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Norddeutsche Rundschau

24. Juli 2016 | 08:46 Uhr

Bahnverbindung : Kampf beendet– jetzt wird verhandelt

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Pro Bahn lädt zur Podiumsdiskussion ins Glückstädter Rathaus ein. Stadt zufrieden mit Fahrplan – Pendler nicht

„Wir sind am Ende einer Schlacht und viele haben konstruktiv gekämpft. Dabei haben wir gemerkt, dass wir weit weg sind von Hamburg und auch von Kiel. Jetzt ist aber der Punkt, nach vorne zu schauen.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Sven Wiegmann, Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt Glückstadt, als Moderator die Informationsveranstaltung von Pro Bahn Westholstein zum Fahrplanwechsel der Bahn zum 14. Dezember. Weniger Interessierte als erwartet waren in den Ratssaal gekommen, um sich zu informieren und ihre Einwände vorzubringen.

Lutz Thieme als Kreisbeauftragter des Fahrgastverbandes Pro Bahn ging kurz auf die Historie ein: „Als vor zwei Jahren der Fahrplan präsentiert wurde, haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet. Alle Parteien haben dabei an einem Strang gezogen.“ Aus zwei Zugverbindungen nach Altona seien jetzt sieben Züge geworden. Für 80 Prozent der Fahrgäste aus Glückstadt sei damit die Verschlechterung weg, sagte Thieme. „Die Nordbahn hat mehr Züge bereitgestellt und das Ministerium bezahlt. Es fahren jetzt aber weniger Züge nach Altona und mehr Züge zum Hauptbahnhof.“ Verbesserungswünsche könnten immer noch angemeldet werden. „Wir werden aber nicht mehr kämpfen, sondern verhandeln, denn nach unserer Erfahrung sind die Verbesserungschancen dabei größer.“

Der Landesvorsitzende von Pro Bahn, Stefan Barkleit, ergänzte: „Die Unterstützung bei den Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium durch die Stadt war einmalig in Schleswig-Holstein. Sie hat auch die Ausschreibung für die Marschbahn ab 2016 wesentlich beeinflusst. Hier sind drei Züge am Morgen und vier Züge abends Bestandteil der Ausschreibung.“

Die Strecken Hamburg-Altona bis Wrist und Hamburg-Hauptbahnhof bis Itzehoe werden mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember von der Nordbahn Eisenbahngesellschaft betrieben. Bereits am vergangenen Freitagmorgen hatte der Betriebsleiter der Nordbahn, Thomas Wolf, zusammen mit Lutz Thieme am Glückstädter Bahnhof Taschen mit den neuen Fahrplänen verteilt. Die Reaktionen der Pendler seien gemischt, aber überwiegend positiv gewesen, so die Einschätzung von Wolf.

Der Zugverkehr wird auf diesen Strecken von der Nordbahn mit neuen Fahrzeugen betrieben. Bis Ende Februar werden 15 grünblaue Züge der Nordbahn die Strecke von Itzehoe zum Hauptbahnhof Hamburg stündlich bedienen und zwischen Elmshorn und Hamburg werden die Züge in den Hauptverkehrszeiten in einer schnellen Taktfolge von rund 20 Minuten fahren.

Thomas Wolf: „Personal und Material stehen für den Start am dritten Advent bereit. Bis Ende Februar haben wir uns einige Züge dazugeliehen, in der ersten Woche muss wegen eines Engpasses eine Fahrt ausfallen.“ An allen Bahnhöfen werden dann auch Fahrkartenautomaten aufgestellt sein, verspricht der Nordbahn-Betriebsleiter. „Der Nahverkehr findet weiterhin zu den gewohnten Konditionen statt, aber mit mehr Komfort, Platz und Flexibilität. Für uns unzureichend ist noch die Anbindung der Stadtbusse in Itzehoe.“

Sven Wiegmann leitete zur Diskussion über: „Natürlich gibt es bei jedem Wechsel Gewinner und Verlierer. Jeder vergleicht das Angebot mit dem, was er vorher gehabt hat. Die Grauzone der Zufriedenen ist mir unklar.“ Der Besucher Jens Harders wies auf die Verschlechterungen des neuen Fahrplanes hin: „Es gibt 40 Prozent weniger Halte. Die Rückschläge werden hier als Erfolg verkauft. Die Politik hat die Entwicklung verpennt.“

Bürgermeister Gerhard Blasberg sowie die Stadtvertreter Dr. Siegfried Hansen (Piraten) und Stefan Goronczy (FDP) wiesen darauf hin, dass die Stadt sofort reagiert habe. Hansen: „Das Land hat hier Fehler gemacht und die NAHSH (Gesellschaft für den Nahverkehrsverbund in Schleswig-Holstein) hat kein Interesse an Glückstadt. Für die ist nur die Linie Westerland – Hamburg interessant.“

Zu den Verlierern des Fahrplanwechsels zählen sich auch zwei Besucher der Veranstaltung, von denen der eine wegen der schlechteren Zugverbindung Glückstadt verlassen will und die andere wegen der längeren Fahrzeiten in ihrer Pendlerfamilie Mehrkosten von 1000 Euro im Jahr veranschlagt. Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass weiter nachgebessert werden muss, insbesondere für die Anbindung nach Itzehoe. Gerhard Blasberg: „Die Verschlechterungen sind da, aber es gibt auch Verbesserungen. Die Stadt Glückstadt ist auf den Zuzug von Familien aus dem Hamburger Umland angewiesen. Dafür brauchen wir ein positives Image und eine gute Bahnverbindung. Dafür müssen wir gemeinsam weiterhin verhandeln.“

Thomas Wolf ergänzte: „Fahren Sie Bahn, denn nur durch ein ausreichende Nutzung der Züge können die Zugverbindungen erhalten bleiben und Nachverhandlungen erfolgreich geführt werden. Ihr bisheriges Engagement ist einzigartig im Land.“

Der Glückstädter Heiko Schlüter wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass am kommenden Montag, 15. Dezember der Geschäftsführer der NAHSH, Bernhard Wewers im Zug der Nordostseebahn ab 6.46 Uhr von Glückstadt bis Hamburg-Altona für Fragen und Anregungen der Fahrgäste zur Verfügung steht.

Sven Wiegmann wünschte zum Abschluss: „Unser Ziel muss es sein, für Glückstadt eine Bahnanbindung nach Hamburg im 20-Minuten-Takt zu erreichen, denn Glückstadt gehört schließlich zur Metropolregion Hamburg.“

 

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