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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 14:46 Uhr

Segeln : „Ich habe jetzt einfach richtig Bock“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Extremsegler Jan Hamester macht sein Schiff in Glückstadt flott, bevor er zu seiner Rekordfahrt aufbricht.

Der Countdown läuft. Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zum Rekordversuch von Jan Hamester. Einmal um die Welt. Nonstop. Allein. Nur mit der Kraft des Windes. Für den Extremsegler aus Hamburg beginnt ein Abenteuer, das sich gewaschen hat.

Anfang der Woche stand das mögliche Rekordboot noch hoch und trocken auf dem Außengelände der Yachtwerft in Glückstadt. Während die Bootsbauer dem Tagesgeschäft nachgehen, turnt Jan Hamester über das Deck seiner „Roaring Forty“, verlegt Kabel im Bootsinneren, bearbeitet das Unterwasserschiff und streicht somit Aufgabe um Aufgabe von seiner „To Do“-Liste.

Der Mann mit den wilden, blonden Haaren will alleine nonstopp den Erdball umrunden. Immer mit dem Wind, immer mit Top-Speed. Er jagt einen Rekord, denn er will der schnellste sein, der die Strecke mit einem Class40-Einrumpfboot zurücklegt. Der Rekord liegt aktuell bei 137 Tagen. Aber Hamester ist sich sicher: Er kann schneller sein. Auf den 52-jährigen Abenteurer warten unvorstellbare Strapazen, er wird körperliche Höchstleistungen erbringen müssen, fast immer komplett durchnässt, Segler sprechen vom „Vollwaschgang“, und zeitweise bei eisigen Temperaturen. Hamester schreckt das nicht ab. Im Gegenteil. „Ich bin körperlich absolut fit und habe jetzt die Erfahrung, die für ein solches Projekt notwendig ist“, so der Segler.

Jan Hamester in der Schaltzentrale seines Bootes. Der Navigationsplatz.

Jan Hamester in der Schaltzentrale seines Bootes. Der Navigationsplatz.

Foto: Schierer
 

Ein Boot wie die „Roaring Forty“, eine sogenannte Class40, erreicht schnell 20 Knoten und mehr (zirka 37 Kilometer pro Stunde. Anm. der Red.). „Wir hatten auch schon an die 30 Knoten auf der Uhr“, sagt Hamester nicht ganz ohne Stolz. Unter Deck wird es dann laut. Der Rumpf knallt in die Wellen, das Boot scheint unter dem Druck des Windes zu ächzen. Alles vibriert. Eine permanente Gradwanderung. Es ist ein Rennen – aber jeder Fehler, allein auf dem Ozean, kann Lebensgefahr bedeuten.

Das Boot ist knapp 12 Meter lang, 4,20 Meter breit und keine fünf Tonnen schwer. 100.000 Euro stehen für die gesamte Kampagne zur Verfügung. Verglichen mit den Millionen-Syndikaten aus Frankreich oder England bleibt Hamester damit eher die Außenseiterrolle.

Einhandsegler, so werden Solo-Segler genannt, müssen jeden Segelwechsel, jedes Manöver, jede Reparatur selbst machen. Das kostet viel Kraft. Und Schlaf zur Regeneration? Fehlanzeige. Oft ruhen Einhandsegler, je nach Wetterlage, wochenlang nicht länger als 20 Minuten am Stück. Danach wird das Geschehen sondiert. Bloß kein anderes Boot übersehen, oder umhertreibenden Müll. Ein Crash bei voller Fahrt ist lebensgefährlich. „Das ist die größte Gefahr“, sagt Hamester, der sich deshalb auch für das Clean Ocean Project engagiert. „Der Müll auf den Meeren wird immer mehr. Container, losgerissene Seezeichen –  alles dabei.“

Kochen auf „Sparflamme“? Nicht mit Hamester.

Kochen auf „Sparflamme“? Nicht mit Hamester.

Foto: Schierer
 

Energie tankt der 52-Jährige bei lauter Musik und vor allem mit gutem Essen. „Ich ziehe aus dem Essen echt Kraft“, sagt er und spielt auf die sehr leichte und gefriergetrocknete Astronautennahrung an, die sich unter Regattaseglern etabliert hat. Für Hamester steht aber fest – wenn es geht, wird gekocht. „Für die ersten Wochen habe ich frische Lebensmittel mit.“ Trockennahrung für Schwerwetter, ist aber auch an Bord. Es gibt zwei Kocher. Beide kardanisch aufgehängt, damit auch bei schwerer See gekocht werden kann. „Und Spagetti finde ich nach wie vor stark. Machst du einmal – kannst du fünf Tage essen.“

„Ich habe in der Zwischenzeit eine unglaubliche Beziehung zu dem Boot aufgebaut“, so Hamester, der dieses Jahr jede mögliche Minute auf seiner „Roaring Forty“ verbracht und tausende Trainingsmeilen absolviert hat. Jetzt kann er es kaum noch abwarten. „Ich habe jetzt einfach richtig Bock. In Gedanken plane ich diese Reise immerhin schon seit meiner Schulzeit.“ Wer Hamester das sagen hört, glaubt ihm sofort.  

Monate der Vorbereitung, hunderte Stunden der Planung, noch mehr Trainingsmeilen auf dem Wasser – das alles hat ein Ende, wenn Jan Hamester am Sonntag gegen Mittag den Sportboothafen an den Landungsbrücken in Hamburg verlässt. Dann hofft er auf viele Zuschauer, die ihn verabschieden. Aber nicht um 13 Uhr, sondern erst kurz danach. Schließlich sei 13 nicht unbedingt eine Glückszahl.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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