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Norddeutsche Rundschau

26. Mai 2016 | 18:26 Uhr

Itzehoe : Jobcenter bereitet sich auf Ansturm vor

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bis zu 600 Flüchtlinge müssen fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden

Mehr Flüchtlinge, aber auch mehr Personal und Geld – das Jobcenter Steinburg bereitet sich auf eine deutliche Steigerung der Asylbewerberzahlen vor. Bisher betreut die Behörde etwas über 250 Migranten im erwerbsfähigen Alter, im Jahresschnitt 2016 rechnet Geschäftsführer Martin Görtzen mit 580 bis 600 Personen. Dies sei jedoch nur eine vorsichtige Prognose, die auf den bisherigen Zahlen basiere. „Noch haben wir eine moderate Situation und keine überfüllten Flure.“

Um die zusätzliche Arbeit schaffen zu können, gibt es vom Bund weitere 500  000 Euro für arbeitspolitische Maßnahmen und sechs neue Stellen, von denen vier bereits besetzt sind. Laut Görtzen wird dann im Frühjahr überprüft, ob dies ausreicht oder noch nachgesteuert werden muss.

Vor allem um Syrer muss sich das Steinburger Jobcenter bisher kümmern, 70 Prozent der Flüchtlinge kommen aus dem Bürgerkriegsland. Mit weitem Abstand folgen Afghanen (zehn Prozent) sowie Iraner, Iraker und Eriträer. Aber für alle Asylbewerber gilt eines gemeinsam: sie müssen sich auf Deutsch verständigen können, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Zahlreiche Flüchtlinge erhielten zwar bereits Grundkenntnisse durch Kurse in Erstaufnahme-Unterkünften oder in anderen Einrichtungen, doch diese müssten ergänzt und vertieft werden, betont Görtzen. So bietet das Jobcenter über die Träger Volkshochschule und Awo Integrationskurse über 660 Stunden an, die neben Deutsch auch Kenntnisse des Rechts- und Gesellschaftssystem vermitteln und mit einem so genannten B-1-Abschluss enden. „Damit kommt man im täglichen Leben klar“, sagt Görtzen. Für einen Einstieg in Beruf oder Ausbildung hält das Jobcenter B-2-Kurse bereit, die in Steinburg aber lediglich Volkshochschule anbieten. Dieser berufsbezogene Sprachkurs beinhaltet 730 Stunden und ist zum Beispiel Voraussetzung für die Aufnahme einer Ausbildung. Wer Studieren möchte, muss einen C-Sprachkurs belegen, dies ist jedoch nur in Hamburg möglich. Allerdings seien die Kapazität der B-1- und B 2-Kurse begrenzt, sie müssten dringend weiter entwickelt werden. „Wenn es so weitergeht, stoßen wir im Frühjahr an unsere Grenzen.“ Zurzeit seien 100 Migranten in laufenden Sprachkursen, 40 bis 50 Teilnehmer stünden auf Wartelisten. Die Wartezeit betrüge vier bis sechs Wochen – „mit steigender Tendenz“.

Ergänzend zum Sprachunterricht entwickelt das Jobcenter inhaltliche Angebote. Im April soll das Projekt Perspektive Flüchtlinge (Perf) über einen externen Träger beginnen. 170 Plätze wird es geben, 100 für die Arbeitsagentur, 70 für das Jobcenter. Hinzu kommen 25 Plätze für Jugendliche. Hier geht es unter anderem um Kompetenzfeststellung, Bewerbungstraining, ergänzenden Sprachunterricht und vor allem um eine erste Kontaktaufnahme zum Ausbildungs- und Berufsalltag. Praktika sollen vermittelt werden, in Werkstätten des Trägers sollen die Teilnehmer sich in verschiedenen Tätigkeiten ausprobieren. „Die Asylbewerber sollen sich orientieren und an den Arbeitsmarkt herangeführt werden“, sagt Teamleiterin Andrea Nietsch, zuständig für den Bereich Flucht und Asyl beim Jobcenter. Neben Perf gibt es beim Jobcenter auch die individuelle Förderung in verschiedenen Maßnahmen, um die Flüchtlinge dort auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Gleichzeitig versuche das Jobcenter, Arbeitgeber für Praktika zu finden. Hier gebe es zwar einige Erfolge, „aber wir stellen immer wieder fest, dass die Sprachkenntnisse oft noch nicht ausreichend sind“, betont Görtzen.

Für Flüchtlinge, die schwer vermittelbar sind, weil sie vielleicht noch Alphabetisierungskurse belegen müssten, plant das Jobcenter Angebote im Ein-Euro-Bereich. Für Maßnahmen in diesen Bereich wird zurzeit ein Träger gesucht.

Bei allen neuen und alten Aufgaben gelten drei Prinzipien für das Jobcenter, betont Görtzen: alle Kunden, gleich welcher Nationalität oder Herkunft werden gleich behandelt, das Jobcenter werde sich so aufstellen , dass es keine vollen Flure oder Eskalationen gebe und „das Geld für die Kunden muss immer fließen“.

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erstellt am 13.Jan.2016 | 17:51 Uhr

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