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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 03:11 Uhr

Bildungspolitik : Kein Billig-Abitur in Kellinghusen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schulleiter und Schulverbandsvorsteher sind empört – den CDU-Vorwurf eines Billig-Abiturs an Gemeinschaftsschulen weisen sie strikt zurück.

„Billig-Abitur“ – den Vorwurf von Heike Franzen (CDU, wir berichteten) wollen Gerd Christian Thielmann und Malte Wicke nicht stehen lassen. Der Leiter der Gemeinschaftsschule und der Vorsteher des Schulverbands Kellinghusen weisen die Äußerung der bildungspolitischen Sprecherin der Landes-Union zurück. Die örtliche Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe (GMS) sei ein Erfolgsmodell – und solle es auch bleiben. Erstmals wurden dort in diesem Jahr auch Zeugnisse der Hochschulreife vergeben. Alle der insgesamt 30 angemeldeten Schüler für das G9-Abitur verließen die Schule mit dem höchsten Bildungsabschluss. Die Noten rangierten im Bereich von 1,3 bis 3.3.

Im erfolgreichen Abschneiden der jungen Menschen sehen Thielmann und Wicke einen Beleg für den Erfolg des Prinzips der „Schule für alle“, die jedem des Recht auf Erfolg zugesteht. „Lediglich sieben der Schüler waren mit einer Gymnasialempfehlung gestartet“, unterstreicht Thielmann. 18 hatten eine Real-, zwei eine Hauptschulempfehlung und drei legten das Abitur als Externe aus anderen Bundesländern ab. „Damit nahmen junge Menschen im durchlässigen System der GMS Bildungschancen wahr, die vorher nicht prognostiziert waren.“

Nicht akzeptabel sei, wenn Franzen sowie der Vorsitzende der Philologenverbandes, Helmut Siegmon, dies jetzt „Billigabitur“ oder „Fehlkonstruktion“ diffamierten. Neben der Verunsicherung von Eltern, Lehrern und Schülern würden damit auch die tollen Abiturleistungen auf zynische Weise abgewertet. „Sollen die jungen Menschen sich jetzt als Abiturienten zweiter Klasse fühlen? “, fragt Wicke. Absurd sei zudem der Franzen-Vorwurf, es gehe nur darum, möglichst viele Jugendliche zum Abitur zu bringen. Auftrag der Gemeinschaftsschulen sei es, mehr Kinder zu höheren Bildungsabschlüssen zur bringen, sagt der Schulleiter mit Blick auf Pisa- und OECD-Studien. „Die Statistiken bestätigen, dass Bildungserfolg hierzulande immer noch stark mit der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Milieus verknüpft ist.“

Für Wicke ist die Franzen-Äußerung auch ein Schlag ins Gesicht von Gemeinden und kleinen Kommunen, die sich in Zweckverbänden für ihre Schulen engagieren. „Im Kellinghusener Schulverband standen die Mitglieder über alle politischen Richtungen hinweg von Beginn hinter der Gemeinschaftsschule“, hebt Wicke heraus. Gemeinsam mit der Schulleitung sei die Schule auf den heutigen Stand gebracht worden. Dabei habe der SV beachtliche Investitionen getätigt. Rund 300  000  Euro seien in die naturwissenschaftliche Einrichtung geflossen – mit dem Erfolg, dass die GMS erneut als Mint-Schule zertifiziert wurde. Und: Aktuell stehe der SV vor der Grundsatzentscheidung, die Schule durch eine Grundsanierung oder ein Neubau sie zukunftsfähig zu halten.

Tatsächlich gingen viele Schüler von der GmS und der ehemaligen Realschule einsprachig in die gymnasiale Oberstufe einer GmS oder eines beruflichen Gymnasiums, sagt Thielmann zur Aussage von Franzen und Siegmon, an den meisten Gemeinschaftsschulen sei ein gleichwertiges Abitur wegen des Mangels an sprachlichen Profilen nicht möglich. „Deshalb belegen diese Schüler über drei Jahre einen vierstündigen Sprachkurs, um eine neu begonnene Fremdsprache zu erlernen.“ Vor Ort stünden Spanisch, Latein, Französisch und bei Bedarf Russisch, in anderen Regionen auch Dänisch auf dem Stundenplan. „Das kommt alles noch obendrauf“, unterstreicht Thielmann den Leistungswillen der Schüler. Außerdem sei es auch in den Oberstufen von Gymnasien gelebte Praxis, im Sprachprofil mit anderen Schulen zu kooperieren. Zur Polemik des „Billig-Abitur“ beruhigt Thielmann Eltern und zukünftige GmS-Abiturienten: „Das Zentralabitur ist für alle Schüler gleich.“

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