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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 18:37 Uhr

Ehrenamt : Jonny Boos: „Sport fördert auch den Geist “

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Ehemaliger Leistungssportler engagiert sich seit Jahrzehnten in der Suchtkrankenhilfe.

Umringt von vielen Frauen fühlt sich Jonny Boos wie ein Hahn im Korb. Besser gesagt, wie ein umschwärmter Mann. Alle haben ihren Spaß, denn die Schwimmer treffen sich regelmäßig im Brokdorfer Schwimmbad. Der 76-Jährige kommt dreimal pro Woche, um jeweils für eine Stunde seine Bahnen zu ziehen.

Was viele der anderen nicht wissen: Jonny Boos war früher Leistungsschwimmer. „1955 wurde ich Hamburger Jugendmeister.“ Zudem norddeutscher Meister im Wasserball. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn war die Teilnahme an den Olympischen Spielen in München. „Damals war ich Co-Trainer der Mädchen-Nationalmannschaft.“ Gearbeitet hat gelernte Maschinenschlosser damals bei der Polizei in Hamburg.

Viele Erfolge, viel Stress: Es kam der Absturz. Er hatte seinen Job als Polizist gekündigt, er baute in Kollmar ein Haus und machte sich beruflich selbstständig. „Ich bin dann nicht mehr geschwommen.“ Stattdessen begann er zu trinken. Nur einmal schwamm er noch in der Zeit seiner Sucht: In der Therapie 1984 nahm er an den Plöner Stadtmeisterschaften teil und gewann.

Ab 1984 war Jonny Boos „trocken“ – im doppelten Sinn: er trank nicht mehr und erst einmal war Schluss mit dem Sport, seine Therapeuten hatten ihm dazu geraten. Und er zog nach Glückstadt.

Der Vater von zwei Söhnen engagierte sich dann ab 1985 in Selbsthilfegruppen für alkoholkranke Menschen und leitete diese auch. Über Jahrzehnte war er mit einer kurzen Unterbrechung Vorsitzender der Suchtkrankenhilfe. Diese ging als Verein 1992 aus dem Freundeskreis hervor. Auch heute noch leitet er eine Gruppe, was wiederum nach so vielen Jahren nicht selbstverständlich ist.

Für sein Engagement ist er mehrfach ausgezeichnet worden. Unter anderem 2003 durch die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis. 2009 erhielt er die Ehrenmedaille der Stadt Glückstadt.

Doch Jonny Boos merkte irgendwann, dass er sich fit halten muss. Und mit einem künstlichen Knie bot sich das Schwimmen an. Der Erfolg seines Trainings in den Schwimmbädern Brokdorf und Wilster zeigte sich jetzt im Sommer. „Ich habe mir einen Wunschtraum erfüllt. Ich habe beim internationalen Freiwasserschwimmen in der Müritz teilgenommen.“ 750 Teilnehmer aus ganz Europa waren dabei. Ungewohnt waren für sie alle „Wind, Regen und Wellengang“.

Jonny Boos musste zwei Kilometer schwimmen. „Es gab keine Bahnen, keine Orientierung, und das Wasser war trübe.“ Seine Frau Helga war mit, sie fuhr um den See, um ihm die Kleidung zu bringen. „Ich war selbst überrascht als ich hörte, dass ich den fünften Platz belegt habe“, sagt Boos. Für ihn eine große Freude.

Aus seiner Erfahrung als Gruppenleiter weiß er, dass viele Menschen mit Alkoholproblemen keinen Sport mehr treiben, sie sind dazu zu träge. „Es ist aber wichtig“, sagt Boos. „Sport fördert auch den Geist.“

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erstellt am 24.Aug.2016 | 05:15 Uhr

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