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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Nachtfahrt : Im Notfall auch mal zu Fuß im Einsatz

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Unterwegs mit der Feuerwehr: In den engen Straßen Glückstadts wartet auf die Löschfahrzeuge manch unüberwindbares Hindernis.

Es ist dunkel – es ist spät abends. In der Stadt ist kaum etwas los. Da fällt das große Feuerwehrfahrzeug in der Schlachterstraße auf. Vor allem, weil sich der Fahrer bemüht in die Kleine Deichstraße zu fahren. Am Steuer sitzt Sönke Rix. Der Glückstädter ist ein versierter Fahrer, aber hier scheitert er. Im Weg steht nicht nur ein parkendes Auto, sondern auch ein Verkehrsschild.

Neben Rix sitzt Elke Bertram. Die Mitarbeiterin des Rathauses macht Fotos von dem Problembereich. Im Auto sitzt auch Wehrführer Ties Tießen. Er hat zu der Fahrt durch Glückstadts Straßen eingeladen. Es geht um die Frage, ob die Feuerwehrfahrzeuge durch alle Straßen fahren können – vor allem im Ernstfall, wenn es brennt. Und es geht darum, ob die Beschilderung und Parkplätze richtig angeordnet sind. Das Löschfahrzeug, mit dem die Drei unterwegs sind, ist 9,20 Meter lang und 2,50 Meter breit. Dass die Straßen eng sind, merkt Sönke Rix an.

Die Fahrt durch die Kleine Deichstraße, das wird nichts. Für Elke Bertram ist klar: Ein Parkplatz muss weg, eventuell braucht auch das Verkehrsschild einen neuen Standort. Schon beim Einfahren in die Schlachterstraße, in die Rix gerade zurückfährt, gab es Probleme. Denn ab abends 18 Uhr gibt es dort am Anfang einen Parkplatz – wenn der Lieferverkehr für die Geschäfte vorbei ist. Nun, ein paar Stunden später steht dort auch ein Auto – ganz legal – im Weg. Zudem parkt ein Lieferfahrzeug dort. Doch der Fahrer kommt schnell, Rix kann weiterfahren. Kurze Zeit später in der Reichenstraße: Auch dort parkt jemand unerlaubt auf dem Gehweg. Hätte Elke Bertram an diesem Abend Parksünder aufgeschrieben, hätte es sich für die Stadtkasse schon gelohnt.

Kritische Situationen gibt es für das Fahrzeug auch in weiteren Straßen. Ganz prekär wird es im Klein Neuwerk, Sönke Rix kann nicht um die Kurve fahren. Dort steht das Schild „Spielstraße“ im Weg. „Dieses Schild zu versetzen wäre hilfreich“, erklärt Ties Tießen. Die Rathausmitarbeiterin notiert es. Sie hat dafür vollstes Verständnis. So manches Mal wird es schwierig, an den Autos vorbeizukommen. Sie lobt Sönke Rix mehrfach für seine Fahrkünste. Rix arbeitet sich in Millimeterabstand an einem Auto vorbei. Es klappt. „Im Einsatz stehen wir unter Stress“, erklärt er, warum es dann schwierig wird, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren.

„Wenn die Autos genau in den Parkbuchten stehen, dann geht es noch“, sagt Ties Tießen zu den schmalen Straßen der Glückstädter Innenstadt. „Wenn nicht, dann wird es kriminell.“ Deshalb werden die Fahrer der Feuerwehr bei einem Sicherheitstraining geschult. Tießen: „Es ist letztlich auch Erfahrungssache, wie breit das Auto ist. Ein Löschfahrzeug hat eine andere Dimension. Schwierig ist es, wenn die Feuerwehrleute nachts aus dem Schlaf gerissen werden und unter Stress fahren müssen.“ Dass es so viele Hindernisse gibt, sieht Tießen praktisch: „Wenn es brennt, gehen wir notfalls auch den Weg zu Fuß. Entscheidend ist, dass die Drehleiter heranfahren kann.“ Denn es gehe unter Umständen um Menschenleben, die gerettet werden müssen.

Mittlerweile haben die Drei bereits viele Straßen in der Stadt abgefahren. Elke Bertram schätzt, dass sie mindestens 20 Verwarnungen geschrieben hätte, wäre sie als Verkehrsüberwachungsfrau unterwegs gewesen. Problematisch für die Feuerwehr ist auch die Kleine Kremperstraße, selbst wenn die Autos dort korrekt stehen. Tießen: „Hier kommen wir nur mit Mühe durch.“ Gleiches gilt für die Nübelstraße, Am Batardeau und in der Ankenstraße. Auch dort stellt Elke Bertram fest: „Diese eine Parkbucht muss weg.“ Aus der Innenstadt heraus ist die Kantstraße hinter dem „Tivoli“ noch ein Thema für Tießen. „Eine Einbahnstraßenregelung wäre hier interessant.“ Elke Bertram nimmt es auf, betont aber: „Dafür ist der Kreis zuständig.“

Ihr Fazit am Ende der mehrstündigen Tour: „Es war sehr aufschlussreich für mich.“ Einiges müsse anders geplant werden. „Wir müssen nachbessern in Bezug auf Parkplätze und auch darauf, wo die Verkehrsschilder stehen.“ Alle sind sich einig, dass solch eine Fahrt wiederholt werden sollte. Denn den Stadtteil Glückstadt-Nord haben sie an diesem Abend nicht mehr geschafft. Dort sind die Straßen allerdings breiter, weil der Stadtteil erst in den 60er Jahren entstand. In der Stadt sind die Straßen aufgrund der historischen Bauweise enger. „Wir brauchen auch Platz, um aussteigen zu können“, sagt Tießen. Er möchte gern auch mal tagsüber mit Elke Bertram durch die Stadt fahren, insbesondere „wenn Wochenmarkt ist“.

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erstellt am 30.Aug.2016 | 13:00 Uhr

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