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Norddeutsche Rundschau

22. März 2017 | 23:23 Uhr

Interview : „Ich kann mir nichts anderes vorstellen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Karl Lauenburger reist mit seinem Familien-Zirkus durch ganz Deutschland – ab Donnerstag heißt es Manege frei in Wilster.

Ab Donnerstag gastiert der Zirkus Granada nach einem Gastspiel in Glückstadt das erste Mal seit acht Jahren wieder in Wilster auf dem Colosseums-Platz. Vier Tage lang wird die Zirkus-Familie Lauenburger aus Schleswig-Holstein versuchen, ihre Gäste in einem zweistündigen Programm mit Artistennummern, Cowboy-Show oder dressierten Pferden und Hunden zu begeistern. Zirkusdirektor Karl Lauenburger spricht über das Leben im Zirkus, das schwierige Geschäft und Auseinandersetzungen mit Tierschützern und den Grünen.

Herr Lauenburger, in der achten Generation betreibt Ihre Familie den Zirkus Granada. Wie bestehen Sie in diesem schwierigen Geschäft?

Lauenburger: Wir sind noch zufrieden, unser Zirkus ist nicht teuer, und wir haben ein gutes Programm. Außerdem kommen wir immer wieder an unsere Standorte zurück und bekommen dort viel Zuspruch. Wir haben ausgefallene Nummern wie unsere Pyramiden-Pferde und zeigen nicht immer das Gleiche. Oft denken die Leute, wir seien ein Kinder-Zirkus. Aber wir bieten viel mehr als das, unser beheiztes Zelt hat 500 Plätze. Zudem sind wir ein reiner Familienbetrieb. Zirkusse, die Artisten von außerhalb beschäftigen, haben höhere Kosten und es somit schwerer.

Könnten Sie sich überhaupt vorstellen, etwas anderes zu machen?

Auf keinen Fall, ich wurde im Zirkus geboren, das war vor 54 Jahren. Ich habe Artist gelernt und bin seitdem immer dabei und das ganze Jahr unterwegs. Wir haben zwar einen Hof in St. Peter-Ording, aber da sind wir nur wenige Tage im Jahr.

Sie sind ständig auf Tour, wie haben Sie da ihre Frau kennengelernt?

Sie war Besucherin in meinem Zirkus und hat die Ponys gestreichelt. So haben wir uns getroffen und sind mittlerweile seit 30 Jahren verheiratet. Meine Frau hat sich schnell an das Zirkusleben gewöhnt, das schafft nicht jeder. Die Hektik, das Umziehen – viele geben nach ein bis zwei Jahren auf. Wer am Zirkus keinen Spaß hat, der sollte es auch lassen.

Wie erklären Sie sich, dass es Zirkusse heutzutage schwerer haben?

Kinder interessieren sich mittlerweile mehr für das Internet und ihr Smartphone als für den Zirkus. Außerdem gibt es Probleme mit Behörden, Tierschützern und Bettlern.

Was sind das genau für Probleme?

An vielen Standorten sind es die Grünen, die keinen Zirkus mit Tieren wollen und uns deshalb keinen Standort zur Verfügung stellen. Wir haben Sorge, dass nach der nächsten Bundestagswahl Grüne und SPD Tiere im Zirkus komplett verbieten. Aber ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus, sondern ein Theater.

Und was entgegnen Sie Tierschützern, die Zirkussen Vorwürfe machen und sagen, das sei Tierquälerei, die Tiere würden nicht genug Auslauf bekommen oder nicht artgerecht gehalten werden?

In jeder Stadt, in die wir kommen, müssen wir uns beim Veterinäramt melden und das entscheidet, ob es uns kontrolliert oder nicht. Wir haben uns noch nie etwas Tierrechtliches zu Schulden kommen lassen (Lauenburger holt einen Ordner heraus und zeigt die abgestempelten Kontrollbesuche verschiedener Veterinärämter. Die weisen lediglich auf kleinere Verstöße wie die fehlende Kennzeichnung eines Tieres hin, d. Red.). Weil wir auch im Winter unterwegs sind, haben wir keine wärmeempfindlichen Tiere bei uns, sondern nur robuste wie Pferde, Lamas, Esel und Ziegen. Wir halten unsere Tiere ordentlich: Sie bekommen genug Auslauf.

Was hat es mit den Bettlern auf sich?

Es gibt Menschen, die geben sich als Zirkusmitarbeiter aus, klingeln bei den Leuten und fragen nach Geld, weil die Tiere angeblich nichts zu fressen haben. Das schädigt unseren Ruf. Oft geben die Menschen dann etwas und denken sich, jetzt habe ich denen was gespendet, nun muss ich ja nicht mehr in den Zirkus gehen, oder sie kommen mit ein paar Äpfeln zu uns, weil sie denken, wir können unsere Tiere nicht versorgen. Dabei wurden sie von diesen Leuten betrogen: Der Zirkus bettelt nicht, das steht auf großen Schildern auch so an unserem Zelt.

Wie hart ist es, das ganze Jahr über im Zirkus zu arbeiten?

Im Winter ist es sehr schwer, da sind uns bei minus 10 Grad schon die Bremsen eingefroren. Oder wenn es regnet, fahren sich die Wagen auf den Wiesen fest, dann bekommen wir in der Nacht überhaupt keinen Schlaf. Aber wenn man wie wir im Winter und Herbst unterwegs ist, dann muss man mit sowas rechnen.

Wie läuft eine Woche bei den Lauenburgers ab?

Wir bauen Sonntagnacht ab, fahren am Montag in die nächste Stadt und bauen wieder auf. Dann kaufen wir Futter für die Tiere, machen zwei Tage lang Werbung und treten von Donnerstag bis Sonntag wieder auf. Die Stunden, die wir in der Woche arbeiten, darf man gar nicht zusammenzählen, das können sich die meisten kaum vorstellen, wie viel da zusammenkommt.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 17:01 Uhr

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