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Norddeutsche Rundschau

01. Oktober 2016 | 17:29 Uhr

Pfarrer verlässt Itzehoe : „Ich habe eine Heimat gefunden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach acht Jahren an der Spitze der katholischen Gemeinde verlässt Pfarrer Krause Itzehoe – und ist trotz aller Probleme optimistisch.

Seit Ende 2008 ist Ulrich Krause (58) Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Ansgar und damit zuständig für rund 7000 Katholiken. Ende des Monats wechselt er in die Pfarrei St. Ansgar in Hamburg-Niendorf. Sein Nachfolger wird Joachim Kirchhoff (53), der bisher in St. Birgitta in Lübeck wirkte. Er wird gleichzeitig Leiter des neuen pastoralen Raums Heide-Itzehoe mit rund 11 000 Gläubigen (wir berichteten). Im Interview blickt Krause auf seine Amtszeit zurück und lobt vor allem das soziale Engagement der Gemeinde.

Herr Krause, im Gottesdienst zu Ihrer Einführung haben Sie über Heimat gepredigt. Heimat – das seien „Menschen, mit denen man zusammenlebt und vor allem gemeinsam glaubt“. Haben Sie solche Menschen in Itzehoe gefunden?

Ulrich Krause: Oh ja. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit vielen jungen und alten Menschen hier in Itzehoe den gemeinsamen Glaubensweg gehen konnte. Ich habe hier sehr viele, auch private Glaubensgespräche geführt. Besonders fasziniert war ich immer von den ökumenischen Bibelwochen und dem interreligiösen Dialog. Ich habe eine Heimat gefunden, die ich nun schweren Herzens verlasse.

Warum gehen Sie denn weg?

Gott hat mich durch die Stimme unseres Erzbischofs nach Hamburg-Niendorf gerufen. Weil ich den Bischof in seiner Arbeit unterstützen möchte, habe ich zugestimmt.

Welche Ereignisse aus den vergangenen acht Jahren werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Das wird vor allem die Planung des Familienzentrums St. Ansgar sein. Schon ein halbes Jahr, bevor ich in Itzehoe eingeführt wurde, war ich darin eingebunden. Unsere große Hoffnung war, dass sich das Zentrum bewähren wird. Jetzt im Rückblick können wir sagen, dass viele Menschen mit ihren Nöten, insbesondere auch die vielen Flüchtlinge, dort eine Heimat gefunden haben. Der Bau hat sich mehr als gelohnt.

In Ihre Zeit in Itzehoe sind auch viele Schicksalsschläge für die Stadt gefallen, beispielsweise die Gasexplosion in der Schützenstraße. War das für einen Seelsorger auch eine Herausforderung?

Ja, solche Ereignisse sind immer eine riesige Herausforderung. Gemeinsam mit unseren evangelischen Geschwistern habe ich viele Gedenkgottesdienste gehalten. Einer der getöteten Arbeiter stammt aus einer Familie aus unserer Pfarrei. Da ist es meine Aufgabe, die Angehörigen zu begleiten und Mut zu machen. So etwas geht unter die Haut.

Schon vor Ihrem Einstieg in Itzehoe wurden die Pfarreien Glückstadt und Brunsbüttel aufgelöst und eingemeindet. Sind sie inzwischen zusammengewachsen?

Ja, das sind sie. Man darf sich eben eine Pfarrei nicht mehr so wie früher vorstellen, als alle Mitglieder rund um den Kirchturm wohnten. Die unterschiedlichen Angebote sind auf viele Weisen vernetzt. Beispielsweise leben in Glückstadt sehr viele eritreische Flüchtlinge, die an Angeboten des Familienzentrums in Itzehoe teilnehmen.

Ist das soziale Engagement also ein wichtiger Schlüssel für das Zusammenwachsen, auch wenn die Gemeinde jetzt noch einmal vergrößert wird?

Auf jeden Fall. Das sollte für christliche Gemeinden eigentlich ganz selbstverständlich sein.

Die katholische Kirche hat einige Probleme: Die Zahl der Mitglieder schrumpft, immer weniger Menschen nehmen an den Gottesdiensten teil. Ist das Grund für Pessimismus?

Wo etwas stirbt, wächst auf der anderen Seite auch wieder etwas. In unserer Pfarrei sind im Moment 120 Sprachpaten für Flüchtlinge aktiv. Der Kirchenbesuch mag zurückgegangen sein, aber die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist gestiegen. Das ist für mich ein Grund, um positiv in die Zukunft zu blicken.




> Pfarrer Ulrich Krause wird Sonntag, 25. September, 14.30 Uhr, mit einem Gottesdienst in St.  Ansgar in der Hindenburgstraße verabschiedet. Die Amtseinführung von Joachim Kirchhoff ist Sonntag, 9. Oktober, 14 Uhr, in Heide.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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