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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Ehrenamt : Integration bei Mensch ärgere dich nicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

67 Menschen sind seit der ersten Flüchtlingswelle im August in St. Margarethen untergebracht und fühlen sich wie Zuhause.

Ursprünglich stammt Taher Alou aus Syrien. In einem kleinen Dorf nahe Aleppo hat der zehnjährige Junge mit seiner Familie vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges in seinem Heimatland gewohnt. Seit rund einem Jahr lebt der fußballbegeisterte Taher mit seinem Vater in Deutschland. Seine Schwester und seine Mutter sollen bald auf einem sicheren Weg nachkommen.

Der Hamburger Sportverein hat es Taher Alou besonders angetan. „Hamburg hat auf Werder gewonnen“, erzählt er glücklich. Der aufgeweckte, lebhafte Junge, der für einen Moment ruhig und in sich gekehrt wirkt, wenn er nach seiner Kindheit in Syrien gefragt wird und dann gekonnt vom Thema ablenkt, zählt zu einer Gruppe von 25 Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren, die gemeinsam mit ihren Familien in St. Margarethen Zuflucht vor Krieg gefunden haben.

Insgesamt 67 Flüchtlinge hat die Elbgemeinde seit der ersten Flüchtlingswelle im August des vergangenen Jahres aufgenommen. Rund die Hälfte dieser Menschen stammt aus Syrien, der andere Teil überwiegend aus dem Iran und Afghanistan. „Wir sind an unserem Limit angekommen. Zwei bis drei Wohnungen für einzelne Personen könnten wir vielleicht noch bereitstellen“, sagt Volker Bolten. Der Bürgermeister zeigt sich glücklich über den Anstieg der Einwohnerzahl und die positiven Einflüsse, die diese Entwicklung auf das Gemeindeleben ausübt.

„34 St. Margarethener engagieren sich gemeinsam ehrenamtlich im Bereich der Flüchtlingshilfe“, so Raimund Swoboda. Bei dem 72 Jahre alten Systemanalytiker laufen alle Fäden zusammen, wenn es um die Flüchtlingshilfe in der Gemeinde geht. Im Zuge einer Einwohnerversammlung erklärte er sich bereit den Posten des lokalen Flüchtlingskoordinators zu übernehmen.

Seine Aufgaben sind vielfältig. Unter anderen kümmert er sich um die Anmeldung der schulpflichtigen Kinder an der Grund- und der Gemeinschaftsschule in Wilster oder am Regionalen Bildungszentrum in Itzehoe. „Raimund lebt selber auch erst seit drei Jahren in der Gemeinde. Wir kannten uns zwar vom Sehen, da wir in derselben Straße wohnen, doch richtig kennen gelernt haben wir uns quasi erst durch die Flüchtlingshilfe“, benennt Bolten mit dem Wissen, dass es anderen Menschen in der Gemeinde ähnlich ergangen ist, einen der positiven Einflüsse. Die Art und Weise sowie die Intensität der Hilfe der 34 Ehrenamtler gestaltet sich ganz unterschiedlich. „Helmut Lau ist unser Mann, wenn es um Fahrräder geht, Möbel angeschafft und Wohnungen hergerichtet werden müssen. Heike Norman ist eine von sieben Personen, die Deutsch unterrichten und sich zudem an unserem internationalen Café beteiligt. Dies sind aber nur zwei frei herausgegriffene Personen, die stellvertretend für eine starke und engagierte Helfergruppe stehen“, sagt Raimund Swoboda über sein Netzwerk.

Jeden Freitag ab 16 Uhr lädt der Helferkreis zum Spielen und Klönen bei Kaffee und Kuchen ins Dolling Huus ein. Durchschnittlich 24 Flüchtlinge nehmen das Angebot des internationalen Cafés an. Besonderen Anklang finden Spiele wie Uno, Skip Bo und Mensch ärgere dich nicht. Die sind leicht zu erlernen. Die Treffen werden aber auch genutzt um sich auszutauschen. Hierbei erfahren die Helfer häufig, in welchen Bereichen noch Hilfe unter Unterstützung erforderlich ist. Oft sind es lediglich Kleinigkeiten. So fehlt es den Flüchtlingen derzeit an passender Sommerkleidung für die Kinder und Jugendlichen, sowie Sommer-Damenmode bis Größe 38. Und auch Kinderfahrräder werden gesucht.

Doch auch bei der Begleitung zu Ärzten und Behörden wird die Unterstützung der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer immer noch benötigt. „Erst vor wenigen Tagen hat eine schwangere Frau aus Afghanistan, die in unserer Gemeinde lebt, ihr Kind zur Welt gebracht“, sagt Raimund Swoboda. Es ist das dritte Kind aus den Kreisen der Neubürger, das seit dem vergangenen Jahr in Itzehoe das Licht der Welt erblickte und in St. Margarethen lebt.

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