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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 16:45 Uhr

Arbeitsmarkt : Keine Fachkräfte auf dem Markt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Physiotherapeuten finden keine Mitarbeiter – auch Lockangebote mit Weiterbildungs-Zuschüssen helfen nicht weiter

5000 Euro für die Weiterbildung der künftigen Mitarbeiter. Damit lockte der Physiotherapeut Manfred Nesper in Anzeigen. Doch ernsthafte Interessenten meldeten sich auf die Stellen-Annoncen nicht. Damit ist der Kellinghusener kein Einzelfall. Zahlreiche Berufskollegen haben die selben Probleme, finden keine Mitarbeiter. Die Folge: Angebote müssen eingeschränkt werden, über Verkleinerungen der Praxen wird stellenweise nachgedacht.

Manfred Nesper sucht seit über einem Jahr. Erst begann er mit einem Zuschuss für Weiterbildungen in Höhe von 2000 Euro. Als diese Anzeige nicht wirkte, um ausgebildete Fachkräfte in seine Praxis zu locken, erhöhte er auf 4000 Euro, dann auf 5000 Euro. Ähnliche Erfahrung macht auch sein Kellinghusener Kollege Thomas Wiese. Er ist seit zwei Jahren auf der Suche, auch er bisher ohne Erfolg. Er habe Plakate aufgehängt, Anzeigen geschaltet und vieles mehr versucht – einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin hat er nicht gefunden. So ergehe es zahlreichen Berufskollegen, sagt Wiese. Auch beim kommenden Bundeskongress in Dresden im Oktober ist dies Thema. Dort lautet ein Vortrag „Fachkräftemangel in der Physiotherapie – Ist die Patientenversorgung gefährdet?“

Die Gründe des Fachkräftemangels liegen für Nesper und Wiese auf der Hand: die schlechte Bezahlung und die Kosten der Ausbildung, die an privaten Schulen selbst getragen werden müssen. „Wir sind an die Preise der Krankenkassen gebunden“, sagt Wiese. Für eine Massage von 15 bis 20 Minuten erstatteten die Kassen im günstigsten Fall 11,13 Euro brutto, für Krankengymnastik 16,29 Euro. Diese Preise wirkten sich dann natürlich auch auf die Gehälter aus. Ausgebildete Fachkräfte kämen in Durchschnitt auf Stundenlöhne von maximal 13,50 Euro, mit Zusatzqualifikationen auf 15 Euro.

„Seit zehn Jahren sind die Gehälter eher rückläufig“, beklagt Wiese. „Physiotherapeuten verdienen zu wenig Geld und müssen dafür aber richtig viel arbeiten“, erklärt auch Manfred Nesper. Hinzu kommt, auch darin sind sich Nesper und Wiese einig, die Situation auf dem Ausbildungssektor. Es gebe nur wenige staatliche Schulen für angehende Physiotherapeuten, an privaten müsse das Schulgeld zwischen 200 und 500 Euro von den Teilnehmern selbst gezahlt werden. Und spätere Fortbildungen müssten ebenfalls selbst übernommen werden, es sei denn, die Arbeitgeber zahlen – wie es Nesper will – einen Zuschuss.

Zu leiden unter dem Fachkräftemangel hat nach Aussagen von Wiese in erster Linie die Landbevölkerung. „Hausbesuche müssen oft abgelehnt werden.“ Ähnlich sehe es mit Besuchen in Seniorenheimen aus, auch dafür sei kaum noch Zeit. Er selbst denke ebenfalls über Konsequenzen nach. Auf Druck der Kassen habe er seine Praxis im Katharinenhof vor Jahren auf 140 Quadratmeter erweitert, weil zu viele Mitarbeiter auf zu engem Raum gearbeitet hätten. Jetzt stell er sich die Frage, ob er aufgrund des Fachkräftemangels langfristig die Praxis nicht wieder halbieren solle.

Den Mangel an ausgebildeten Physiotherapeuten bestätigt auch Monika Liebner, Pressesprecherin der zuständigen Arbeitsagentur Heide. Es gebe nur eine handvoll Bewerber auf dem Markt, „das ist schon ungewöhnlich wenig“. Stellenangebote gingen dagegen häufiger ein, könnten aufgrund der geringen Bewerberzahl jedoch kaum erfüllt werden.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 12:50 Uhr

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