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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 03:24 Uhr

Junges Theater auf enger Bühne

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vier Aufführungen im Wenzel-Hablik-Museum

Der fiktive Bühnenrand ist zur Orientierung abgeklebt. In dieser Saison müssen alle Schauspieler der Nachwuchs-Theaterclubs bei ihren Aufführungen mit wenigen Quadratmetern auskommen. Denn die diesjährigen Vorstellungen finden im Wenzel-Hablik-
Museum statt, da das Theater derzeit renoviert wird.

Deborah Hinrichs kann sich in ihrem Solopart als „Miriam, ganz in Schwarz“ schnell darauf einstellen. Sie läuft wütend über die Bühne, schimpft auf die Rohheit ihrer Mutter – und macht dann abrupt am Ende der Vier-
Meter-Strecke kehrt, um sich auf die schwarzen Würfel zu setzen und nachzudenken: „Bin ich vielleicht trauergestört? So wie andere ADHS haben oder magersüchtig sind.“

Die 19-Jährige freut sich auf die Premiere am Donnerstag: Sie wird als regelmäßige Besucherin fremder Beerdigungen in einem Monolog empathisch vermitteln, warum sie meist mehr Tränen vergießt als die Angehörigen der Verstorbenen. Und ihre Vorfreude gilt auch der besonderen Spielstätte im Museum.

„Kunst zwischen Kunst – das ist doch toll“, sagt Deborah Hinrichs. Sie vermutet, dass dieses Angebot auch jugendliche Theaterfans zu Hablik ziehen wird, die das Haus noch nicht kennen. Die aktuelle Ausstellung im Museum mit Selbstbildnissen passe gut zu den Stücken, die von Selbstdarstellungen handeln, sagt die junge Schauspielerin, gespannt auf die neue Erfahrung.

Wie alle Jugendtheater-Clubs probte sie am Wochenende mit Regisseurin Britta Schramm und Uwe Dennull (Technik) noch in den Räumen der Speeldeel im Untergeschoss des Theaters, bevor es kurz vor den Aufführungen mit den Generalproben ins Museum geht. Deborah Hinrichs wird das letzte Mal dabei sein, da sie danach ihre Berufsausbildung in Marburg fortsetzt. Den Theatervirus nimmt sie mit und will sich dort eine neue Gruppe suchen.

In Itzehoe steht der Nachwuchs für die Theaterclubs schon in den Startlöchern. „Es gibt eine Warteliste“, erzählte Britta Schramm. Sie probt auch mit vielen jüngeren Spielern, bringt aber wegen der besonderen Bedingungen in dieser Saison nur zwei weitere Stücke mit kleiner Besetzung zur Aufführung.

Nach Deborah Hinrichs kommt Jonas Stüdemann in die Speeldeelräume. Er probt einen Journalisten auf der Jagd nach einer guten Story: „Seite eins – ein Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ ist Mittwoch zu sehen. Heute und morgen zeigen Hanna Maria Weiß und Marlena Stege das Stück „Ich, Leonce und Lena“ und setzen sich wie Georg Büchners „Leonce und Lena“ im 19. Jahrhundert aktuell mit Langeweile und Liebe auseinander.

Die Aufführungen im Wenzel-Hablik-Museum – heute ist ausverkauft – starten um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, am Donnerstag ist der Eintritt frei. Da die Theaterkasse Sommerpause macht, sind Karten nur an der Abendkasse im Museum erhältlich. Besucher sollten sich bei Regisseurin Britta Schramm anmelden.
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Kontakt: E-Mail an Britta. Schramm@itzehoe.de oder telefonisch unter 04821/670913.




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