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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 06:07 Uhr

Nano-technologie Aus Itzehoe : Keime bekämpfen – ganz ohne Gift

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In einem Itzehoer Labor wird eine Art Desinfektionsmittel aus Nano-Teilchen entwickelt. Bootsrümpfe und Nasenspray sind mögliche Anwendungsbereiche.

Ein kleines gelbes Schiffchen. Fünf Monate lang lag es in der Regentonne, und das mit voller Absicht. Als es herausgeholt wurde, war das Segel grün, doch der Rumpf so weiß wie zuvor: „Da ist nichts drauf gewachsen“, sagt Dagmar C. Schneider. Und die Diplom-Chemikerin weiß auch den Grund: Der Rumpf war beschichtet mit „CLEANs1“, dem Produkt aus der Nanotechnologie, mit dem die Nandatec GmbH in den Markt geht. Bootsrümpfe sind eine mögliche Anwendung, Nasensprays oder medizinische Geräte kommen ebenfalls in Frage.

Es geht unvorstellbar klein zu: Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. In diesem Bereich verhielten sich die Stoffe anders, setzten sich zum Beispiel nicht in Flüssigkeiten ab, sondern „wuseln hin und her“, erklärt Dagmar Schneider. Genutzt wird das für Schnelltests auf Quecksilber oder Viren. Dies mit Proteinen zu erledigen, sei „extremst umständlich“, außerdem teuer, und sie seien schwer zu lagern.

Bei den Nano-Teilchen ist das anders: Auf der Basis von Eisenoxiddextran mit Membranen aus Silizium und Aluminiumoxid sind sie günstig herzustellen, verbrauchen wenig Rohstoffe, lassen sich ohne viel Aufwand lagern und zerfallen nach Gebrauch in unbedenkliche Bestandteile. Das Kernwort lautet biokompatibel: Ja, es gebe Teilchen, „die nicht schön sind“, sagt die Geschäftsführerin. „Wir benutzen die guten, die für die Anwendung im Menschen geeignet sind. Wir Menschen bestehen aus Nanoteilchen.“ Oft gebe es die Angst vor dem Neuen – auch um diese Sorgen aufzugreifen, beteiligt sich Nandatec an Aufklärungskampagnen. Und im Netzwerk Nanofundus gehört die Firma zu den Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die eine Technologieplattform vor allem für Anwendungen im Lebensmittel- und Gesundheitsbereich entwickeln.

Im Januar 2013 wurde Nandatec gegründet mit einem Büro in Lübeck und einem kleinen Labor im Innovationszentrum Izet, zudem werden Einrichtungen der Partner genutzt. „Es ging sehr zügig los“, sagt Dagmar Schneider. Im vergangenen Herbst gab es den KfW-Preis Gründer-Champion Schleswig-Holstein, in diesem Sommer stattete Schleswig-Holsteins Ministerpräsident auf seiner Sommerreise dem Itzehoer Standort einen Besuch ab. Die Nanotechnologie werde das Leben fundamental verändern und verbessern, sagte Torsten Albig und ließ sich das neue Produkt „CLEANs1“ erklären.

Die Vorgeschichte: Eine Lösung stand im Regal, und man sei stutzig geworden, warum darin auch nach Jahren nichts wachse, schildert die Geschäftsführerin. So entstand die Idee, das Phänomen für keimfreie Beschichtungen auf Nanobasis zu nutzen. Oder in anderer Konzentration als Mittel gegen Algenbewuchs am Bootsrumpf. Was dafür jetzt verwendet werde, sei meist sehr giftig. Im Gesundheitsbereich brauche es zur Keimreduzierung oft wenig umweltfreundliche Mittel und viel Aufwand, die Nano-Beschichtung könne der Arzt selbst erneuern. Und beim Nasenspray seien Mittel zugesetzt, damit sich die Nutzer nicht stets neu infizieren – aber die seien schlecht für die Nasenscheidewände, so Dagmar Schneider. Die biokompatiblen Erzeugnisse von Nandatec sollen ein neues Kapitel aufschlagen.

Die ersten Kunden, die sie testen, werden jetzt gesucht, für die Großproduktion braucht die Firma einen Investoren. „Es ist die Aufgabe des Marktes, zu erkennen, welche großen Chancen da sind“, sagte seinerzeit der Ministerpräsident. Da ist Dagmar Schneider zuversichtlich: Es gebe viele Anfragen, auch wenn deren Ansatz nicht immer zu dem eines soliden norddeutschen Unternehmens passe. Deshalb sagt sie: „Wir bauen es einen Schritt nach dem anderen auf.“

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erstellt am 05.Sep.2016 | 17:00 Uhr

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