teil der vielfältigen Gruppierungen, die es gibt. Seinem Namen alle Ehre macht der Verein „Aktiv für Borsfleth“, der vieles auf die Beine stellt. Alle sorgen dafür, dass dauernd etwas los ist. Dorffest mit Kinderspielen, Flohmarkt und Gottesdienst, Scheunenfete, Maifeuer, Kinderfasching, Laternenumzug – die Borsflether feiern gern. Dazu bieten auch die drei Gaststätten Gelegenheit, die es in der Gemeinde gibt. Und dann sind da noch die kleinen Inseln der Geselligkeit. Auf halber Strecke nach Eltersdorf zum Beispiel. Dort hat sich ein Treffpunkt für die Hundehalter entwickelt. Bank, Blumentöpfe und Papierkorb wurden schon aufgestellt, um ein gemütliches Klön-Ambiente zu schaffen. „Es fehlt eigentlich nur noch ein Kaffeeautomat“, meint Michael Boldt lachend.

 

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erstellt am 12.Jul.2016 | 04:53 Uhr

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